Werden die Anleger entschädigt? Wirecard-Manager packt aus – die Chancen auf Schadensersatz steigen

Gastautor: Roland Klaus
17.07.2020, 09:39  |  36559   |   |   

Im Betrugsfall Wirecard gibt es offenbar das erste Geständnis. Der ehemalige Chef einer Tochtergesellschaft im Nahen Osten hat Berichten zufolge eine Tatbeteiligung eingeräumt. Das ist ein wichtiger Schritt in der Frage, welche Schadensersatzansprüche Anleger haben könnten.

Hatte sich Wirecard in ersten Meldungen noch als Geschädigter eines Betrugs dargestellt, so fällt nun langsam die Fassade, an die zuletzt ohnehin niemand ernsthaft geglaubt hat. Der inhaftierte Ex-Chef der Wirecard-Tochter Cardsystems Middle East hat nach Angaben seines Anwalts seine Tatbeteiligung eingeräumt. Einzelheiten sind nicht bekannt - dennoch handelt es sich um einen wichtigen Schritt.

Denn er offenbart, dass der Betrug eindeutig aus dem Inneren von Wirecard gekommen ist. Die nächsten Wochen werden wahrscheinlich weitere Erkenntnisse und Geständnisse bringen, die zeigen werden, wer alles von den kriminellen Machenschaften wusste. Für Anleger, die Geld mit Wirecard verloren haben, ist das eine spannende Entwicklung. Denn die Unternehmensführung von Wirecard ist ein wichtiger Adressat für Anleger, die auf Schadensersatz klagen.

Berichten zufolge existiert eine Managerhaftpflichtversicherung (sogenannte D&O-Versicherung), die bei Pflichtverletzungen der Unternehmensführung von Wirecard greift. Sie soll bei 125 Mio. Euro gedeckelt sein. Unterstellt man, dass Anleger insgesamt Schäden in Höhe von 1,5 bis 2 Mrd. Euro einklagen, so könnte bereits ein nennenswerter Anteil an Entschädigung aus dieser D&O-Versicherung fließen. Informieren Sie sich hier kostenlos und unverbindlich, wie Sie vorgehen müssen, um als geschädigter Wirecard-Anleger Schadensersatz zu fordern.

Klar ist aber auch, dass die Suche nach Anlegerentschädigung ein mühsames Puzzle wird, in dem man verschiedene Seiten in die Haftung nehmen muss. Insgesamt sehen wir vier Parteien, bei denen für geschädigte Anleger Geld zu holen sein könnte.

Erstens die Unternehmensführung, die sowohl mit eigenem Vermögen als auch über die D&O-Versicherung haftet. Zweitens das insolvente Unternehmen Wirecard – hier werden gerichtlich festgestellte Schadensersatzansprüche der Anleger wie normale Schulden behandelt. Sie werden also eine Zahlung entsprechend der Insolvenzquote erhalten. Drittens der Wirtschaftsprüfer EY Ernst&Young, der die Wirecard-Bücher über zehn Jahre geprüft hat und sich sehr wahrscheinlich schadensersatzpflichtig gemacht hat. Und viertens der Regierungsbereich, in dem sich sowohl die Finanzaufsicht Bafin als auch das Finanzministerium und die Bilanzpolizei DPR massiv blamiert haben.

Auf keinen Fall sollten geschädigte Anleger vorschnell die Hoffnung auf Entschädigung fallen lassen und nichts unternehmen. Stattdessen ist es jetzt an der Zeit, die individuellen Möglichkeiten auf Schadensersatz prüfen zu lassen, beispielsweise kostenlos und unverbindlich bei der Interessengemeinschaft Widerruf. Zwar laufen zunächst keine Fristen, die Aktionäre beachten müssen – und es ist auch nicht mit einer schnellen Lösung oder gar Auszahlung von Entschädigungen zu rechnen. Doch gleicht der Fall Wirecard einer Art „Anti-Mikado“. Hier gilt: Wer sich nicht bewegt, verliert. Denn eine Entschädigung für alle Aktionäre wird es nicht geben. Nur wer sich selbst aktiv um eine Entschädigung kümmert, wird diese letztlich auch erhalten.

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2 Kommentare

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Kommentare

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17.07.20 19:01:11
Illusionen alles illusionen
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17.07.20 13:46:53
Wers glaubt wird selig 😇 das Ende der Geschichte werden die meisten nicht mehr erleben...hier hängen so viele ach so wichtige Personen mit drin, die pinkeln sich nicht gegenseitig ans Bein.

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