Wie Menschen sich zur Marke machen Top-Publizist Zitelmann: Albert Einstein, Arnold Schwarzenegger und Kim Kardashian in einer Reihe

17.07.2020, 15:19  |  8410   |   |   

Dr. Dr. Rainer Zitelmann hat in seinem Leben schon viele Berufe ausgeübt. Er ist Historiker, Soziologe, Immobilien-Investor und Publizist. Mit wallstreet:online hat Zitelmann über sein neues Buch* gesprochen. Darin zeigt er, wie es die verschiedensten Personen der Zeitgeschichte geschafft haben, sich selbst zu vermarkten. Hinter allem stehe das Streben der Menschen nach Anerkennung, sagt er. Auch wenn die meisten Menschen gar nicht berühmt werden wollten.

wallstreet:online: In Ihrem neuen Buch „Die Kunst, berühmt zu werden“* stellen Sie die unterschiedlichsten Menschen vor. Was haben Albert Einstein, Karl Lagerfeld und Kim Kardashian gemeinsam?

Rainer Zitelmann: In der Tat: Unterschiedlicher könnten Menschen nicht sein. Und manche einfachen Gemüter sind auch gleich auf die beabsichtigte Provokation reingefallen und haben sich aufgeregt, dass zum Beispiel Albert Einstein und Stephen Hawking zusammen mit Arnold Schwarzenegger und Kim Kardashian genannt werden. Aber genau dies ist das Interessante, dass alle diese sehr, sehr unterschiedlichen Personen eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind beziehungsweise waren Genies der Selbstvermarktung. Sie alle haben viel Zeit, Energie und Kreativität darauf verwandt, aus sich selbst eine Marke zu machen.

wallstreet:online: Andy Warhol – der ebenfalls in Ihrem Buch* vorgestellt wird – ist bekannt für seine Aussage: „In Zukunft wird jeder 15 Minuten berühmt sein“. Mit Blick auf die sozialen Medien scheint sich diese Aussage zu bewahrheiten. Ist die Außendarstellung wichtiger geworden als Talent, Wissen und Kompetenz?

Rainer Zitelmann: Nun ja, von den 7,8 Milliarden Menschen auf der Welt werden die meisten niemals berühmt, auch nicht für 15 Minuten. Richtig ist, dass die sozialen Medien viel mehr Menschen die Möglichkeit geben, berühmt zu werden, als dies früher der Fall war. In meinem Buch zeige ich, wie Kim Kardashian das gelang. Ich würde aber nicht Außendarstellung einerseits und Talent, Wissen und Kompetenz andererseits starr gegenüberstellen. Einstein und Hawking hatten ohne Zweifel großes Wissen und Kompetenz, aber das war nicht der Grund, warum sie berühmt wurden. Denn 99,99 Prozent der Menschen, die diese Physiker verehrten und bewunderten oder ihnen sogar zujubelten, konnten doch ihre Theorien, also etwa die Relativitätstheorie oder Theorie über die schwarzen Löcher gar nicht verstehen. Es gab viele Physiker, die viel größere Leistungen als Hawking erbrachten, aber die unbekannt blieben. Hawking selbst hat eingeräumt. „Für meine Kollegen bin ich nur ein Physiker unter vielen anderen, doch für die Öffentlichkeit wurde ich womöglich zum bekanntesten Wissenschaftler der Welt.“ Er wurde berühmt, weil er die Gesetze der Selbstvermarktung verstand und nicht, weil er die Gesetze der Schwarzen Löcher verstand.

Bücher von Rainer Zitelmann*

 

wallstreet:online: Sie selbst sind Historiker, Immobilien-Investor, Unternehmer, Autor und Journalist. Das klingt, als seien Sie – ähnlich wie Karl Lagerfeld – eine Berufsperson. Welche Jobbezeichnung passt am besten zu Ihnen?

Rainer Zitelmann: Mir macht es Freude, die Rollen immer mal wieder zu wechseln. Ich definiere mich stets über das, was ich aktuell tue. Ich bin heute vor allem Autor und Publizist. Früher war ich Historiker, dann Cheflektor eines großen Verlages, dann Journalist und schließlich Unternehmer und Investor - und schließlich habe ich in Soziologie ein zweites Mal promoviert. Natürlich bin ich heute immer noch Investor, aber mein Schwerpunkt ist, dass ich für Zeitungen in den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweiz und Deutschland regelmäßig schreibe und in Asien, Europa und den USA Vorträge über meine Bücher halte.

wallstreet:online: In Ihren Büchern geht es oft um die Themen Geld, Reichtum und Erfolg. Gehört Berühmtheit für Sie zu einem erfolgreichen Leben dazu?

Rainer Zitelmann: Nein, nicht unbedingt. Die meisten Menschen wollen gar nicht berühmt werden. Und die, die es wollen, behaupten auch, dass sie es nicht wollen. Ich kenne viele Menschen, die reich sind, aber es am liebsten haben, wenn man sie gar nicht in der Öffentlichkeit kennt – schon wegen dem Neid. Ich bin aber der Meinung, dass die meisten Menschen, die nicht einfach eine Durchschnittsexistenz führen wollen, entweder nach Geld, Ruhm oder Macht streben. Sie werden dann Unternehmer, Künstler, Sportler oder Politiker. Arnold Schwarzenegger, der in meinem Buch ebenfalls porträtiert wird, strebte nach sportlichem Erfolg, Geld, Ruhm und Macht. Ein normales Leben wäre das Schlimmste gewesen, was er sich hätte vorstellen können. Er wäre damit nicht glücklich geworden. „Mit meinen Träumen und meinem Ehrgeiz“, so Schwarzenegger, „war ich definitiv nicht normal. Normale Menschen können mit einem normalen Leben glücklich sein. Ich war da anders. Ich fühlte, dass das Leben mehr für mich vorgesehen hatte, als mir nur eine Durchschnittsexistenz zu bescheren.“

wallstreet:online: Ständig im Mittelpunkt zu stehen kann sicher auch anstrengend und sogar gefährlich sein. Wer berühmt ist, polarisiert auch immer. Wieso möchten Menschen eigentlich berühmt werden?

Rainer Zitelmann: Jeder Mensch braucht Anerkennung. Der amerikanische Psychologe und Philosoph William James meinte: „Der stärkste Trieb der menschlichen Natur ist das Streben nach Anerkennung.“ Und jeder Mensch möchte beachtet werden. Die größte Strafe für einen Menschen ist ja Nichtachtung. Und nun ist es so, dass dieses Streben, beachtet und anerkannt zu werden, bei manchen Menschen stärker und bei anderen schwächer ausgeprägt ist. Und dann gibt es Menschen, bei denen dieses Streben stark ausgeprägt ist und die zugleich wissen, wie man es erfolgreich umsetzt. Das sind die Menschen, die ich die Genies der Selbstvermarktung nenne und von denen mein Buch handelt. Übrigens glaube ich, dass die meisten Menschen, die mein Buch kaufen, das nicht deshalb tun, weil sie berühmt werden wollen, sondern einfach aus Neugier, mehr über dieses Thema zu erfahren. Andere wollen vielleicht nicht berühmt werden, erkennen aber, dass ihnen ein wenig mehr Selbstvermarktung gut tun würde.
 

wallstreet:online: “Wenn du nicht mehr brennst, starte neu!“* heißt es in einem Ihrer Bücher. Woran arbeiten Sie gerade und wann ist Ihr nächster Neustart geplant?

Rainer Zitelmann: Gerade ist eine Neuauflage dieses Buches erschienen. Ich habe ein Kapitel hinzugefügt, das die Überschrift trägt: „Ich erobere die Welt“. Was damit gemeint ist, kann man entweder in dem Buch nachlesen oder in den nächsten Jahren beobachten.

Das Gespräch führte Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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2 Kommentare

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Kommentare

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18.07.20 01:20:51
Flitzpiepe, würde meine Oma sagen.
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17.07.20 18:05:22
Charakter haben Sie keinen, zumindest nicht öffentlich---das nennt man "Coming Out" was Sie gerade tun.

Es überrascht vielleicht Andere, mich nicht--- wer aber immer nur an Selbstvermarktung denkt bleibt nicht wirklich lange im Gedächtnis denn er hat zum Schluß nämlich kein Vermächtnis.! :-)

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