Vermögensverwalter über Aktienkurse: Treiber sind vor allem psychologische Faktoren

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
21.07.2020, 09:16  |  275   |   |   
Die Lage an den Finanzmärkten ist schwer überschaubar, sagt Uwe Günther, Gründer der Vermögensverwaltung BPM Berlin Portfolio Management. Haupttreiber der Kursschwankungen seien psychologische Faktoren. Bei der aktuellen Betrachtung der Finanzmärkte kristallisieren sich sechs Punkte heraus.
1. Bei der Frage, ob mit einem U, V, L, W oder Hockey-Stick & Co. zu rechnen ist, war ursprünglich der Verlauf der künftigen Wirtschaftsleistung gemeint. In den zurückliegenden Wochen wurde diese Form der Kurvendiskussion mehr und mehr auf die Entwicklung der Aktienindizes übertragen. Schelmisch könnte man sagen: Wenn die Wirtschaft schon keine nachhaltigen Erholungssignale liefert, nehmen wir uns doch einfach den Nasdaq 100 Index und deklarieren ihn als vollendete V-Formation. Und so verlagert sich klammheimlich das global-ökonomische Trauerspiel in eine optische Erfolgstory.
2. Noch vor nicht allzu langer Zeit waren sich verschiedene medienpräsente milliardenschwere Fondsmanager und Hedgefonds-Gurus darüber einig, dass die langfristigen Renditen der weltweit bedeutendsten zehnjährigen US-Staatsanleihen innerhalb der nächsten Jahre schnell in den Bereich von 4 bis 5  Prozent steigen würden. Nur wenige möchten heute noch an dieses grandiose Fehlurteil erinnert werden. Denn eines scheint auch ihnen heute sonnenklar: Für steigende Renditen ist der weltweite Schuldenberg viel zu groß geworden. Dank des weiterhin starken deflationären Drucks dürfte sich daran auch - bis zum wieder einmal reinigenden globalen Schuldenkollaps - auch nichts mehr ändern.
3. Beim Blick auf den weltweiten Aktienmarkt lässt sich eine ähnliche - und leider nicht marktwirtschaftlich erfreuliche - Aussage treffen. Aufgrund der desolaten Verfassung der Weltwirtschaft am Ende einer jahrelangen Liquiditätsorgie mit dem krönenden Höherpunkt der Covid-19-Pandemie und weiteren Billionen ungedeckten Geldes können Aktien, derzeit, kaum noch fallen. Für sinkende Kurse ist derzeit einfach zu viel Rettungsliquidität im Markt und ein Ende der Geldschöpfung aus dem Nichts ist nicht in Sicht.
Der krönende Höhepunkt kann sich derzeit nur aus einer - unwahrscheinlichen - politischen Unfähigkeit der Notenbanken zum Geldrucken oder aus einem - wahrscheinlicheren - grassierenden Vertrauensverlust in die Kaufkraft der Papier-Währungen herleiten. Und das ist keine Frage des Ob, sondern lediglich des Wann. Spekulanten gegen die scheinbare Allmacht der Notenbanken seien aber gewarnt - die fragile Stabilität der Börsensituation könnte länger andauern, als sie liquide sind.
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