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Die Versöhnung von Mensch, Wirtschaft und Umwelt

Gastautor: Markus Ross
24.07.2020, 16:44  |  1254   |   |   

Der Mensch betreibt Raubbau an der Natur und richtet enorme Umweltschäden an. Die Natur einschließlich der Meere wird kontinuierlich weiter vermüllt und verunreinigt, die Luft in manchen Industriegebieten (in China zum Beispiel) ist gesundheitsgefährdend schlecht und es besteht die Gefahr, dass wir langsam aber sicher unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören.

Im Jahr 2020 findet der sogenannte „Earth Overshoot Day“ am 22. August statt. Bis zu diesem Tag des Jahres hat die Menschheit schon alle Ressourcen verbraucht, die die Erde im Laufe des gesamten Jahre neu generieren kann. Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Die Hauptursache für diese Entwicklung ist sicherlich die rasante Zunahme der Weltbevölkerung auf inzwischen knapp 8 Milliarden Menschen. 

Über viele Jahre waren die Menschen so unproduktiv, dass die Menschheit allein wegen mangelnder Nahrung nicht so schnell wachsen konnte, wie das heute der Fall ist. Im Jahr 10.000 vor Christus bevölkerten nur etwa 5 Millionen Menschen die Erde und ernährten sich mehr schlecht als recht von dem, was sie jagten und sammelten. Und vor 100.000 Jahren gab es schätzungsweise nur etwa 100.000 Menschen auf der ganzen Welt. 

Die Landwirtschaftliche Revolution (die Sesshaftwerdung, Beginn von Ackerbau und Viehzucht, genannt auch ‚neolithische Revolution, Beginn etwa 11.000 vor Christus) führte zu einem ersten kräftigeren Bevölkerungswachstum.
So lebten zu Zeiten von Christi Geburt immerhin bereits geschätzte 200 Millionen Menschen auf unserem Planeten. Das sind jedoch immer noch nur etwa 0,25 Promille der heutigen Zahl.

Das 18. Jahrhundert mit der Industriellen Revolution, die auch zugleich eine zweite Landwirtschaftliche Revolution war, erhöhte die Produktivität der Menschen enorm, auch im Bereich der Landwirtschaft. Immer weniger Menschen konnten immer mehr Menschen mit Nahrung versorgen. Während bis zur zweiten Landwirtschaftlichen Revolution zwischen 80 und 90 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft arbeiteten, um mühsam die Nahrung für die Bevölkerung zu generieren, sind heute in Deutschland noch vielleicht 2% in der Landwirtschaft tätig.

Dass die Welt in der Lage ist, heute fast 8 Milliarden Menschen mehr oder weniger gut zu ernähren, ist insofern sicherlich das ‚Verdienst‘ des Kapitalismus und seiner produktiven Errungenschaften.

Aber dem Kapitalismus als Gesellschaftsform die Schuld an den Umweltschäden zu geben, führt in die falsche Richtung. Das zeigt allein schon die desolate Umweltbilanz der sozialistischen Länder, die aufgrund ihrer Struktur kaum in der Lage sind, ihre Bevölkerungen mit dem Nötigsten zu versorgen und insofern gar keinen Spielraum haben, sich um Umweltschutz zu kümmern. Im Kommunismus und Sozialismus passiert in Richtung Umweltschutz praktisch nichts, da Umweltschutz ein ‚Luxusgut‘ ist und immer zunächst die Grundbedürfnisse der Menschen gedeckt werden müssen, Nahrung und Unterkunft.

Viele Unternehmen in der freien Marktwirtschaft freuen sich natürlich über den Zuwachs von Abnehmern für ihre Produkte und ihr Geschäftsmodell beruht oft darauf, dass die Zahl potentieller Kunden immer weiter wächst. Das Wachstum der Wirtschaft wird insofern natürlich zum Teil auch durch das Wachstum der Weltbevölkerung gefördert; die immer mehr Nahrung, Autos, Fernseher, Handys und Waschmaschinen konsumieren möchte.

Ein Problem der freien Marktwirtschaft ist in diesem Zusammenhang, dass zum Teil eigentlich ineffiziente Wege von Unternehmen profitabel beschritten werden können, weil ein guter Teil der Kosten „externalisiert“ wird, das heißt nicht vom Produzenten oder seinen Vertriebskanälen getragen und der Allgemeinheit aufgebürdet werden (zum Beispiel Umweltschäden in Form von Luftverschmutzung beim Transport von Gütern von Asien nach Europa oder Amerika oder der ‚Vermüllung‘ von Landschaft und Meeren). Auch die Externalisierung von Kosten ist ein Beispiel dafür, wie Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Hier müssen effiziente Wege gefunden werden, diese Kosten zu berücksichtigen, damit nachhaltig gewirtschaftet wird und einer solchen Verschwendung von Ressourcen Einhalt geboten wird.

Die Begrenzung des Bevölkerungswachstums oder eine humane, natürliche Verringerung der Weltbevölkerung wäre auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, um unsere Natur vor weiterer Zerstörung zu bewahren. Aber das alleine wird nicht reichen.

Denn auch vor vielen Tausend Jahren, als nur eine Handvoll Menschen auf unserem Planeten lebten, richteten diese schon ungeheure Umweltschäden an (Brandrodungen, Feuer wurde zur Jagd eingesetzt) und rotteten auch damals schon eine große Zahl von Tieren aus. Die angerichteten Schäden waren so groß, weil die ‚Produktionsweisen‘ extrem ineffizient waren.

Das zeigt uns, dass die Lösung vermutlich nur darin liegen kann, mit einem effizienten Wirtschaftssystem zu arbeiten, netto keine Ressourcen mehr zu vernichten, Umweltschutz und Tierschutz als Kernziel zu definieren, die Externalisierung von Kosten bei Produktion und Vertrieb und parallel auch das weitere Wachstum der Bevölkerung zu verhindern. Die Umsetzung sollte jedoch mit möglichst geringem Bürokratieaufwand erfolgen – und natürlich auf globaler Ebene.

Wie das bestmöglich geschehen kann, müssten Spezialisten aus den verschiedensten Fachgebieten gemeinsam klären. Langfristig gute Lösungen wird es aber nur geben, wenn alle diese Fachleute frei von Ideologien arbeiten. Tumbe Kapitalismuskritik wird nicht zum Ziel führen.

Autor: Markus Ross




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