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Brisante Insider-Informationen nach neuen Festnahmen w:o exklusiv: Begann der Wirecard-Betrug schon weit vorher im Jahr 2008?

Nach der Festnahme weiterer ehemaliger Wirecard-Führungskräfte geraten immer neue brisante Details an die Öffentlichkeit. Wie wallstreet:online exklusiv erfahren hat, könnte der mutmaßliche Betrug mit umkodierten Kreditkartenumsätzen schon seit mindestens 2008 zum Geschäft von Wirecard gehört haben. Möglicherweise waren Vorstände des Unternehmens bereits frühzeitig in die Aktivitäten involviert.

Das legen Informationen nahe, die der w:o Redaktion vorliegen. So soll ein ehemaliger Mitarbeiter von Wirecard im Jahr 2009 in privaten Gesprächen zugegeben haben, dass auch Ex-Finanzvorstand Burkhard Ley – der inzwischen festgenommen wurde – von den illegalen Glücksspielumsätzen wusste. Brisant: Auch ein weiterer Ex-Wirecard-Vorstand, gegen den bislang kein Haftbefehl vorliegt, soll in die Machenschaften involviert gewesen sein. Der Name dieses Ex-Vorstands ist der Redaktion bekannt.

Der jetzt verhaftete Burkhard Ley ist ehemaliger Direktor der Privatbank Sal. Oppenheim und war von 2006 bis 2017 als Finanzvorstand für Wirecard tätig. Die Staatsanwaltschaft München geht bislang davon aus, dass die Wirecard-Manager spätestens seit 2015 Bilanzen gefälscht haben. "In Wirklichkeit war den Beschuldigten spätestens seit Ende 2015 klar, dass der Wirecard-Konzern mit den tatsächlichen Geschäften insgesamt Verluste erzielte", so eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch. Sollten sich die w:o-Informationen bewahrheiten, wäre wohl schon deutlich länger kriminelle Energie bei Wirecard im Spiel gewesen, als die Staatsanwaltschaft bislang annimmt.

Die wallstreet:online vorliegenden Informationen deuten auf ein ausgeklügeltes Geldwäsche-System hin, mit dem Wirecard möglichweise jahrelang Geschäfte gemacht hat. Dabei hat das Unternehmen Umsätze von Online-Casinos (die von US-amerikanischen Kreditkartenfirmen geblockt werden) auf unverdächtige Geschäfte wie Blumenläden und Reisebüros umkodiert und dafür von den Glücksspielanbietern hohe Provisionen erhalten haben. Schon vor über zehn Jahren kursierte im Internet (unter anderem auch im w:o Forum) ein Schreiben, in dem der Kreditkartenriese Mastercard dem Zahlungsdienstleister aus Aschheim wegen dieser Praktiken mit einer Vertragsstrafe droht.

Die Staatsanwaltschaft konfrontierte den Wirecard-Insider im Jahr 2011 mit den Vorwürfen gegen das Unternehmen und die Ex-Vorstände. In einer schriftlichen Aussage stritt dieser jedoch ab, entsprechende Infos über Wirecard weitergegeben oder bestätigt zu haben. Zu dem Zeitpunkt arbeitete er nach eigenen Angaben bereits nicht mehr für Wirecard. In privaten Gesprächen soll er jedoch erklärt haben, dass er Informationen zu Wirecard gegenüber Ermittlungsbehörden nicht wiederholen würde, weil er von Seiten des Unternehmens schon bedroht worden sei.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion




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