ROUNDUP Kampf gegen 'Corona-Lücke' - Schwieriger Start ins Ausbildungsjahr

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
01.08.2020, 17:04  |  180   |   |   

BERLIN (dpa-AFX) - Es ist ein holpriger Start - in ein ganz besonderes Ausbildungsjahr. Die Corona-Krise hat bei Azubis und Betrieben für viele Probleme gesorgt. Die Berufsorientierung ist deutlich schwieriger geworden: Ausbildungsmessen und andere Veranstaltungen fielen aus. "Der Ausbildungsmarkt ist in schwerem Fahrwasser und das macht uns im Moment schon Sorgen", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur. Das Handwerk sei in der Vermittlung sechs bis acht Wochen hinterher. Von Januar bis Juni seien 16,6 Prozent seien weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Vorjahreszeitraum.

Die Folgen der Corona-Krise belasten viele Betriebe, Umsätze und Gewinne sind eingebrochen. Die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte warnte aber: "Auf die Corona-Krise darf keine Fachkräftekrise folgen. Wird jetzt an der Ausbildung gespart, hören wir spätestens nach Corona die Klagen über den Fachkräftemangel. Die Unternehmen müssen alles tun, um bestehende Ausbildungen fortzuführen und neue Ausbildungsplätze zu schaffen."

Einer, bei dem es gepasst hat, ist Lucas Ackermann. "Ich bin schon ein wenig aufgeregt", sagte der 16-Jährige. Er fängt am Montag eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bei einem Betrieb in Köln an. Es ist in Zeiten des Klimaschutzes ein Job mit Zukunft, viele Unternehmen der Branche suchen händeringend Azubis.

"Der Weg dorthin aber war holprig", erzählte Vater Wolfgang Ackermann-Hentschel (49). "Wir waren auf der letzten Rille unterwegs, wir haben Glück gehabt." Im Juni hat Lucas seinen Realschulabschluss gemacht. Dann begann die Suche: Was will ich machen, wie bekomme ich einen Ausbildungsplatz? Und das in Corona-Zeiten mit der Absage von Ausbildungsmessen, auch ein "Speed-Dating" zwischen potenziellen Azubis und Betrieben fiel aus.

Über einen "Bildungslotsen" der Kölner Handwerkskammer bekam Lucas dann ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Betrieb. "Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, weil man viel unterwegs ist und mit Leuten Kontakt hat." Die Chemie stimmte, vor drei Wochen - nach dem Ende seines Praktikums - hat die Firma Lucas einen Ausbildungsvertrag angeboten. "Die Erleichterung war schon groß, als ich den Vertrag unterschrieben habe", sagt der 16-Jährige. Und sein Vater ergänzt: "Danach sind wir erst einmal zum Essen ausgegangen."

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