16,4 Milliarden Euro Kaufpreis Siemens Healthineers greift für Übernahme tief in die Tasche - Deal stößt auf geteiltes Echo

03.08.2020, 17:10  |  5560   |   |   

Der Medizintechnik-Spezialist Siemens Healthineers will mit der Übernahme des US-amerikanischen Krebsspezialisten Varian Medical Systems zu einem der führenden Unternehmen im Gesundheitssektor aufsteigen. Der Kaufpreis von 16,4 Milliarden Euro ist für den Mutterkonzern Siemens der größte Zukauf seiner Geschichte. Varian-Aktionäre erhalten für ihre Anteile einen kräftigen Aufschlag von 21 Prozent über dem Schlusskurs vor der Bekanntgabe.

Siemens Healthineers ist vor allem in den Bereichen Bildgebung und Diagnostik vertreten. Durch die Varian-Übernahme holt sich der MDAX-Konzern nun die Strahlentherapie ins Portfolio.

Doch die Mega-Übernahme stößt nicht nur auf Zustimmung bei den Börsianern. Das Wertpapierhandelshaus Alpha sieht sich bereits an die Übernahme des Öl- und Gasindustrieausrüsters Dresser Rand vor sechs Jahren erinnert, der sich als Fehlschlag für Siemens herausstellte. “Nun bejubelt die Presse den nächsten US-Zukauf mit dummem deutschem Geld, und Analysten werden es ebenfalls tun”, so die Alpha-Analysten.

Für die DZ-Bank kommt die Übernahme überraschend. Siemens Healthineers „kauft sich damit für einen stolzen Preis wieder in ein Segment ein, das sie vor Jahren (vorwiegend aufgrund der Konkurrenz durch Varian) aufgegeben hatten. Der durchaus interessanten Wachstumsperspektive stehen ein hoher Kaufpreis und die Verwässerung der Altaktionäre gegenüber“, so Analyst Elmar Kraus.

Holger Fechner von der NordLB sieht die Übernahme positiver. Gegenüber wallstreet:online sagt er: „Der Kaufpreis erscheint angesichts des erworbenen Produktportfolios, der angestrebten Synergieeffekte sowie eines raren Übernahmeumfeldes noch akzeptabel. Zudem kennen sich die Unternehmen durch eine schon langjährige Zusammenarbeit.“

Die Varian-Übernahme soll zum Teil über eine Kapitalerhöhung finanziert werden. Dadurch könnte der Siemens-Anteil an Healthineers von derzeit 85 auf 72 Prozent sinken. Die Folge: Der höhere Streubesitz könnte sogar einen Aufstieg in den DAX möglich machen. Zunächst einmal aber dürfte die Übernahme den Aktienkurs belasten. „Die höhere Verschuldung und insbesondere die Finanzierung über Aktienplatzierungen dürfte allerdings kurz- bis mittelfristig die Kursentwicklung bremsen“, so NordLB-Experte Fechner. Unterm Strich jedoch mache Siemens Healthineers „einen bedeutenden Schritt hin zu einem führenden Unternehmen im Gesundheitswesen mit einem umfangreichen Portfolio zur Krebsbekämpfung.“

 

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Fast in den Hintergrund geriet angesichts der Neuigkeiten am Montag die Bekanntgabe der Quartalszahlen. Erwartungsgemäß ging der Umsatz um 7,2 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zurück. Routine-Diagnostikuntersuchungen mussten aufgrund der Corona-Pandemie vielerorts ausfallen oder verschoben werden. Krankenhäuser und Labore hielten sich deshalb beim Kauf neuer Geräte zurück.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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