Wirecard-Affäre medial hoffnungslos aufgebauscht

Gastautor: Dr. Viktor Heese
04.08.2020, 12:58  |  3709   |   |   

Der Skandal um den Zahlungsabwickler wird von unbedarften Medien massiv dramatisiert. Wir lesen von der größten Finanzaffäre der deutschen Nachkriegsgeschichte, dem irreparablen Schaden für den hiesigen Finanzplatz oder einem Super-Bilanzbetrug. Dabei ist der Skandal im Vergleich zu der Banken- und Finanzkrise von 2009 nur ein Kleinunfall, Deutschland kann in der Finanzwelt ohnehin keinen guten Ruf verlieren, weil es ihn nicht hat und last but not least die Bilanzmanipulation ist keinesfalls neu, sondern eine billige Kopie der Ära des Neuen Marktes (New Economy) von 2000/2001. Auch entstand durch die Insolvenz kein außerbörslicher (bei Nicht-Anlegern) und kein bankexterner Schaden (bei Nicht-Banken) Schaden, weil Wirecard keine Zulieferer hat, im Inland „nur“ knapp tausend Arbeitsplätze verloren gehen und die Wirecard-Kunden kein Geld verlieren. 

Kleine operative Verhältnisse, die „blinde“ Börse machte auch diesen Hochstapler zum Star

Ein schneller Blick auf die Konzernbilanz 2018 - ohne das Bankgeschäft - belegt, dass der Bankrotteur https://ir.wirecard.com/download/companies/wirecard/Annual%20Reports/D ..., mit zwei Milliarden Umsatz, einem Eigenkapital von knapp einer Milliarde, Jahresgewinnen von zwei- bis dreihundert Millionen (alles in Euro) und weltweit fünftausend Beschäftigten kaum als ein systemrelevanter Finanzriese gelten darf. In Wirklichkeit war DAX-Neuling noch kleiner, weil ja die die entscheidenden Bilanz- und Ertragszahlen „getürkt waren“.  

Falls die nicht zum ersten Mal „blinde“ deutsche Börse den Hochstapler zum Riesen stilisierte, liegt die Schuld primär bei den gierigen Aktionären und den trendkorrekten Analysten, weniger beim „Papiertiger“, der Finanzaufsicht BaFin oder beim Wirtschaftsprüfer EY. Denn die Wirecard-Aktie war auch ohne die Fälschungen - wie einst in Zeiten des Neuen Marktes (2000/2001) der Versicherungsmakler MLP, welcher sich ebenfalls den Einstieg in die erste deutsche Börsenliga erschlichen hatte - hoffnungslos überteuert. Parallelen zu damals sind keineswegs zu übersehen. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/finanzdienstleister-das-konzept-kommt-an/216494.html. Auch die Umsatzmanipulation mit fiktiven Asien-Geschäften wie einst beim „Rekordler“ Comroad, der es auf eine Betrugsquote von 97% gebracht hatte sind nichts neues. https://www.welt.de/print-welt/article421064/Comroad-einer-der-groesst ...

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