Aktive vs. passive Fonds Finanzjournalist Marko Gränitz: "Im Crash zeigt sich, welche Manager wirklich 'Skill' besitzen"

06.08.2020, 15:05  |  6920   |   |   

Preisgünstige Indexfonds erfreuen sich seit Jahren steigender Beliebtheit. Ist der Zweikampf zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds damit entschieden? Dr. Marko Gränitz ist Finanzjournalist und widmet sich Themen der Kapitalmarktforschung. In seinem Blog schreibt er regelmäßig Artikel über die zentralen Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien. Im Gespräch mit wallstreet:online erklärt er, wie der ETF-Boom den Job der Fondsmanager verändert hat.

wallstreet:online: Aktive Fondsmanager betonen gerne das Research, das in ihren Investmententscheidungen steckt. Passive Fonds halten dagegen, kostengünstiger zu sein und besser zu performen. Wer schneidet denn nun besser ab?

Dr. Marko Gränitz: Die einfache Antwort: Keiner. Zumindest dann, wenn man die Gesamtheit der aktiven und passiven Fonds betrachtet. Das zeigte William Sharpe schon im Jahr 1991 in seinem damals veröffentlichten Paper „The Arithmetic of Active Management“. Demnach müssen aktive und passive Anleger vor Kosten die gleiche Rendite erzielen. Nach Kosten sieht es dagegen etwas anders aus: Hier schneiden die etwas günstigeren passiven Produkte im Mittel besser ab. Wenn wir uns allerdings einzelne aktive Fonds anschauen, ist die Bandbreite der erzielten (relativen) Performance natürlich sehr groß.

wallstreet:online: In einem Ihrer Blog-Posts erklären Sie, wie aktive Fonds davon profitieren, dass Anleger harte Arbeit mit erhöhten Erfolgschancen verbinden. Wie lange hilft dieser psychologische Trick, wenn die Ergebnisse eine andere Sprache sprechen?

Gränitz: Der Erklärung in der Studie liegen richtige Beobachtungen aus anderen Lebensbereichen zugrunde, aus denen aber mangels Kenntnis der Funktionsweise der Märkte ein falscher Schluss gezogen wird: Dass harte Arbeit systematisch zu höheren Renditen führt. Allerdings gibt es auch viele Beispiele für aktive Fonds, die mit viel Aufwand tatsächlich Überrenditen erzielen. Nur lassen sich diese kaum im Vorhinein erkennen, und die Renditen der zuletzt erfolgreichen aktiver Manager können in Zukunft auch wieder deutlich schlechter sein. Als Verkaufsargumente werden intensives Research und harte Arbeit deshalb wohl immer eine Rolle spielen, schon allein zur Abgrenzung von und Rechtfertigung gegenüber passiven Produkten.

wallstreet:online: Bieten volatile Marktsituationen, wie wir sie in diesem Jahr gesehen haben, bessere Chancen für aktive Fondsmanager, sich zu beweisen und die Benchmark zu schlagen?

Gränitz: Das Prinzip der oben beschriebenen Marktarithmetik gilt auch in volatilen Zeiten. Allerdings zeigt sich vor allem in Bärenmärkten und Crashs, welche aktiven Manager wirklich „Skill“ besitzen, indem sie zum Beispiel einen Vorteil durch (teilweise) Absicherungsgeschäfte erzielen. Hinzu kommt, dass aktive Fonds oft eine gewisse Cash-Quote haben, die bei fallenden Märkten einen kleinen Puffer darstellt. Aktive Fonds, die in volatilen Phasen sehr schlecht abschneiden, lassen sich anschließend nur schwer verkaufen und werden mitunter geschlossen. Die Entscheidungen aktiver Manager sind also immer mit dem Risiko verbunden, eine schlechtere Performance zu erzielen.

wallstreet:online: Wie hat die zunehmende Beliebtheit von ETFs die Arbeit für aktive Fondsmanager verändert? Wächst damit der Erfolgsdruck?

Gränitz: Tatsächlich scheint das der Fall zu sein. Ein Argument ist, dass sich infolge des Bedeutungsgewinns von ETFs im Wettbewerb der verbleibenden aktiven Manager zunehmend nur die besten behaupten können. Die hohe Relevanz von Benchmarks führt aber auch dazu, dass manche aktiven Manager ihr eigenes „Karriererisiko“ mit folgender Frage abwägen: Wie stark kann ich mit dem Portfolio von der Benchmark abweichen, um trotzdem noch meinen Job zu behalten, falls es schief geht? In der Folge gehen manche aktiven Manager niedrigere Risiken ein, als sie es ohne Restriktionen tun würden, woraus eine insgesamt ähnlichere Entwicklung zum Markt resultiert.

 

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wallstreet:online: Welche Anlageform bevorzugen Sie eigentlich selbst? Aktiv oder passiv gemanagt?

Gränitz: Als Kerninvestment setze ich auf große, kostengünstige ETFs, die ich nicht wieder verkaufe (Buy and Hold). Zukäufe erfolgen ausschließlich in prozentual zweistelligen Kursrücksetzern. Daneben habe ich zwei kleine Trading-Konten für Aktien und Derivate für gelegentliche (gehebelte) Positionen. Aktive Fonds besitze ich selbst nicht, kenne aber einige hervorragende Manager, an denen ich mich in bestimmten Marktphasen orientiere.

Das Gespräch führte Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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