FAANG-Aktien von übermorgen Fiverr, Teladoc, Beyond Meat - Auf der Suche nach dem nächsten Tech-Wunder

10.08.2020, 12:55  |  16783   |   |   

Die Frage, wer das „nächste Amazon- oder Facebook“ werden könnte, ist unter Growth-Investoren vielleicht die meistgestellte. Am Ende wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit aus einem Pool von 1.000 Kandidaten nur ein Unternehmen durchsetzen. Dort möglichst frühzeitig zu investieren käme einem Lottogewinn gleich. Den einen oder anderen vielversprechenden Kandidaten hat Marcus Wessel im Smart Investor unter die Lupe genommen.

Die israelische Fiverr International ist derzeit noch ein klassischer Nebenwert – das könnte sich aber in den nächsten fünf bis zehn Jahren ändern. Das Unternehmen betreibt eine Onlineplattform, die mit zunehmender Größe und Bekanntheit ebenfalls von erwähntem Netzwerkeffekt profitieren könnte. Auf Fiverr können sich Unternehmen für jeweils einzelne Aufträge die Dienste von Freelancern/Freiberuflern zu einem vorab vereinbarten Festpreis sichern. Der von Fiverr betriebene Marktplatz bietet hierfür acht Kategorien an.

Die Auswahl reicht von Dienstleistungen aus dem Bereich Grafik und Design, Video und Animation über digitales Marketing, Übersetzungen bis hin zu Programmiertätigkeiten und Unternehmensberatung. Man muss sich Fiverr als eine Art „Amazon für kreative Services“ vorstellen. Nach Umsätzen von lediglich rund 50 Millionen US-Dollar anno 2017 könnten es dieses Jahr schon dreimal so viel sein. Im ersten Quartal lag das Wachstum sogar bei 44 Prozent, womit die Dynamik erkennbar weiter zunimmt. 2021 dürfte Fiverr erstmals an der Gewinnschwelle kratzen.

Diesem Ziel kommt auch Teladoc immer näher. Der Anbieter von Telemedizin stellt eine nicht nur zu Corona-Zeiten spannende Wachstumsstory dar. Auch wenn man kurzfristig von der Börse als COVID-19-Profiteur einsortiert wird, reicht das Potenzial der Services doch weit darüber hinaus. Nachdem man im Jahr 2019 noch 553 Millionen US-Dollar erlöst hat, wird beim Umsatz schon im kommenden Jahr ein Überspringen der Milliardengrenze erwartet. Im ersten Quartal kam die Firma bereits auf 43 Millionen zahlende Mitglieder.

Die Anzahl der Online-Sprechstunden verdoppelte sich auf zwei Millionen. Immer mehr Unternehmen übernehmen zudem für ihre Angestellten die im Vergleich niedrigen Kosten einer telemedizinischen Behandlung. Bislang sind in den USA rund 50.000 Ärzte bei Teladoc angeschlossen. Da auch deren Zahl stetig wächst, dürften sich hier ebenfalls Netzwerkeffekte einstellen. Die Beratung mittels Videosprechstunde mag zwar keinen Arztbesuch ersetzen; dennoch werden Patienten in der Zukunft verstärkt auf ein solches Angebot zurückgreifen. Teladoc ist für die Entwicklung exzellent positioniert.

 

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Dass eine Growth-Aktie nicht zwangsläufig aus dem Technologieumfeld kommen muss, zeigt Beyond Meat. Die veganen Kultburger aus Erbsenprotein können selbst Fleischesser überzeugen. Das Unternehmen profitiert von Megatrends wie der Hinwendung zu einem gesünderen Lebensstil. Für immer mehr Menschen beinhaltet dieser auch den (zeitweiligen) Verzicht auf Fleisch. In den USA hat Beyond Meat zuletzt den Einzug in die großen Discounter wie Target und Walmart geschafft. Gleichzeitig expandiert man international im Windschatten von Ketten wie KFC und Starbucks. Der Bau einer Fabrik in China und einer weiteren in Europa ist Teil von Beyond Meats aggressiver Wachstumsagenda in einem absoluten Wachstumsmarkt.

Ein Risiko bleibt jedoch ein schärferer Wettbewerb – sowohl durch die großen Lebensmittelkonzerne als auch durch direkte Konkurrenten wie Impossible Foods. Beides könnte für Druck auf die Preise sorgen. Gründer und CEO Ethan Brown ist aber selbst ehrgeizig genug: In nicht allzu ferner Zukunft sollen seine pflanzlichen Burger bereits vergleichbare Fleischprodukte beim Preis unterbieten. Am Ende ist Beyond Meat kein einfacher Fleischersatzlieferant, sondern eine Marke mit Hypefaktor. Nicht zufällig gilt das Unternehmen als das „Tesla der Foodbranche“.

Deutsche Wachstumsstars

Erstklassige Growth-Aktien sind aber nicht nur auf der anderen Seite des Atlantiks zu Hause. Auf dem Kurszettel in Frankfurt stehen die Papiere des Softwareanbieters Nemetschek. Obwohl sich der Börsenwert des TecDAX-Mitglieds in den vergangenen fünf Jahren in etwa versechsfachen konnte, dürfte die Erfolgsgeschichte noch lange nicht zu Ende sein. Nemetscheks Softwarelösungen sind ein unverzichtbares Werkzeug bei der Digitalisierung der gesamten Baubranche.

Bau- und Infrastrukturprojekte lassen sich dank Nemetschek kostengünstiger, schneller und effizienter durchführen. Die fast 3.000 Mitarbeiter des Konzerns entwickeln nicht nur CAD-Lösungen für Architekten und Ingenieure, sondern auch Softwaretools, mit denen Baukosten kalkuliert und die spätere Ausführung überwacht werden kann. Auch Visualisierungssoftware, die in der Filmindustrie für die Erschaffung von Special Effects zum Einsatz kommt, ist Teil des äußerst innovativen Sortiments. Das Münchner Unternehmen überzeugt mit einer anhaltend hohen Wachstumsdynamik bei Umsätzen und Gewinnen. Selbst im Angesicht des Coronavirus geht der Vorstand davon aus, heuer eine operative Marge von mindestens 26 Prozent sowie ein leichtes Umsatzplus erzielen zu können.

Eine weitere Wachstumsstory, die sämtliche Kriterien wie aus dem Lehrbuch erfüllt, ist Zalando. Der Berliner Online-Modehändler profitiert von der Verlagerung der Einzelhandelsumsätze in das Internet – ein Trend, der sich infolge von COVID-19 nochmals beschleunigt. Ähnlich wie Amazon kann Zalando aufgrund seiner Größe Netzwerkeffekte und Kostenvorteile realisieren. Für immer mehr Modemarken, die auf Zalando mit Onlineshops vertreten sind, übernimmt man zudem als Dienstleister die komplette Logistik. Die Gefahr, mit seiner Mode einen Trend zu verpassen, scheint aufgrund des breiten Sortiments praktisch ausgeschlossen. Überhaupt ist es Zalando gelungen, sich selbst beim Verbraucher als vertrauensvolle Marke festzusetzen.

Fazit

Growth Investing erfordert zunächst eine genaue Kenntnis des jeweiligen Geschäftsmodells – schließlich gilt es, die längerfristigen Perspektiven zum Zeitpunkt des Investments richtig einzuschätzen. Anleger sollten daher bereit sein, höhere Volatilitäten in Kauf zu nehmen. Insbesondere bei Unternehmen, die operativ noch Verluste schreiben, sollte die Wachstumsagenda gezielt auf einzelne Risiken abgeklopft werden. Als Basisanlage bleiben US-(Technologie-)Aktien erste Wahl.

Autor: Marcus Wessel

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1 Kommentare

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Kommentare

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14.08.20 07:28:15
Soylent Green ist Menschenfleisch.....

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