Evotec: Geht der Abverkauf weiter?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
14.08.2020, 09:30  |  630   |   |   

Die Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal 2020 war für die Aktie von Evotec (WKN: 566480) von einem starken Abverkauf begleitet. So verlor die Biotechperle aus Hamburg annähernd 7 % und zählte damit zu den größten Verlierern der deutschen Börsenlandschaft.

Viele Aktionäre fragen nun nach den Gründen für diesen starken Abverkauf. Denn ein Absturz dieser Größenordnung erweckt den Eindruck, dass sich die fundamentalen Aussichten für Evotec eingetrübt haben. Daher werfe ich einen näheren Blick auf den Quartalsbericht und analysiere, ob die Ergebnisse tatsächlich so schlecht sind, wie diese vom Kapitalmarkt aufgenommen werden.

Das erste Halbjahr im Detail

Auf den ersten Blick erkennt man relativ schnell, welche Details der Ergebnisse des ersten Halbjahres (Q2-Bericht) den Anlegern Sorgen bereiten. So stiegen zwar die Umsatzerlöse verglichen zur Vorjahresperiode um 12 % auf 231 Mio. Euro an, jedoch blieb das operative Ergebnis deutlich unter den Werten des Vorjahres zurück. Und das nicht zu knapp. Denn das operative Ergebnis reduzierte sich von 24,0 auf 18,9 Mio. Euro um 21,0 %.

Klarerweise schlägt sich das vergleichsweise schlechte operative Ergebnis auch auf die viel beachtete operative Marge nieder. Denn diese reduzierte sich von 30,8 auf nur 23,0 %. Das bedeutet für Anleger vor allem, dass sich das operative Ergebnis unterproportional zum Umsatz entwickelt. Auf jeden Fall ein erstes Warnsignal.

Nichtsdestotrotz sollte man als Anleger nicht ausschließlich auf das Zahlenwerk achten, sondern auch die Erklärung des Managements für das Ergebnis analysieren. Denn es wurde bereits bei der Erstellung der Prognose für das Geschäftsjahr 2020 darauf verwiesen, dass dieses Jahr als eine Übergangsperiode angesehen wird. Der Grund für diese Ausnahmesituation besteht unter anderem in der Übernahme des Forschungscampus von Sanofi in Toulouse.

Diese Übernahme wirkt sich zwar zunächst nicht gewinnwirksam aus, jedoch entfallen nun regelmäßige Zahlungen von Sanofi, die im Vorjahreszeitraum 7,5 Mio. Euro betrugen. Daher lässt sich meiner Meinung nach das Ergebnis nur bedingt mit dem des Vorjahres vergleichen. Denn die Übernahme des Forschungscampus ist strategischer Natur und trägt voraussichtlich erst in den nächsten Jahren finanzielle Früchte.

Des Weiteren verwies das Management von Evotec darauf, dass sich mehrere Meilensteinzahlungen aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus verschoben haben. Demnach ist es gut vorstellbar, dass die Quartalsberichte der kommenden Perioden deutlich positiver ausfallen und das erste Halbjahr nur ein Ausrutscher war.

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