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Rational denkt rational Weltmarktführer für Profi-Kochsysteme weiß sich in Corona-Zeiten zu helfen und ist gewarnt

17.08.2020, 14:15  |  12206   |   |   

Im Gespräch mit Marcus Wessel von Smart Investor erzählt Dr. Peter Stadelmann, Vorstandsvorsitzender der RATIONAL AG, über die Folgen der Corona-Pandemie, erste Anzeichen einer Besserung und die Schwierigkeit von Prognosen.

Smart Investor: Herr Dr. Stadelmann, viele Rational-Kunden, die ja in starkem Maße aus dem Bereich Gastronomie und Hotellerie kommen, hat die Pandemie schwer getroffen. Lässt sich inzwischen so etwas wie Licht am Ende des Tunnels erkennen?

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Stadelmann: Ja, es gibt gewisse Anzeichen, die durchaus Hoffnung machen. Wobei derzeit niemand genau sagen kann, wie es weitergeht. Die große Frage ist, was im Herbst passiert. Zurzeit können sich viele Restaurants mit ihrer Außengastronomie behelfen. Die meisten arbeiten dennoch auf kleinerer Fläche und sind daher weit weniger profitabel als vor Corona. Bei den Hotels gibt es regional große Unterschiede. Manche laufen sehr gut, andere haben weiterhin nicht geöffnet, weil es sich ganz einfach nicht rechnet.

Rational

Smart Investor: Können Sie etwas zur Umsatzaufteilung in der Vergangenheit sagen?

Stadelmann: Auf Restaurants entfallen zwischen 40 und 45 Prozent unseres Geschäfts nach Geräten. Weitere 40 bis 45 Prozent lassen sich dem Cateringbereich zuordnen. Dort kommen meist größere Geräte zum Einsatz. Den restlichen Umsatz machen wir mit Supermärkten, Verkehrsgastronomie und Restaurants, die zum Beispiel nur Takeaway anbieten.

Smart Investor: Könnte das zweite Quartal für Ihr Geschäft den Tiefpunkt markiert haben?

Stadelmann: Wir haben bereits bei unserer Prognose gesagt, dass das zweite Quartal  mit einem Umsatzrückgang von bis zu 50 Prozent voraussichtlich unser schlechtestes werden dürfte. Ob es am Ende tatsächlich so kommt, hängt davon ab, ob wir im Herbst oder Winter eine zweite Welle und damit wieder einzelne Lockdowns bekommen werden oder nicht. In China waren wir eigentlich schon wieder auf einem guten Wege – dann traf uns Anfang Juni der erneute Shutdown in Peking. Vieles ist im Moment einfach nicht vorhersehbar. Auch wissen wir nicht, inwieweit der ins zweite Quartal verschobene Produktlaunch des „iCombi Pro“ oder des „iVario Pro“ gewisse coronabedingte Rückgänge überlagert hat.

Smart Investor: Wie steuern Sie im Unternehmen dem absehbaren Umsatz- und Gewinneinbruch entgegen?

Stadelmann: Im März haben wir uns dazu entschieden, ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm aufzulegen. Wir waren bereits vorsichtig in das Jahr gestartet. Als Corona noch kein Thema war, zeichnete sich schon ab, dass sich das Wachstum aller Wahrscheinlichkeit nach abflachen dürfte. Seitdem haben wir Kurzarbeit zuerst im Vertrieb und dann auch in der Fertigung eingeführt, auf fast alle dienstlichen
Reisen verzichtet und gleichzeitig gewisse Investitionen zurückgestellt.

Smart Investor: Besteht die Gefahr, dass Corona das Verhalten vieler Menschen auch längerfristig verändern könnte und die Lust am Restaurantbesuch nicht so schnell zurückkehrt?

Stadelmann: Ich glaube schon, dass ein Teil der Bevölkerung noch Angst hat, Restaurants zu besuchen. Das ist nachvollziehbar. Die entscheidende Frage ist aber, was stattdessen gegessen wird. Vielleicht weicht diese Gruppe dann stärker auf Lieferdienste aus. Das wäre für unser Geschäft kein Nachteil – zumindest solange die Menschen nicht plötzlich alle nur noch selbst zu Hause kochen. Ich darf noch ein anderes Beispiel erwähnen: Wenn aktuell weniger Geschäftsreisen stattfinden und damit auch weniger Bedarf an Flugcatering besteht, so isst der Mitarbeiter nun vielleicht stattdessen in der Kantine seiner Firma. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch dort ein Rational-Gerät steht.

Smart Investor: Was wäre für Rational je das Best-Case- und das Worst-Case-Szenario?

Stadelmann: Im „Best Case“ kommen wir am Jahresende mit einem Umsatzrückgang von 20 Prozent aus der Sache heraus. Wenn es schlechter läuft und wir nochmals regionale Lockdowns bekommen, könnte das Minus auch 30 Prozent betragen. In dieser Spanne bewegen wir uns im Moment.

Smart Investor: Sie galten lange als Rendite-Musterschüler, der mit EBIT-Margen von bis zu 30 Prozent glänzte. Sind diese Zeiten erst einmal vorbei?

Stadelmann: Die 30 Prozent waren damals eine Ausnahme nach der Finanzkrise. Inzwischen ist das Unternehmen gemessen am Umsatz mehr als doppelt so groß. Wir bieten heute mehr Produkte an und sind daher auch in manchen Dingen vielleicht nicht mehr ganz so flexibel. Wann genau wir in den alten EBIT-Korridor vor Corona zurückkehren werden, hängt entscheidend vom Umsatzwachstum ab. Allerdings sind wir weiterhin von unserem Geschäftsmodell absolut überzeugt, selbst wenn der Markt vermutlich etwas kleiner geworden ist. Wir werden auch zukünftig in unsere Mitarbeiter und in die Kundenbeziehungen investieren. Wer ein Rational-Gerät kauft, soll sich auch in diesen Zeiten auf uns verlassen können.

Smart Investor: Welche Rückmeldung haben Sie von Aktionären auf den Vorschlag der deutlich reduzierten Dividende erhalten?

Stadelmann: Auf der Hauptversammlung habe ich dafür fast nur Unterstützung wahrgenommen. Es gab sogar manche Aktionäre, denen es lieber gewesen wäre, wir hätten komplett auf eine Dividendenzahlung verzichtet – aber auch einige wenige, die die übliche Ausschüttungsquote für angebracht hielten. Am Ende war die reduzierte Ausschüttung ein Kompromiss zwischen der angemessenen Beteiligung am erfolgreichen Geschäftsjahr 2019 und dem Wunsch nach Sicherheit.

Smart Investor: Wann trauen Sie sich wieder eine genaue Prognose zu?

Stadelmann: Wir lernen jeden Tag etwas dazu. Corona hat brutal gezeigt, dass vieles nicht vorhersehbar ist. Daher wird es Ende Juli mit Vorlage der Q2-Zahlen auch keine neue Prognose geben. Es wäre einfach nicht wirklich seriös. Käme es nämlich im Herbst zu einer zweiten Infektionswelle, wären die Folgen für unser Geschäft ganz erheblich. Wir ziehen es daher lieber vor, nicht zu viel zu versprechen.

Smart Investor: Dr. Stadelmann, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Marcus Wessel


Über Rational
Das Unternehmen aus dem bayerischen Landsberg am Lech ist Weltmarktführer bei Kochsystemen für Profiküchen. Bekannt ist Rational vor allem für seine patentierten Combi-Dämpfer, von denen bis heute mehr als eine Million hergestellt und verkauft worden sind. Täglich werden auf Rational-Geräten schätzungsweise mehr als 140 Millionen Speisen zubereitet.

Der Hightech-Maschinenbauer (Börsenwert: 5,8 Milliarden Euro) beschäftigt weltweit mehr als 2.200 Mitarbeiter. Auch bei den reinen Finanzkennzahlen gilt das MDAX-Mitglied als Musterschüler: Im Geschäftsjahr 2019 erzielte der Konzern Gesamterlöse von 844 Millionen Euro (Vorjahr: 778 Millionen Euro) sowie eine EBIT-Marge von 26,5 Prozent. Diese weit überdurchschnittliche Profitabilität in Verbindung mit jährlichen Wachstumsraten im hohen einstelligen Prozentbereich resultierte an der Börse lange Jahre in einem deutlichen Bewertungsaufschlag der Rational-Aktie.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie steht der Aktienkurs unseres Musterdepotwerts aber erheblich unter Druck. Viele Kunden aus dem Hotel-, Gaststätten und Cateringgewerbe leiden noch immer extrem unter den coronabedingten Einbußen. Diese Zurückhaltung zeigt sich vor allem bei den Auftragszahlen. Der Bestelleingang brach im März und April um 40 respektive 60 Prozent ein.

Eine konkrete Prognose sei deshalb für das Gesamtjahr nicht möglich, so Rational. Im ersten Quartal ging der Umsatz bereits um sieben Prozent auf 181 Millionen Euro zurück. Der Hauptversammlung schlug der Vorstand zuletzt eine reduzierte Dividende in Höhe von 5,70 Euro (Vorjahr: 10,70 Euro) vor. Außerdem beschloss er ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm.


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