Nachhaltiges Investieren Anleihenmarkt wird nachhaltig: Grüne Bundesanleihen kommen bald

26.08.2020, 14:04  |  6119   |   |   

Im September 2020 wird der Bund erstmals eine grüne Bundesanleihe begeben. Weitere Green-Bonds sollen folgen. Mit dem eingesammelten Geld sollen Klima- und Umweltschutzprojekte finanziert werden. Doch Deutschland ist spät dran, andere Länder haben „grüne Staatsanleihen“ bereits vor Jahren auf den Markt gebracht.

Die erste grüne Bundesanleihe (ISIN DE0001030708) soll eine Laufzeit von zehn Jahren sowie ein Mindestvolumen von vier Milliarden Euro haben. Im vierten Quartal 2020 sei die Emission weiterer Öko-Anleihen geplant. Insgesamt werde sich das Gesamtvolumen in diesem Jahr auf elf Milliarden Euro belaufen, erklärte die Deutsche Finanzagentur am Montag.

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Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagte in einer Videobotschaft: „Viele leihen der Bundesrepublik Deutschland gerne Geld. Bundeswertpapiere sind eine hochangesehene Anlageklasse. Wir wollen sie jetzt noch ein bisschen „angesehener“ machen und haben beschlossen, dass es demnächst auch grüne Bundeswertpapiere geben wird. Das sind Bundeswertpapiere, die eben klarstellen, dass sie zur Finanzierung mit nachhaltigen ökologischen Kriterien eingesetzt werden. Heute sind dafür die Rahmenregelungen festgelegt worden. Das ist ein großer Fortschritt und im Übrigen etwas, auf das Viele gewartet haben.“

Das eingesammelte Geld soll in Umwelt- und Klimaschutzprojekte im Bereich Verkehr, Internationale Zusammenarbeit, Forschung, Innovation und Information, Energie und Industrie und Land- und Forstwirtschaft sowie Naturlandschaften fließen. Zunächst soll das Geld aber nur in bereits bestehende Projekte fließen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Die grüne Bundesanleihe stehe sowohl institutionellen Investoren als auch Kleinanlegern offen, berichtet das Handelsblatt. Da die Anleihe jedoch eine negative Rendite in Höhe von Minus 0,5 Prozent aufweist, dürfte sie vor allem für professionelle Investoren, die große Vermögen nach ökologischen Kriterien sicher anlegen müssen, interessant sein.

Eine Besonderheit der ersten grünen Bundesanleihe ist, dass sie auf dem Konzept der Zwillingsanleihe basiert. Das heißt: Für jede grüne Anleihe, wird auch eine konventionelle Anleihe mit gleichen Merkmalen (identischer Laufzeit und Kuponzins) ausgegeben, die jedoch nicht am Markt platziert wird. Investoren können ihre grüne Anleihe dadurch jederzeit in konventionelle Bundesanleihen umwandeln. Dadurch soll die Liquidität der grünen Anleihe erhöht werden.

Tammo Diemer, Co-Geschäftsführer der Deutschen Finanzagentur, erklärte: „Das Zwillingskonzept bietet die Chance, grüne Anleihen aus der Nische zu holen, da einem breiten Investorenkreis die Möglichkeit zum Engagement im grünen Anleihemarkt gegeben wird“, sagte.

Deutschland ist in Sachen Green Bonds aber kein Vorreiter. Länder wie Frankreich, Dänemark, Polen und die Niederlande haben bereits grüne Staatsanleihen begeben. Frankreich hatte als erster Euro-Staat bereits im Januar 2017 eine Öko-Anleihe auf den Markt gebracht.

Autor: Ferdinand Hammer



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