Kontaktlos durch den Büroalltag - verändert Corona unsere Immobilienkonzepte?

04.09.2020, 10:00  |  261   |   |   

Von Peyvand Jafari, Geschäftsführender Gesellschafter, CREO Group

Nicht zuletzt die verschiedenen Superspreader-Events haben gezeigt, dass zu große Menschenansammlungen auf engem Raum potenziell sehr gefährlich sind. Dies trifft auch auf die verschiedensten Formen von Gewerbeimmobilien zu - allen voran auf Büros als Arbeitsumgebung für einen Großteil der Deutschen.

Wenn es um die Frage nach der Gebäudesicherheit geht, fallen dabei nicht nur der ausreichende Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen sowie in der Kaffeeküche und auf anderen Gemeinschaftsflächen ins Gewicht. Genauso wichtig ist es, indirekte Infektionen zu vermeiden - und in einer klassischen Büroimmobilie gibt es sehr viele Bereiche, die Hygienemaßnahmen erfordern: angefangen vom Aufzug über die Türklinken bis hin zu den Armaturen im Badezimmer.

Inspirationen aus der Logistik?
Als sicherste Maßnahme gegen eine Ansteckung mit dem Corona-Virus gilt neben der Händehygiene das Minimieren von Kontakten - sowohl zwischenmenschlich als auch mit Oberflächen. In anderen Immobiliensegmenten sind die Konzepte der Kontaktlosigkeit bereits weiter vorangeschritten. An öffentlichen Orten wie Flughäfen und Shopping-Centern gibt es bereits zahlreiche Sensoren, durch die unnötige Berührungen vermieden werden. Dies ist besonders an hygienisch heiklen Stellen wie der Toilettenspülung wichtig, aber auch jede automatisch öffnende Tür mindert das Infektionsrisiko.

Mögliche Inspirationsquellen finden sich aber auch bei eher ungewöhnlichen Flächentypen. In der Logistikbranche beispielsweise haben einige Akteure angesichts von Corona auf Schichtbetrieb umgestellt, wobei die Mitarbeiter unterschiedlicher Schichten nicht in Kontakt miteinander kommen. Ermöglicht wird dies durch ein komplexes Wegeleitsystem - und dadurch, dass zum Beispiel Umkleidekabinen und Nasszellen nachgerüstet wurden. Obwohl die Arbeitsabläufe in einem Büro völlig unterschiedlich ausfallen, lassen sich dennoch wichtige Prinzipien aus den genannten Beispielen übertragen. Einige Unternehmen mit klassischer Büronutzung haben beispielsweise den Schichtbetrieb bereits erfolgreich eingeführt - unter anderem verschiedene Sparkassen.

Wird unser Büro smarter "dank" Corona?
Für bestehende Gewerbeimmobilien bedeuten Konzepte zur Kontaktlosigkeit oftmals einen einschneidenden Umbau der Gebäudetechnik. Automatisierte Lüftungssysteme - natürlich mit entsprechenden Filtermechanismen - können den Griff zum Fenster erübrigen und ermöglichen zudem auch während der heißen Sommermonate ein angenehmes Raumklima. Eine weitere Möglichkeit ist es, Gemeinschaftsbereiche wie Meetingräume mit Sensoren auszustatten, die die exakte Raumbelegung anzeigen. Um eine zu große Menschentraube zu vermeiden, können sich einige Teilnehmer stattdessen per Videochat hinzuschalten.

Das Baumaterial wird wichtiger
Selbst bei "normalen" Oberflächen, zum Beispiel von Schreibtischen, muss die Wahl der verwendeten Materialien dem Infektionsschutz angepasst werden. Dazu hat die Universität Saarland die Haftbarkeit von Keimen und Krankheitserregern auf natürlichen und künstlichen Oberflächen untersucht. Viren und Bakterien bilden auf Oberflächen sogenannte Biofilme und sind deshalb nur schwer zu entfernen. Ziel der Infektionsprävention ist es, die Bildung dieser Biofilme zu verhindern. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass mit zunehmendem Grad der Rauheit der Oberflächen die Haftbarkeit von Krankheitserregern abnimmt und die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Biofilmen verringert wird. Dieses Resultat ist ein wichtiger Wegweiser für die Entwicklung neuer Materialien, um die letzten Schnittstellen der Kontaktberührung in Gewerbeimmobilien so infektionsarm wie möglich zu gestalten.

Mehr als nur eine Momentaufnahme
Inzwischen dürften die meisten Menschen realisiert haben, dass COVID-19 ein langfristiges Thema ist, mit dem wir uns auch die nächsten Jahre intensiv beschäftigen müssen. Und selbst wenn das Corona-Virus irgendwann weitgehend eingedämmt ist, werden viele Aspekte des Social Distancing langfristig Bestand haben. In asiatischen Ländern beispielsweise haben die zurückliegenden Epidemien dafür gesorgt, dass der direkte Kontakt der Menschen untereinander wo immer möglich eingeschränkt wurde. Ähnliche Entwicklungen sind auch hierzulande höchstwahrscheinlich - und spätestens dann wird die kontaktlose Büroimmobilie zu einer Frage der Lebensqualität.



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