Abgasskandal Verbraucherfreundliches Urteil im Fall T6 Multivan mit EA288-Motor

10.09.2020, 12:47  |  536   |   |   

Der VW T6 Multivan ist ein beliebter Kleinbus, der in der Tradition des berühmten VW-Bulli steht. Allerdings ist der T6 mit dem Dieselmotor EA 288 vom Abgasskandal betroffen. Nach dem amtlichen Rückruf durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung folgten schnell die ersten Klagen von betroffenen VW-Fahrern. Das Landgericht Hagen sprach einem Multivan-Besitzer nun Schadensersatz zu.

 

Im T6 Multivan ist der Nachfolgermotor des EA 189 – der EA 288 – verbaut. Im März 2019 wurde bekannt, dass auch dieser Dieselmotor von Volkswagen eine Abschalteinrichtung enthält. In der Motorsteuerung ist ein sogenanntes Thermofenster aktiv, das die Abgasreinigung abhängig von der Umgebungstemperatur manipuliert.

 

Dass der EA 288 – wie er auch im T6 Multivan verbaut ist – eine aktive Abschalteinrichtung enthält, hatte VW bereits 2018 im Rahmen einer Verhandlung über den Golf VII mit EA 288-Motor am Landgericht Duisburg zugegeben. der Wolfsburger Autobauer erklärte, dass die Motorsteuerung erkenne, wann sich das Fahrzeug in einem Prüfzyklus im Labor und wann auf der Straße im Normalbetrieb befindet. Das LG Duisburg urteilte, dass die Volkswagen AG vorsätzlich sittenwidrig gehandelt habe und dem klagenden Verbraucher den Kaufpreis erstatten müsse.

 

Landgericht Hagen verurteilt VW wegen Abschalteinrichtung im EA 288

 

Ähnlich entschied das Landgericht Hagen am 11. August 2020. In dem Fall ging es um einen T6 Multivan mit EA 288-Dieselmotor. Der Wagen enthalte eine Abschalteinrichtung in Form eines Thermofensters, die gegen EU-Recht verstoße, erklärte der Richter. Die Abgasrückführung zur Reinigung der Abgase wird bei Temperaturen unter 15 Grad heruntergefahren oder abgeschaltet. Bei einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von zehn Grad in Deutschland findet die Abgasreinigung also in den seltensten Fällen statt. Dieses Vorgehen hatte VW im Prozess nicht bestritten.

 

Der Multivan mit der verbauten Abschalteinrichtung im EA 288 verstößt gegen geltendes EU-Recht und hätte gar keine Zulassung bekommen dürfen. Das LG Hagen sieht das als Täuschung des VW-Kunden an und verurteilt Volkswagen wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zur Rückabwicklung des Kaufvertrags. Der Kläger erhält 39.853,04 Euro nebst Zinsen in Höhe von vier Prozent pro Jahr seit dem 13. Mai 2020 zurück und kann den manipulierten Mulitvan mit EA 288-Motor wieder an VW zurückgeben.

 

Verpflichtende Rückrufe des T5 und T6 im Abgasskandal

 

Anfang 2020 hat das Kraftfahrt-Bundesamt verpflichtende Rückrufe für die VW-Busse T5 und T6 angeordnet. Der Grund laut Rückrufdatenbank: Eine „Konformitätsabweichung“ führt zur Überschreitung des Euro-5- beziehungsweise Euro-6-Grenzwertes für Stickoxide. In Deutschland müssen insgesamt mehr als 95.000 Klein-Busse in die Werkstätten zum Softwareupdate. Weltweit sind laut KBA über 200.000 T5 und T6 betroffen.

 

Dieser Rückruf unter den Herstellercodes 23Z7 und 37L8 ist aktuell der einzige für den Motor EA 288 – noch. Denn: Seit Anfang 2020 fordert VW die Halter eines Golf VII mit EA 288-Dieselmotor auf, an einer freiwilligen Rückrufaktion teilzunehmen. Damit will der Autohersteller vermutlich verhindern, dass es zu einem amtlichen und verpflichtenden Rückruf kommt. Nehmen viele Golf VII-Fahrern an der freiwilligen Aktion teil, ist ein amtlicher Rückruf nicht mehr nötig. Welche Folgen das Softwareupdate für den Motor hat, ist allerdings ungewiss. Betroffene Fahrzeughalter sollten sich anwaltlich beraten lassen, bevor sie am freiwilligen Rückruf teilnehmen.

 

Fahren Sie einen Golf VII und wurden Sie zum freiwilligen Softwareupdate aufgefordert? Oder sind Sie Halter eines T5 oder T6 Multivan mit EA 288-Motor? Lassen Sie sich von einem Anwalt über Ihre Rechte im Abgasskandal beraten! Die Verbraucherrechtskanzlei VON RUEDEN hat sich auf Fälle im Abgasskandal spezialisiert und vertritt mehr als 12.000 Mandanten gegen die deutschen Autobauer. Wir prüfen, ob Sie Anspruch auf Schadensersatz haben und vertreten Sie vor Gericht. Nutzen Sie unsere kostenlose und unverbindliche Erstberatung. Rufen Sie uns an unter 030 / 200 590 770 oder schreiben Sie eine Mail an info@rueden.de.



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