Snowflake-IPO? Schmeißt Buffett jetzt seine Erfolgsprinzipien über Bord?

Gastautor: Armin Brack M.A.
14.09.2020, 15:55  |  1886   |   |   

Warren Buffett ist der erfolgreichste Investor aller Zeiten. Dabei hat er kein Geheim-Rezept, sondern befolgt lediglich einige Regeln und zwar konsequent und unter allen Umständen.

Eine dieser Regeln lautet, nur in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft er versteht.

Eine weitere, niemals in IPOs zu investieren, sondern nach dem Börsengang den Unternehmen erstmal genügend Zeit zu geben, sich als „anlagetauglich“ zu beweisen.

Im Klartext: Die oftmals zu vollmundigen Versprechungen bei der Aktien-Ausgabe sollen einige Quartale lang den Zusammenprall mit der Realität schadlos überstehen, bevor die Aktie auf dem Radar erscheint.

Und nun das... demnächst wird ein junges Unternehmen an die Börse gebracht, das ein „cloud-based data warehouse“ betreibt. Und Berkshire Hathaway, Buffetts Investment-Firma, investiert mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar in dieses Unternehmen.

Kaum vorstellbar, dass der soeben 90 Jahre alt gewordene Buffett sich mehr unter den Buzz-Schlagworten vorstellen konnte, als wir. Jemand, der den ganzen Tag in seinem Büro Geschäftsberichte, Zeitungen, Finanzjournale liest – in Papierform. Und so jemand soll urplötzlich Kernkompetenzen entwickelt haben für cloudbasierte Anwendungen? Klingt nicht wirklich plausibel, doch die Fakten sind nicht zu ignorieren: Berkshire steigt bei Snowflake ein und das Unternehmen geht demnächst an die Börse. Beides hat das Unternehmen in einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC bekannt gegeben.

Es muss also mehr dahinter stecken, sofern Buffett nicht „einfach“ alle seine Erfolgsprinzipien über Bord geworfen hat und in seinem letzten Lebensabschnitt nochmal was völlig Verrücktes anstellen wollte.

Buffett meidet IPOs

Kürzlich meinte Buffett, Berkshire habe in den vergangenen 54 Jahren an keinem einzigen IPO teilgenommen. Er sucht nach herausragenden Unternehmen, die er zu günstigen Preisen kaufen kann. Firmen, die frisch an die Börse streben, müssen sich erst noch beweisen.

Wenn sie in einer gerade angesagten Branche aktiv sind, treibt die Gier die Anleger in Scharen in die Akte und der Kurs explodiert. Das war nie Buffetts Spiel.

Buffett bleibt in seinem „Circle of Competence“

Des Weiteren rät Buffett dazu, sich ausschließlich innerhalb seines Kompetenzbereichs zu engagieren. Zunächst muss man diesen definieren und erkennen, von welchen Dingen man keine Ahnung hat. In diesem Bereich braucht man nie wieder nach Investments zu suchen. So reduziert man die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen erheblich.

Cloudbasierte Anwendungen liegen mit Sicherheit nicht in Buffetts Kompetenzbereich. Damit meine ich nicht, dass er nicht den Vorteil erfassen könne, den die Cloud gegenüber zentralen Rechenzentren und Datenträgern wie DVDs oder USB-Sticks bietet, sondern die dahinter stehende Technologie und ihre Anwendung in der Praxis.

Das nicht-so-Offensichtliche

Es deutet also alles darauf hin, dass das Investment in Snowflake nicht auf Buffett selbst zurückgeht oder auf den nochmal einige Jahre älteren Charlie Munger, sondern auf einen der „Investment-Leutnants“ Ted Weschler oder Todd Combs, die beide inzwischen eigene milliardenschwere Budgets von Berkshires Anlage-Portfolio verwalten.

Damit ist nicht gemeint, dass die beiden die ehernen Value Investing-Prinzipien, die Berkshires Erfolg über mehr als 50 Jahre ausgemacht haben, nicht befolgen. Doch sie haben durchaus ihren eigenen Investment-Stil, der sich auch von Buffetts unterscheidet; so war Ted Weschler ein Hedgefonds Manager, bevor er bei Berkshire anheuerte. Und beide sind natürlich auch Jahrzehnte jünger als Buffett und Munger, so dass sie einen ganz anderen Zugang zu neuen Technologien haben als die beiden.

*Dieser Text ist ein Auszug aus meinem kostenfreien Geldanlage-Report.*

Die heutige Ausgabe entstand wieder in Zusammenarbeit mit Michael C. Kissig, Value Investor und Betreiber des Blogs iNTELLiGENT iNVESTiEREN.

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Hinweispflicht nach §34b WpHG: Der/die Verfasser ist/sind in ein oder mehreren der oben genannten Wertpapieren/Basiswerten zum Zeitpunkt des Publikmachens des Artikels investiert: ABC. Es können daher Interessenskonflikte vorliegen. Die in diesem Artikel enthaltenen Angaben stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage wünscht Ihnen

Ihr Armin Brack
Chefredakteur Geldanlage-Report
www.geldanlage-report.de

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