Obacht! Blankoscheck-Aktien sind der neueste Trick der Wall Street

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
15.09.2020, 09:36  |  371   |   |   

Die Finanzjongleure der Wall Street sind ständig auf der Suche nach neuen Wegen, um große Kapitalsummen einzusammeln und lukrative Deals einzufädeln. Die Spielarten sind vielfältig. Vor der Finanzkrise boomten Private-Equity-Fonds.

Nun boomt eine Variante: Blankoscheck-Unternehmen, die in den USA auch auf das Kürzel SPAC hören. Wurde hier der Stein der Weisen gefunden oder handelt es sich um ein weiteres Symptom dafür, dass dort irgendetwas falsch läuft?

Darum geht es bei SPACs

SPAC steht für Special Purpose Acquisition Company und damit für eine Gesellschaft mit dem speziellen Unternehmenszweck, dass eine Übernahme getätigt werden soll. Dabei gibt es Ähnlichkeiten zu Mantelgesellschaften oder Vorratsgesellschaften. Allerdings geht die Initiative zur Fusion ganz gezielt von den SPACs aus und es gibt spezielle Regelungen. Im Wesentlichen funktioniert es wie folgt:

  1. Für eine neue SPAC wird von verschiedenen Investoren Geld eingeworben und ein Börsengang organisiert.
  2. Das einbezahlte Eigenkapital fließt zunächst in einen Trust, der in risikoarme kurzfristige Staatsanleihen investiert.
  3. Die Investoren erhalten im Gegenzug Aktien der neuen SPAC sowie separat handelbare Bezugsrechte (Warrants & Rights).
  4. Dann startet die Dealperiode, in der das Management des Initiators (IPO-Sponsor) über einen Zeitraum von wenigen Jahren ein geeignetes Übernahmeobjekt sucht.
  5. Wird ein Deal durchgeführt, dann werden die Investoren an einem operativen Unternehmen beteiligt sein und können ihre Rechte ausüben; wenn nicht, dann bekommen sie ihren verzinsten Einsatz abzüglich Managemententgelten zurück.

Das alles ist eigentlich nichts Neues. Laut SPAC Research wurde bereits 2013 eine Summe von 1,4 Mrd. US-Dollar eingesammelt, die für zehn Börsengänge dieser Art eingesetzt wurde. Neu ist allerdings das Volumen. Schon 2019 war es zehnmal so viel wie 2013. Noch beeindruckender: Im laufenden Jahr sind wir schon jetzt beim Dreifachen von 2019. Allein für den 11. September listet IPO Scoop vier weitere, die gerade angefangen haben, ihren Börsengang voranzutreiben.

Die Vorteile von SPACs

Es scheint eine Win-win-Situation für alle Beteiligten zu sein:

  • Die Investoren sind entweder an einem spannenden Deal beteiligt oder bekommen ihr Geld zurück.
  • Das Übernahmeobjekt spart durch die Fusion mit einem SPAC eine Menge Aufwand für die Organisation eines traditionellen Börsengangs.
  • Der IPO-Sponsor profitiert davon, dass er das für eine Transaktion notwendige Kapital bereits zur Hand hat und sich so voll auf die Deal-Einfädelung konzentrieren kann.

Für Unternehmen in privater Hand stellt der SPAC-Boom eine großartige Chance dar, zügig an Wachstumskapital zu kommen. Deshalb geht die Initiative für einen Deal nicht immer primär von den SPACs aus. Vielmehr kann das Zielobjekt bei verschiedenen SPACs die günstigsten Konditionen aushandeln. Das Ziel heißt schließlich, möglichst viel Geld für möglichst wenig Anteile in die Kassen zu spülen.

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