Europas Suche nach einer neuen Liebe

Gastautor: Robert Halver
16.09.2020, 10:59  |  1900   |   |   

Europas Suche nach einer neuen Liebe

Es war einmal eine große, lange und innige Liebe zwischen den USA und Europa. Doch hat US-Präsident Trump bewiesen, dass auch alte Liebe rosten kann. Verschmäht und allein gelassen schaut sich die EU nach einer neuen Beziehung um und blickt dabei auf China. Peking scheint sich jedoch weniger für wa(h)re Liebe, sondern eher für eine platonische Beziehung mit Mitgift, ein Bratkartoffelverhältnis zu interessieren. 

China will eine gute Partie machen

Die EU und China versuchen ja schon lange miteinander anzubändeln. Dazu diente kürzlich auch ein virtuelles Treffen, an dem der chinesische Staatspräsident, die EU-Kommissionschefin, der EU-Ratspräsident und - da Deutschland zurzeit die Ratspräsidentschaft innehat - die Bundeskanzlerin teilnahmen. Als Ergebnis hielt man diplomatisch freundlich fest: Wir sind in vielen Bereichen auf einem guten Weg. Würde man so etwas nach einem privaten Date sagen, wäre klar: Wir kommen nicht zusammen.

Grundsätzlich kann China sich mit einer Partnerschaft mit Europa Zeit lassen. Da Präsident Xi Jinping seit Aufhebung der Amtszeitbegrenzung auf Lebenszeit gewählt ist, kann er auf seine Chance für eine lohnenswerte Beziehung warten.

Nachdem Amerika Schluss gemacht hat, ist Europa durchaus anlehnungsbedürftig. Und das Corona-Virus hat noch einsamer und auch ärmer gemacht. Da kann - so die KP - die tröstende und gebende Hand Chinas doch nicht schaden. Geschenke in Form des Baus von Autobahnen, Bahnstrecken oder (Flug-)Häfen im Rahmen des Seidenstraßenprojekts erfreuen die europäische Seele.

Wer freute sich nicht, wenn einem so der Hof gemacht wird? Man ist dankbar und wird immer willfähriger. Im Zweifel für China. So werden Abhängigkeitsverhältnisse geschaffen, die Peking für eine gute eurasische Partie ausnutzen kann und schon ausnutzt. Denn während sich Chinas Unternehmen in der EU ziemlich frei bewegen können, steht zwischen denen der EU und dem Land der Mitte oft genug eine chinesische Mauer. Es gibt Markthürden wie die vorzügliche Behandlung eigener chinesischer Firmen bei Auftragsvergaben oder die langen Zertifizierungsverfahren für europäische Produkte. Der chinesische Finanzmarkt wurde erst dann für die ausländische Konkurrenz geöffnet, als der Kuchen schon an Inländer verteilt war.  

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