Tu felix Asia?

Gastautor: Bernd Niquet
19.09.2020, 08:45  |  1250   |   |   

Es gibt da eine Gruppe von jungen Frauen in Berlin, die sich schon mächtig darauf freut, bald wieder nach Asien fliegen zu können, nach Japan, Singapur und Südkorea.

 

Warum das?, habe ich gefragt. Weil das Leben für sie dort so frei sei. Man könne ganz entspannt abends ausgehen, ohne Sorge zu haben, von arabischen Jungmännern angestarrt, angemacht und verfolgt zu werden. Dort hätten sie überhaupt keine Angst, während hier nicht nur jede S-Bahn-Fahrt eine Gratwanderung wäre.

 

Und wenn man mal sein Handy oder sein Laptop irgendwo liegen lässt, dann wäre es hinterher immer noch da. So etwas stehle dort niemand. Von allem anderen im Moloch Berlin einmal abgesehen.

 

Tja. Ich nehme das einfach einmal in mir auf. Und kann mir gut vorstellen, dass da etwas dran ist. Andererseits sind das dort aber auch sehr traditionelle Gesellschaften, in denen es Frauen bestimmt schwerer haben werden als bei uns. Und es wird auch wesentlich mehr und härter gearbeitet als bei uns.

 

Doch so war Deutschland ja auch einmal. Bis es langsam angefangen hat, zu verkommen.

 

Erstaunlicherweise fällt mir genau in diesen Tagen das neue Buch „Wettkampf um die Klugen“ von Gunnar Heinsohn in die Hände, in dem er das Hohelied auf Asien singt. Ich erinnere mich noch gut an sein Buch „Privateigentum, Patriarchat, Geldwirtschaft“ aus dem Jahr 1984. Damit hat bei mir damals alles angefangen.

 

Da war der Keim gesetzt für ein alternatives Verständnis der Ökonomie. Heute nun wandelt Heinsohn auf anderen Pfaden, hat seine Grundfeste jedoch nicht verlassen. Entscheidend für den Erfolg eines Landes sind bei ihm die möglichst freie Verfügung über Eigentum, Unternehmergeist und die kognitiven Fähigkeiten der Bevölkerung.

 

Die Kompetenzforschung, zitiert Heinsohn, unterteilt die Welt in drei Gebiete: Die Musterschüler sind die 1,75 Milliarden Einwohner in Ostasien, Mittelmaß regiert in Nordamerika und Europa bei 1,15 Milliarden Menschen und die restlichen 4,7 Milliarden bekommen zwar drei bis sechs Kinder pro Frau, haben auf den Weltmärkten jedoch keinerlei Chancen.

 

Interessant und erneut brandaktuell ist, wie klar Heinsohn die Unterschiede zwischen Nordamerika und Europa formuliert. Denn während die Angelsachen Kompetenznachweise von Zuwanderern vor dem Hereinlassen verlangen, setzt Westeuropa auf seine Willkommenskultur und alle Hoffnung auf sein Bildungssystem. Bisher allerdings vergeblich.

 

Tja, so sieht die Welt derzeit wohl aus.

 

Und wie wird sie in 50 Jahren aussehen? Ich muss gestehen, froh zu sein, das selbst nicht mehr zu erleben. Wenn ich mir nur das Berliner Abitur anschaue, wird mir schlecht. Natürlich gibt es trotz dieser Katastrophe findige junge Menschen, die Erfolg haben werden. Doch ob das reicht?

 

Nun ist natürlich die Wirtschaft nicht alles, kann man an dieser Stelle einwenden. Das ist sicher richtig, doch ohne Wirtschaft ist alles ein Nichts. Allein von der Flüchtlingsrettung, dem Klimaschutz und dem Gelddrucken werden wir in der EU nicht leben können.

 

Dafür haben wir jedoch unsere Demokratie. Und wie sieht es da in Asien aus? Die erfolgreichen Tigerstaaten haben hier sicher andere Modelle, bei denen es ebenfalls mehr um wissenschaftlich-technische Kompetenz und Know-how geht. Basisdemokratien wie bei uns gibt es dort eher nicht.

 

Das ist natürlich ein Nachteil. Wobei ich mich allerdings frage, ob spiegelbildlich dazu die Inkompetenz unserer politischen Elite wirklich ein Standortvorteil ist?

 

berndniquet@t-online.de

 



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5 Kommentare

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Kommentare

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23.09.20 08:51:17
Und besonders frei ist unser Land für diejenigen, die ihren Leuten keine Freiheit gewähren und unsere Freiheit sehr gut ausnutzen.

Und das ist leider kein Witz, wie wir beide wissen ...
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22.09.20 12:52:42
Wenn's für Berlin ein guter Deal ist, dann werden sich dort sicher einige Probleme in naher Zukunft in Luft aufgelöst haben. :laugh:

Bei der nächsten Beerdigung eines Clanmitglieds einfach allen einen weissen Kittel überwerfen und der Pflegenotstand ist behoben.

War nur ein Scherz. Wir sind ja ein freies Land.
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21.09.20 10:50:46
Das ist ja eigentlich eine prima Idee, Flüchtlinge zur Unterhaltung der Alten. Das sollten Sie sich mal patentieren lassen, bei unserer demografischen Entwicklung und der Alterseinsamkeit ist das ja wirklich eine Patentlösung.
Und jetzt wie damals im Römischen Reich? Sicher, doch es hat ja wohl Jahrhunderte gedauert, bis damals wirklich gravierendes Konsequenzen zu spüren waren.
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19.09.20 14:24:22
Ich grübel, im übertragenen Sinne, ob wir schon in Ravenna des Römischen Reiches leben wo die Dekadenz stolz erhobenen Hauptes in den Untergang schritt. Mit dem Hereinlassen der Barbaren (damals waren es Germanen) zum vermeintlich eigenen Schutz fing es harmlos an, aber dann war Fortschritt für gut 1000 Jahre tabu - nun gut das ist der Vorteil des Alters, das muß man nicht mehr erleben.
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19.09.20 10:06:45
'Es gibt da eine Gruppe von jungen Frauen in Berlin, die sich schon mächtig darauf freut, bald wieder nach Asien fliegen zu können.'

... komisch - in unserer Stadt freut sich eine Gruppe älterer Frauen darauf, dass bald wieder Flüchtlinge kommen, sie haben sogar vor Kurzem extra einen Verein gegründet.
Tja, was will man auch sonst machen, wenn man kaum noch Enkelkinder hat und wenn dann Gott weiss wo.
Letzte Woche hat sich eine Frau bei FFH gewünscht dass der Sender den Kindergarten und die Schule für den Hund bezahlt ... wenn ich sowas höre, dann frage ich mich, ob es wirklich ein Problem ist dass wir bald ausgestorben sind oder ob das sogar ganz gut ist. :-)

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