Shortseller-Recherche Firmengründer Grenke lässt sein Aufsichtsratsmandat ruhen: Analysten bleiben vorsichtig

21.09.2020, 15:33  |  9545   |   |   

Der Finanzdienstleister Grenke hat eine unabhängige Untersuchung seines umstrittenen Franchise-Geschäfts angekündigt. Der MDax-Konzern kämpft gegen Betrugs- und Geldwäschevorwürfe, die der Shortseller Viceroy Research in der vergangenen Woche veröffentlicht hat. Bereits am Freitag hatte Grenke eine Sonderprüfung seines Wirtschaftsprüfers KPMG angekündigt.

Auch personell soll es Konsequenzen geben. Konzerngründer Wolfgang Grenke will sein Amt im Aufsichtsrat vorerst ruhen lassen, solange die Vorwürfe gegen ihn und das Unternehmen nicht ausgeräumt sind. Grenke und seine Familie halten insgesamt 40 Prozent der Anteile an dem Konzern.

Das Management will prüfen, ob die formell eigenständigen Franchiseunternehmen, die die Leasing-Geschäfte für Grenke abwickeln, in den Konzern integriert werden können. Ein Wirtschaftsprüfer soll feststellen, ob die bisherigen Übernahmen von Franchise-Gesellschaften durch Grenke zu marktüblichen Konditionen abgewickelt wurden.

Die Analysten von M.M. Warburg begrüßen zwar das ausführliche Statement der Konzernleitung. Wichtige Fragen blieben jedoch weiter ungeklärt, schreibt Analyst Marius Fuhrberg in einem Bericht am Montag. Besonders die Zusammenarbeit mit der CTP Handels- und Beteiligungs- GmbH werfe weiter Fragen auf. CTP investiert in Franchisenehmer und unterstützt diese beim Aufbau des Geschäfts mit Leasingfinanzierungen. Nach mehreren Jahren übernimmt Grenke diese Leasinggesellschaften häufig. Wolfgang Grenke hatte dieses Modell in einer Stellungnahme am Donnerstag als „wesentlichen Erfolgsfaktor“ der Firma bezeichnet.

Viceroy Research vermutet hinter dem System jedoch einen schwerwiegenden Interessenkonflikt. Denn seit Januar 2020 ist Wolfgang Grenke indirekt Eigentümer der CTP. Grenke-Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky erklärte, man wolle an dieser Franchise-Praxis festhalten, gleichzeitig aber jeden Anschein von Interessenkonflikten vermeiden. Eine neue Unternehmensstruktur soll für mehr Transparenz sorgen.

Unterdessen legte der berüchtigte Shortseller Fraser Perring, der hinter Viceroy steckt, am Montag nach. Man habe Beweise dafür, dass die Grenke AG die Kontrolle über CTP hatte, lange bevor Wolfgang Grenke die Firma übernahm.

Obwohl die Anschuldigungen laut dem Analysehaus Warburg vorerst keine Auswirkungen auf das operative Geschäft haben dürften, sind die Analysten vorsichtig. Warburg hat die Bewertung der Aktie vorübergehend ausgesetzt. Analyst Andreas Schäfer von Bankhaus Lampe zeigte sich hingegen optimistisch angesichts der angekündigten KPMG-Sonderprüfung. „Das war ein erster Schritt zur Zurückgewinnung des Vertrauens“, schreibt der Experte und hält an seinem Kursziel von 68 Euro fest.

Der Aktienkurs gab zum Wochenstart weiter nach. Die Aktie notiert zum Wochenstart am Tradegate Handelsplatz knapp acht Prozent im Minus, um die Marke von 31 Euro. Vor einer Woche kostete ein Anteil noch 55 Euro.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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