Übernahmekarussell Gilead/Immunomedics, Nvidia/ARM, Oracle/TikTok, GM/Nikola, Merck/Seattle Genetics

Gastautor: Stephan Heibel
22.09.2020, 09:54  |  694   |   |   

 

"Merger Monday" heißt es in den USA: Montags werden Übernahmen und Fusionen bekannt gegeben. Es ist einfach häufig der Montag, weil die letzten Verhandlungen häufig am Wochenende finalisiert werden. Letzte Woche gab es am Montag eine ganze Reihe von Übernahmen, die in meinen Augen eine wichtige Aussage in sich tragen: Viele Aktien sind noch nicht zu teuer.

Graphikkartenhersteller Nvidia möchte die britische ARM Holding für 40 Mrd. USD kaufen. ARM lizenziert die Chiparchitektur für so ziemlich alle Smartphones auf der Welt. Damit hat das Unternehmen Intel verdrängt, die bei Computern Marktführer waren. Seit Graphikchips Rechenoperationen übernehmen können, also nicht mehr ausschließlich für die Graphikdarstellung verantwortlich sind, schickt sich Nvidia an, Intel vom Thron zu stoßen. In Sachen Marktkapitalisierung (Nvidia 300 Mrd,. USD vs. Intel 210 Mrd. USD) ist das bereits gelungen, beim Umsatz (Nvidia 13 Mrd. USD vs. Intel 78 Mrd. USD) ist es noch ein weiter Weg.

Kartellbedenken gebe es nicht, so Nvidia CEO Jen-Hyun Huang. Beide Geschäfte seien komplementär. Das ist zwar richtig, doch die offene Systemarchitektur ARMs in den Händen des Graphikherstellers Nvidia könnte missbraucht werden, fürchte ich. Aber das ist hier nicht mein Thema.

Für mich ist die Aussage wichtig, die diese Übernahme aussendet: Trotz der exorbitanten Rallye in den Aktienkursen der Chipindustrie ist ARM Holding noch immer nicht zu teuer. Das Unternehmen wird der japanischen Softbank abgekauft, die sich derzeit von vielen ihrer Beteiligungen trennt und selber von der Börse gehen möchte (Management Buyout).

Merck gab am Montag bekannt, 1 Mrd. USD in Seattle Genetics zu investieren. Seattle Genetics forscht nach Antikörpern für Krebstherapien. Die Investition Merck bewertet Seattle Genetics mit 200 USD/Aktie, obwohl der aktuelle Aktienkurs vor der Übernahme bei nur 150 USD stand: 25% Preisaufschlag auf die Börsenbewertung. Auch hier zeigt sich, dass Brancheninsider wie Merck ihre eigene Branche für zu günstig bewertet halten.

Gleiches gilt für Gilead, das Biotech-Unternehmen, das Hepatitis-C von der Liste der unheilbaren Krankheiten genommen hat. Für 21 Mrd. USD kauft das Unternehmen Immunomedics, ein Preisaufschlag von 100% zum Aktienkurs vom Vortag. Immunomedics forscht ebenfalls nach einer Krebsbehandlung, hat aber nur ein Medikament in der Pipeline.

Aber nicht nur Immunomedics und Seattle Genetics werden mit höheren Preisen versehen, auch Merck und Gilead konnten nach der Bekanntgabe der Übernahme/ Investition steigen. Anleger sind also der Meinung, dass diese Übernahmen vorteilhaft sind. Das ist nur sehr selten der Fall, denn in der Regel werden die kaufenden/ investierenden Unternehmen ausverkauft, weil sie sich mit einer solchen Entscheidung ein neues Risiko in die Bücher holen. Hier wird das neue Risiko also als vernachlässigbar bewertet, da der Preis aus Sicht der Anleger günstig war.

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