ROUNDUP 2/Doppelte Packung Zwei Strafprozesse gegen Ex-VW-Chef Winterkorn

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
24.09.2020, 15:21  |  104   |   |   

(neu: Statement Winterkorn-Anwalt, mehr Details und Hintergrund.)

BRAUNSCHWEIG (dpa-AFX) - Fünf Jahre nach der Aufdeckung von "Dieselgate" kommt es für Martin Winterkorn knüppeldick. Zusätzlich zu dem schon feststehenden Betrugsprozess muss sich der ehemalige VW -Konzernchef jetzt auch noch auf ein öffentliches Gerichtsverfahren wegen mutmaßlicher Marktmanipulation im Abgasskandal vorbereiten. Im Fall einer Verurteilung könnten dem heute 73-Jährigen für das erste Delikt maximal zehn Jahre Freiheitsstrafe drohen, für die mögliche Irreführung von Anlegern immerhin eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft.

Das Landgericht Braunschweig teilte am Donnerstag mit, die Anklage der Staatsanwaltschaft auch zum Tatvorwurf der Marktmanipulation zuzulassen. Erst kürzlich hatte es einen Prozess in einem parallelen Verfahren wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs angekündigt - hier richten sich die Vorwürfe nicht nur gegen Winterkorn selbst, sondern ebenso gegen vier weitere Angeschuldigte. Konkrete Termine für den Beginn der beiden Hauptverhandlungen gibt es noch nicht.

Winterkorn ist - neben Ex-Audi -Chef Rupert Stadler - der bisher prominenteste Verdächtige, der wegen des Dieselskandals vor ein deutsches Strafgericht kommt. Bei der Marktmanipulation geht es um den Zeitpunkt, zu dem die damalige VW-Führung die Finanzwelt über die wirtschaftlichen Gefahren nach dem Auffliegen der Täuschungs-Software ins Bild setzte. Nach Überzeugung des Gerichts soll Winterkorn "trotz Kenntnis von dem Einbau einer unzulässigen Abschalteinrichtung (...) und des sich seit Frühjahr 2015 abzeichnenden erheblichen finanziellen Risikos (...) den Kapitalmarkt vorsätzlich nicht rechtzeitig informiert haben". Es ließ die Anklage unverändert zu.

Kern der Anschuldigungen: Obwohl Winterkorn früh von Problemen im Zusammenhang mit dem späteren Skandal-Motor EA189 gewusst habe, seien die Märkte bewusst nicht darüber aufgeklärt worden. Sogar zwischen dem Bekanntwerden der Ermittlungen von US-Umweltbehörden am 18. September und der schlussendlichen Pflichtmitteilung am 22. September 2015 verstrichen dann noch vier weitere Tage. "Der Angeklagte soll damit seiner Verpflichtung nach dem Wertpapierhandelsgesetz nicht rechtzeitig nachgekommen sein", erklärte die zuständige Kammer.

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