Großer Ärger in Marseille über neue Corona-Maßnahmen der Regierung

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
24.09.2020, 22:19  |  177   |   |   

(durchgehend aktualisiert)

PARIS (dpa-AFX) - Die neuen strengen Maßnahmen der französischen Regierung im Kampf gegen Corona treffen in Marseille auf große Wut und Unverständnis. Dass Restaurants und Bars ab Samstag in der südfranzösischen Hafenmetropole komplett schließen müssten, sei ohne jede Absprache entschieden worden, sagte Bürgermeisterin Michèle Rubirola am Donnerstag dem Sender BFM TV. Das Rathaus forderte ein zehntägiges Moratorium. Es solle erst abgewartet werden, wie sich die Corona-Lage in der Stadt weiterentwickelt.

Der Präsident der Region Provence-Alpes-Côte-d'Azur (Paca), Renaud Muselier, kündigte via Twitter an, er werde am Freitag per Einspruch rechtlich gegen die Schließung der Lokale vorgehen. Er hatte die Maßnahmen zuvor als "kollektive Bestrafung" scharf kritisiert. Sie seien ungerecht und unangemessen. Marseille liegt in der Region Paca.

Im ganzen Land wurde mit 16 096 neuen Fällen innerhalb eines Tages ein Höchstwert erreicht, wie die Behörden am Abend mitteilten. "Das Aufkommen von Covid-19 im gesamten Land ist beunruhigend", warnte Regierungschef Jean Castex.

Gesundheitsminister Olivier Véran hatte am Donnerstag angekündigt, dass für Marseille und das Überseegebiet Guadeloupe die "maximale Alarmstufe" ausgerufen worden sei. Das bedeutet neben der Schließung von Bars und Restaurants auch, dass alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen schließen müssen, sofern sie kein "strenges Gesundheitsprotokoll" haben. Theater und Kinos sind davon nicht betroffen.

Diese Maßnahmen würden von Marseille als Affront empfunden, sagte der stellvertretende Bürgermeister Benoît Payan. "Trotz der Zahlen, trotz der Bemühungen wird unsere Region wieder einmal bestraft, mit dem Finger auf uns gezeigt."

Die Corona-Lage in Marseille ist seit Wochen angespannt. Die Zahl der Menschen, die sich dort innerhalb einer Woche mit dem Coronavirus infiziert haben, liegt dort nach Angaben der Regierung bei rund 250. Paris hatte Marseille zuletzt aufgefordert, strengere Maßnahmen zu einzuführen. Dem ist die Stadt auch nachgekommen - sie hat etwa Einschränkungen beim Alkoholverkauf und bei Treffen und Veranstaltungen in der Öffentlichkeit verhängt.

Die Regierung hatte zuletzt immer wieder betont, dass die gewählten Vertreter in den Regionen am besten wüssten, was zu tun sei. Auch in Paris zeigt man sich unzufrieden mit den Entscheidungen des Gesundheitsministers. In der Hauptstadt gilt nun eine "hohe Alarmstufe", Bars müssen ab Montag um 22.00 Uhr schließen. Bürgermeisterin Anne Hidalgo erklärte, sie sei kurzfristig informiert worden und nicht einverstanden./nau/DP/fba



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