Nur noch wenige Wochen: BioNTech-Aktie zwischen Euphorie und Ernüchterung

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
25.09.2020, 08:36  |  2067   |   |   

BioNTech (WKN: A2PSR2) ist eine großartige Börsenstory, wie man sie in Deutschland selten sieht. Seit dem Börsengang hat sich die Aktie toll entwickelt und jetzt steht das Unternehmen im Mittelpunkt der Hoffnungen auf einen wirksamen Corona-Impfstoff.

Schon in wenigen Wochen dürfte mehr Klarheit darüber herrschen, ob BioNTech in die Massenproduktion einsteigen und sich gegenüber der Konkurrenz einen Vorsprung erarbeiten kann. Die Aktie könnte einen weiteren Sprung nach oben machen. Möglich wäre aber auch ein derber Rücksetzer.

Sell on good news?

Alle informierten Anleger wissen, dass jederzeit mit guten Nachrichten für BioNTech zu rechnen ist. Dennoch bewegt sich der Kurs aktuell nur wenig oberhalb des Niveaus von Ende März. Viele Aktionäre, die sich in den letzten Wochen und Monaten positioniert haben, hoffen darauf, dass die Aktie abhebt, sobald der Startschuss für die Kommerzialisierung fällt. Die aktuell noch eingepreiste Unsicherheit müsste dann weichen und für deutlichen Rückenwind sorgen.

Andererseits hat sich der Kurs seit dem Börsengang mehr als vervierfacht (Kurs 23.09.: 64 USD versus Ausgabepreis von 15 USD im Oktober 2019), obwohl BioNTech abseits des Corona-Impfstoffs nur wenig Neues vorzuweisen hat. Es könnte folglich gut sein, dass viele der frühzeitig eingestiegenen Anleger nur darauf warten, in einer kurzen Euphoriephase abspringen zu können. Das wäre ernüchternd und könnte zu einer anhaltenden Schwächephase führen, soweit keine neuen Kurstreiber bekannt werden.

Sell on bad news?

Daneben ist noch längst nicht klar, dass sich die Unsicherheit in Wohlgefallen auflöst. Noch immer sind diverse Szenarien denkbar, die den großen Erfolg ausbremsen könnten. Zum einen könnten die Ergebnisse in Phase 3 der klinischen Studie schlechter als erhofft ausfallen. Vielleicht vertragen bestimmte Patientengruppen den Impfstoff nicht gut oder es treten sogar schwerwiegende Komplikationen auf.

Denkbar wäre auch, dass die komplexe Handhabung des Stoffs dem großflächigen Einsatz Hindernisse in den Weg stellen. Oder es stellt sich heraus, dass die Schutzwirkung geringer ist als erwartet und sie zudem nicht sehr lange anhält. Man muss solche Dinge einkalkulieren. Denn wenn man bedenkt, dass bis heute zentrale Fragen rund um das Masketragen, Aerosole, die Rolle von Kindern und Langzeitschäden nicht ausreichend geklärt sind, kann man sich vorstellen, was bei den hastig entwickelten Impfstoffen alles schiefgehen kann.

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