ROUNDUP 2 Sanierer von der Deutschen Bank wird neuer Commerzbank-Chef - Seite 2

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
27.09.2020, 14:32  |  400   |   |   

Im noch wesentlich dichteren Filialnetz der Commerzbank werden noch drastischere Einschnitte erwartet. Von 1000 Filialen könnten gerade einmal 200 übrig bleiben, in denen Kunden sich beraten lassen können. Schon vor der Corona-Krise liefen in der Commerzbank Diskussionen über eine Verschärfung des im Herbst 2019 verkündeten Sparkurses. Die Pandemie hat der Digitalisierung einen weiteren Schub gegeben. Bei der Commerzbank könnte die Zahl der zuletzt knapp 40 000 Vollzeitstellen um bis zu ein Viertel gekappt werden.

"Die neue Strategie ist eine radikale Kehrtwende und geht über alles Bisherige weit hinaus", erklärte der zum 30. September ausscheidende Privatkundenchef Michael Mandel jüngst. Wegen der Folgen der Pandemie und Kosten für den Konzernumbau rechnet die Bank für das laufende Jahr mit roten Zahlen. Analysten gehen davon aus, dass die Commerzbank erst 2022 wieder die Gewinnzone erreichen wird.

Zufall oder nicht: Knofs Berufung fällt genau auf den Jahrestag der Verkündung der Strategie "Commerzbank 5.0". Die Ungeduld der Investoren hat zugenommen, nachdem die vor einem Jahr von Zielke vorgestellten Schritte nicht wirklich überzeugten: Etwas weniger Personal, etwas weniger Filialen, Eingliederung der Online-Tochter Comdirect. Den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der polnischen mBank blies der Commerzbank-Vorstand ab, weil sich die Preisvorstellung in Corona-Zeiten nicht durchsetzen ließ.

In diesem Frühjahr zeigte der "Höllenhund" Cerberus Zähne: Die Commerzbank-Führung habe "über Jahre eklatant versagt", urteilte der Großaktionär und kritisierte "die unausgereiften und schlecht umgesetzten Bemühungen der Geschäftsführung, den Niedergang der Commerzbank zu verhindern". Cerberus, der auch an der Deutschen Bank beteiligt ist, ist mit gut fünf Prozent zweitgrößter Aktionär der Commerzbank - nach dem deutschen Staat, der infolge der Rettung mit Steuermilliarden in der Finanzkrise heute 15,6 Prozent hält.

Die harsche Kritik zeigte Wirkung: Zielke räumte ein, dass die im Herbst 2019 beschlossenen Maßnahmen nicht durchschlagend genug waren, um das Institut im Zinstief profitabler zu machen - und kündigte seinen Rücktritt als Konzernchef spätestens zum Jahresende an. Der damalige Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann warf gleich mit hin.

Mit der Berufung Knofs hat der neue Chefkontrolleur Vetter die Nachfolge von Zielke überraschend schnell geregelt. Und: Statt einer internen Lösung mit Finanzvorständin Bettina Orlopp oder Firmenkundenvorstand Roland Boekhout hat Vetter sogar einen externen Kandidaten für die nicht einfache Aufgabe gewonnen - vorausgesetzt, die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) stimmen noch zu.

Der Großaktionär Bund hatte sich zuletzt zuversichtlich zur Zukunft der Bank geäußert. "Ich glaube, dass wir ja jetzt doch sehen, dass sich viele bemühen, der Commerzbank eine gute Zukunft zu geben und auch mutige Entscheidungen zu treffen", sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bei einer Bankentagung Anfang September. "Ich finde, das sollte jetzt erstmal begleitet werden."/ben/DP/he

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