Ökonom Sinn Kurzarbeitergeld "viel Geld für das Nichtstun"

Nachrichtenagentur: Redaktion dts
30.09.2020, 05:00  |  936   |   |   
Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der ehemalige Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes kritisiert. "Wenn ich viel Geld für das Nichtstun gebe, dann wird das Nichtstun verlängert. Das ist die Kehrseite", sagte Sinn im RTL/n-tv-"Frühstart".

Sinn stimmte damit dem CDU-Politiker Friedrich Merz zu, der bei "Bild Live" in diesem Zusammenhang davor gewarnt hatte, dass man sich nicht daran "gewöhnen" dürfe, ohne Arbeit leben zu können. "Ich bin sehr für das Kurzarbeitergeld gewesen, aber dass man das jetzt nochmal bis nach der Wahl nächstes Jahr verlängert hat, das ist ja ein so durchsichtiges Manöver. Das ist jenseits dessen, was man rational als Ökonom vertreten kann", sagte Sinn. Es sei zwar richtig, die Menschen abzufedern, die arbeitslos geworden sind, jedoch könne man nicht erwarten, dass dies zu einer "Dauereinrichtung" werde. "Das geht nicht. Wir können ja nicht dauernd aus der Druckerpresse leben", so der Ökonom. Insgesamt lobte Sinn das Krisenmanagement der Bundesregierung in der Corona-Pandemie. Zudem stehe Deutschland wirtschaftlich besser da, als noch vor einem halben Jahr angenommen. "Wir sind relativ gut durchgekommen", sagte der Ökonom. Allerdings habe Deutschland zuletzt "etwas zu viel Geld in die Hand" genommen. "Das wäre nicht nötig gewesen." Insgesamt könne man nun mit Blick auf die Pandemie "intelligenter" handeln. "Man weiß ja ungefähr, wie aktiv das Virus ist und was man dagegen tun kann. Es wird also lokale Lockdowns geben", sagte der Ex-Ifo-Chef.

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2 Kommentare

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Kommentare

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30.09.20 07:38:16
Ich schätze Hans Werner Sinn sonst sehr, aber hier liegt er falsch.

Die Wirtschaft braucht zukünftig viel weniger Menschen um immer mehr zu produzieren, aber wer soll denn dann den ganzen Plunder kaufen den eh keiner braucht???

Wir brauchen eine Systemänderung mit Transfer u. Quersubventionierung für folgende nachhaltige Tätigkeiten:

1. Landschaftspflege und Umweltschutz

2. Kinderbetreuung-Bildung

3. Gesundheit und Pflege

4. Umbruch der Industrie Abwendung vom Wachstum hin zur Nachhaltigkeit

Man sollte wieder da arbeiten wo man wohnt, dann lösen sich schon einige Probleme von selbst.

Hier kann man von der ehemaligen DDR viel lernen, mangels Rohstoffen waren da viele Prozesse schon weiter entwickelt.!

Vielleicht fängt man 30 Jahre nach der Wende endlich mal an mit Vernunft verschiedene Dinge zu sehen und nicht mit wie immer mit dem Auge der "Überheblichkeit des scheinbaren Gewinners."!
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30.09.20 05:36:01
Ich bin selbst bei einem Luftfahrtzulieferer angestellt, der vor Corona dauerhaft ein zweistelliges Wachstum verzeichnete. Wir waren das exakte Gegenteil eines unrentablen Unternehmens. Durch die Coronabedingten Maßnahmen ist unser Umsatz um über 60% eingebrochen und wir hängen in Kurzarbeit. Die geschürten Coronaängste der Menschen vor dem Fliegen in Kombination mit der aufflammenden Diskussion über Umweltschutz wird unsere Branche noch lange in Schach halten. Selbstverständlich sollte man das Kurzarbeitergeld bis Ende des nächsten Jahres laufen lassen! Bei solchen Aussagen kommt mir echt das Kotzen, weil es zeigt, wie Corona die Gesellschaft in betroffene und nicht betroffene Branchen teilt. Als würden die Leute das "Nichtstun" als Jackpot betrachten und mit 20, 30 oder gar 40% Gehaltseinbußen in Saus und Braus feiern. Mal wieder fern ab jeglicher Coronarealität. Viel schlimmer ist, wieviel Geld durch das korrupte System und deren Akteure verloren geht.

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