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ECARF-Qualitätssiegel „Die Gesundheit steht im Mittelpunkt“: Markteinführung des ECARF-Qualitätssiegels für Immobilien

Gastautor: Seyit Binbir
01.10.2020, 12:06  |  1413   |   |   

Interview mit Prof. Dr. med. Dr. h. c. Torsten Zuberbier zur Gründung von Allergy Friendly Buildings Alliance AFBA


Charité-Professor Torsten Zuberbier ist einer der weltweit führenden Allergologen und hat vor bereits 16 Jahren die ECARF-Stiftung gegründet, der er bis heute vorsteht. Foto: Torsten Zuberbier

Interview mit Prof. Dr. med. Dr. h. c. Torsten Zuberbier zur Gründung von Allergy Friendly Buildings Alliance AFBA

Der Immobilienindustrie steht nicht weniger als ein Paradigmenwechsel bevor! Obwohl Allergien allgegenwärtig sind und viele Menschen über Beschwerden klagen, wurde das Thema bei der Entwicklung von Gebäuden in der Vergangenheit kaum beachtet. Dabei gibt es heutzutage viele Möglichkeiten, Gebäude allergikerfreundlich zu entwickeln, auch ohne, dass die Kosten in größerem Ausmaß steigen würden. Charité-Professor Torsten Zuberbier ist einer der weltweit führenden Allergologen und hat vor bereits 16 Jahren die ECARF-Stiftung gegründet, der er bis heute vorsteht. Nun soll das ECARF-Siegel auch in der Bauindustrie Einzug halten und Gebäude, die allergikerfreundlich entwickelt wurden, mit dem ECARF-Siegel und dem Titel „Allergy Friendly Building“ auszeichnen. Ein Meilenstein für Menschen, die unter Allergien leiden und deren Symptome in Gebäude gemildert oder sogar ganz beseitigt werden können.

 

Herr Professor Zuberbier, von welchen Dimensionen sprechen wir? Wie weit verbreitet sind Allergien?

TZ: Allergien sind die häufigste chronische Erkrankung weltweit und zählen zu den Autoimmunreaktionen. Dabei handelt es sich um eine überschießende krankhafte Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte Umweltstoffe, sogenannte Allergene oder Antigene. Alleine in Deutschland sind etwa 25 Millionen Menschen betroffen. Abgesehen von dem individuellen Leidensdruck jedes einzelnen Betroffenen, haben Allergien natürlich auch gravierende wirtschaftliche Folgen. Wenn ein Unternehmen 100 Mitarbeiter hat, leiden 30 davon an Allergien – so die Statistik. Für Unternehmen bedeutet das, vor allem in den Monaten von März bis Oktober, einen signifikanten Leistungsabfall der Mitarbeiter. Ein wirtschaftlicher Schaden, der allein in der EU mit 100 Milliarden Euro pro Jahr zu Buche schlägt. Auch Schüler mit Allergien haben unbehandelt eine Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent in der Pollensaison, um eine Note abzufallen. Um allergische Reaktionen zu vermeiden, ist es also wesentlich, dass der Kontakt der Betroffenen mit Allergenen reduziert oder im Idealfall gänzlich vermieden wird.

 

ECARF wurde durch Sie bereits 2004 ins Leben gerufen und hat bereits mit vielen Unternehmen, überwiegend aus der Automobil- und Konsumgüterindustrie zusammengearbeitet. Warum nun auch die Bauwirtschaft?

TZ: Das ECARF-Siegel wurde seit Gründung der ECARF-Stiftung an zahlreiche namhafte Unternehmen im Bereich der Kosmetika-, Konsumgüter- oder Automobilindustrie vergeben. Diese Unternehmen stellen sich gerne der Verantwortung, bestimmte Produkte besonders allergikerfreundlich nach den strengen wissenschaftlichen Kriterien der Stiftung herzustellen. Das Siegel wird jedoch auch an Dienstleister wie Hotels oder auch ganze allergikerfreundliche Gemeinden vergeben. Ein wichtiger Aspekt fehlte jedoch bisher. Der moderne Mensch verbringt an Arbeitstagen meist 90 Prozent seiner Zeit in Innenräumen. Hier ist die Qualität der Bauwerke von hoher Bedeutung. Daher soll das Siegel nun auch an die Bauindustrie vergeben werden, sofern diese ihre Gebäude nach den ECARF-Kriterien allergikerfreundlich entwickeln und damit die Grundlagen für das Wohlbefinden von Menschen in Gebäuden schaffen.

 

Wieso ist das Thema erst jetzt aktuell?

TZ: Aktuell ist das Thema schon lange, doch hat allergikerfreundliches Bauen erstaunlicherweise bisher nur wenig Beachtung gefunden, obwohl Menschen durchschnittlich einen Großteil ihrer Zeit in Gebäuden verbringen. Ob das nun in der eigenen Wohnung, im Eigenheim, am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Gebäuden ist – die Verwendung von Baustoffen oder auch die Entwicklung von Außenbereichen fand bisher fast ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten statt, medizinische Faktoren spielten in diesem Zusammenhang kaum eine Rolle. Dabei ist festzuhalten, dass allergikerfreundliches Bauen nicht zwangsläufig auch teureres Bauen bedeutet. Man muss eben nur wissen, welche allergikerfreundlichen Alternativen es gibt und diese entsprechend verwenden.

Hinzu kommt, dass die Corona-Pandemie das Bewusstsein der Menschen für Gesundheitsthemen geschärft hat. Für uns steht der Mensch bei der Entwicklung von Gebäuden im Mittelpunkt – das ist das Unternehmenscredo von AFBA. Daher berät AFBA  umfassend unter anderem bei der Immobilienentwicklung, das betrifft alle Asset-Klassen: Wohnen, Büros, Gewerbe, Hotels und öffentliche Einrichtungen. Wir wollen das Bewusstsein für das Problem schärfen und gleichzeitig Lösungen für die Bauindustrie anbieten.

Das Siegel, das an Allergy Friendly Buildings vergeben wird. Foto: AFBA

 

Wie läuft ein Vergabeprozess für das Siegel für allergikerfreundliches Bauen ab?

TZ: ECARF hat sich ganz bewusst an der AFBA beteiligt, da es sich hier nicht um die Zertifizierung eines Massenprodukts handelt, sondern ein großes Bauvorhaben immer individuell begleitet werden muss. AFBA versteht sich daher als Partner der Industrie an der Schnittstelle zur Hochschulmedizin und unterstützt die Bauentwickler bei der Erlangung des Siegels für allergikerfreundliches Bauen von Beginn an. Zunächst muss sich ein Developer um das Siegel bewerben. Im Anschluss strukturiert und gewährleistet AFBA unter enger Einbindung der ECARF-Stiftung sowie auf Grundlage der Kriterien des ECARF-Advisory-Boards den Vergabeprozess im Hinblick auf eine wissenschaftlich-medizinische Evaluation der für ein Projekt vorgesehenen Baumaterialien und begleitet den Entwickler durch das Zulassungsverfahren. Selbstverständlich ist es auch möglich, bereits bestehende Gebäude nachträglich zu zertifizieren. Nach einer abschließenden Prüfung wird dann schließlich das Siegel für allergikerfreundliches Bauen verliehen.

 

Entwickelt wurden die Vergabekriterien durch einen unabhängigen Beirat aus 15 international führenden Wissenschaftlern und Technikern. Die Richtlinien umfassen Schwellenwerte und Ausschlusskriterien, die eine allergische Reaktion sehr unwahrscheinlich machen. Diese Kriterien werden regelmäßig dem neuesten Stand der Wissenschaft angepasst.

 

Gibt es erste Bewerbungen für das Siegel?

TZ: Zwei internationale Developer, die in Berlin prominente Milestone-Entwicklungen realisieren, sind die ersten, die sich um das Siegel beworben haben. Die Motive liegen klar auf der Hand: Der Mensch und seine Gesundheit sind das allerhöchste Gut. Bei den hohen ethischen Standards vieler Konzerne und institutioneller Bauherren, ist das ECARF-Qualitätssiegel eine Verpflichtung gegenüber den Menschen. Es ist auch ein Signal für Verantwortung und Humanität. Wir befinden uns in Gesprächen mit zahlreichen namhaften Entwicklern und der Zuspruch ist groß. Ich bin mir sicher, dass es für verantwortungsvolle Entwickler in Zukunft immer wichtiger sein wird die Bedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ihre Projekte allergikerfreundlich zu entwickeln.  

 

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wenn Gebäude zukünftig flächendeckend nach allergikerfreundlichen Kriterien entwickelt werden würden – was würde sich ändern?

TZ: Ganz einfach: Die Lebensqualität von Allergikern würden deutlich verbessert werden. Das würde nicht nur der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Menschen zugutekommen, sondern hätte auch ganz pragmatische und wirtschaftliche Vorteile. Wenn ein Unternehmen seinen Mitarbeitern ein Büro in einem allergikerfreundlichen Gebäude bieten kann, dann wird die Leistung der Mitarbeiter steigen und krankheitsbedingte Ausfälle werden sinken. Das Gleiche gilt natürlich für Schulen, Universitäten, öffentliche Gebäude und vor allem auch das eigene Zuhause. Corona hat gezeigt, wie wichtig ein gesundheitsförderndes Wohnumfeld ist, gerade wenn man sich in häuslicher Quarantäne oder im Home Office befindet. Wenn es die Möglichkeit gibt, Betroffenen zu helfen und die Probleme, die Allergien mit sich bringen, zu minimieren, dann bin ich der Meinung, dass alle erforderlichen Maßnahmen unbedingt zu treffen sind. 

 

Herr Professor Dr. Zuberbier, wir danken Ihnen für das Gespräch!



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