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Größer, besser, profitabler? Der DAX will sich neue Regeln geben – wer steigt in die erste Börsenliga auf?

15.10.2020, 09:57  |  12069   |   |   

Der DAX ist das Aushängeschild der Deutschen Börse. Ob er aber auch ein gutes Aushängeschild der deutschen Wirtschaft ist, ist bei Experten umstritten. Fest steht: Der deutsche Leitindex soll sich ändern. Das hat die Deutsche Börse entschieden und befragt dazu derzeit die Marktteilnehmer. In der Diskussion stehen sowohl die Aufstockung des Index von 30 auf 40 Werte, als auch strengere Aufnahmekriterien.

„Es ist kein Geheimnis, dass ich persönlich die Ausweitung des DAX 30 auf einen DAX 40 begrüßen würde“, erklärte Börsenchef Theodor Weimer vor Kurzem. Auch Aktionärsschützer halten den Vorschlag für sinnvoll. „Die Zahl der DAX-Mitglieder zu erhöhen ist durchaus sinnvoll, um die Basis des Index zu verbreitern, die Volatilität einzuschränken und die deutsche Wirtschaft breiter abzubilden“, sagt Michael Kunert, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), im Gespräch mit wallstreet:online. „Wichtig ist, dass es Kriterien gibt, die man handfest prüfen kann.“

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Bislang sind diese Kriterien vor allem die Marktkapitalisierung und das Handelsvolumen. SAP, Linde und Siemens geben in der derzeitigen Konstellation den Ton an und sind am höchsten gewichtet. Daran würde auch eine Aufstockung nichts ändern, wie die DZ-Bank in einer neuen Studie darlegt. Die 10 potenziellen DAX-Neulinge würden zusammen gerade einmal acht Prozent am Index ausmachen.

Chemie, Auto, Industrie – diese Branchen dürften auch künftig Deutschlands erste Börsenliga dominieren. Zu den wenigen Tech-Unternehmen im Index gehört der Neuling Delivery Hero – ein Unternehmen, dass viele Börsianer zwar begeistert, aber nach wie vor keinen Gewinn macht. Genau das könnte künftig aber zum Kriterium einer DAX-Mitgliedschaft werden. „Delivery Hero ist nicht profitabel, sie haben aber trotzdem ihre Berechtigung im DAX. Denn immerhin haben sie sich über den S- und M-DAX hochgearbeitet, die Aktionäre haben die Papiere gekauft und die Bewertung hochgetrieben“, so SdK-Sprecher Kunert. „Irgendwann müssen sie natürlich auch anfangen, Gewinne zu liefern. Das ist klar. Ich sehe eher das Problem, dass das Unternehmen kein eigenes Deutschland-Geschäft mehr hat.“

Chancen auf eine DAX-Notierung dürfen sich auch Qiagen, Siemens Energy, LEG Immobilien und Scout24 ausrechnen. Die Experten der DZ Bank glauben, dass neue und frische Geschäftsmodelle den DAX attraktiver machen könnten. „Die größeren Werte aus der zweiten Reihe können mehr Aufmerksamkeit erhalten. Für den MDAX besteht allerdings das Risiko, dass er an Relevanz für Generalisten verliert“, schreibt DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger.

Für die Deutsche Börse geht es bei der Neuaufstellung auch darum, die richtigen Lehren aus dem Wirecard-Skandal zu ziehen. Die Anforderungen an testierte Geschäftsberichte und die Compliance-Standards könnten angehoben werden.

Für Aktionärsschützer Kunert gibt es jedoch weitere Stellschrauben, an denen die Deutsche Börse ansetzen könnte. Die zunehmende Internationalisierung der deutschen Wirtschaft erfordere klare Index-Regeln. Ansonsten entstehe eine „Zweiklassengesellschaft an den deutschen Börsen“, befürchtet Kunert. „Inzwischen sind mehr als ein Dutzend ausländischer Unternehmen in deutschen Indizes gelistet, mit Linde ist das Problem sogar im DAX angekommen. Für Aktionäre ist es schwieriger, an der Hauptversammlung teilzunehmen, ihre Rechte wahrzunehmen und wichtige Informationen zu erhalten. Denn das deutsche Aktiengesetz gilt nicht für ausländische Gesellschaften.“ So unterlägen die deutschen Unternehmen einem Corporate-Governance-Kodex mit bestimmten Verhaltensregeln. Für ausländische Firmen gelten diese nicht.

Unternehmensberichte und Börsenprospekte seien für Kleinanleger selbst in deutscher Sprache häufig nur schwer zu verstehen, und in Fremdsprachen noch schwieriger. „Man sollte von Unternehmen in einem deutschen Index fordern, dass Sie ihre Publikationen auch in deutscher Sprache veröffentlichen“, fordert Kunert.

Bis zum 4. November können Marktteilnehmer ihre Vorschläge abgeben, Ende November werden dann die Ergebnisse vorgestellt. Bis die Änderungen in Kraft treten, dauert es vermutlich aber noch bis zur nächsten Index-Überprüfung im März 2021.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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