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    Experteninterview  2600  2 Kommentare Holger Knaup von der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. zum Thema Risikomanagement

    Holger Knaup ist geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg und verantwortlich für das Portfolio- und Risikomanagement. Er begleitet seit Ende der 90er Jahre vermögende Privatkunden, Unternehmer und namhafte Family Offices bei der strategischen Vermögensanlage. Herr Knaup studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre an der Universität Osnabrück und an der University of Wales.

    Risikomanagement ist ein fester Bestandteil der Geldanlage und Vermögensverwaltung. Wie haben Sie es geschafft, sich als verlässlicher und kompetenter Partner in diesem Bereich zu etablieren?

    Bei uns ist das Risikomanagement schon immer untrennbar mit dem Portfoliomanagement verbunden. Wir stellen regelmäßig fest, dass Investoren sich unter anderem deshalb für eine Zusammenarbeit mit unserem Haus entscheiden, weil sie sehr positiv auf unser aktives Risikomanagement reflektieren. Mandanten erwarten zu Recht von ihrem Vermögensverwalter klare, konsequente und rationale Entscheidungen. Vor allem erwarten Mandaten, dass der Vermögensverwalter in Zeiten größerer Marktverwerfungen das Risiko reduziert und die Schwankungen und Verluste in den Portfolien begrenzt.  Wir haben hierzu einen eigenen Risikoindikator entwickelt, welcher uns im Entscheidungsprozess aktiv in jeder Marktphase unterstützt.


    Bild: Holger Knaup von der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co.

    Aktien sind gemeinhin die bekannteste Anlageklasse. Welche Arten des Risikomanagements gibt es und auf welche Aspekte muss man bei Aktien besonders achten?

    Es gibt unterschiedliche Ebenen, bei denen Risikomanagement bei uns zum Einsatz kommt. Dies geschieht sowohl horizontal – also innerhalb einer Anlageklasse – als auch vertikal – also die Verteilung der Vermögenswerte über unterschiedliche Anlageklassen.

    Als Standard-Instrument bei der Konstruktion von Wertpapierportfolien hat sich die Risikodiversifikation, d.h. die breite Streuung auf unterschiedliche, möglichst nicht positiv miteinander korrelierenden Wertpapiere, seit einigen Jahrzehnten bei Investoren weltweit durchgesetzt. Sie geht zurück auf den US-amerikanischen Ökonom und Professor für Wirtschaftswissenschaften Harry M. Markowitz. Allerdings hat nicht zuletzt der Corona-Crash im März aufgezeigt, dass der Diversifikationseffekt heutzutage nicht mehr die Bedeutung hat wie noch vor der Finanzkrise 2008/2009. Grund hierfür ist, dass die positiven Korrelationen unter den Anlageklassen teilweise deutlich zugenommen haben.

    Wir gehen im Risikomanagement daher noch einen Schritt weiter. Denn auch breit diversifizierte Portfolien unterliegen je nach Risikoausrichtung und Marktphase mitunter höheren Schwankungen. Für Kunden, die diese Schwankungen aushalten können, ist eine aktive Steuerung des Risikos und eine dynamische Anpassung der Asset Allokation nicht unbedingt erforderlich. Der Corona-Crash im März 2020 hat aber mal wieder gezeigt, dass bei vielen Investoren die Emotionen in solchen Extremphasen die Kontrolle übernehmen und am Ende der emotionale Druck so groß wird, dass oftmals nahe der Tiefpunkte die Risiken aus dem Depot verkauft werden. Dies gilt es, zu verhindern. Für die Anlageklasse Aktien haben wir einen eigenen Risikoindikator entwickelt. Dieser besteht aus vier Teilindikatoren und zeigt an, wie hoch die maximal zulässige Aktienquote beim Kunden ausgenutzt sein sollte.

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    Ein Beispiel: Ein Kunde hat mit uns vereinbart, dass sein Portfolio einen maximalen Aktienanteil von 60% nicht überschreiten soll. Der Rest des anzulegenden Vermögens ist auf andere Anlageklassen verteilt oder wird als Liquidität temporär geparkt. Unser Risikoindikator zeigt beispielsweise eine Ausschöpfungsquote von 70% an. In diesem Beispiel bedeutet das, dass die Aktienquote im Portfolio dieses Kunden aktuell nur 42% betragen würde (statt maximal 60%) bezogen auf das gesamte Anlagevolumen. Aber nicht nur die Kursbewegungen nach unten sollten dynamisch gemanagt werden. Genauso wichtig ist es, die Aufwärtsbewegungen nicht zu verpassen und durch eine entsprechende Signalarchitektur die Aktienquote zügig wieder nach oben anzupassen. 

     

    Neben Aktien gibt es noch Anleihen, Edelmetalle, Rohstoffe und alternative Investments als weitere Anlageklassen. Inwiefern unterscheidet sich das Risikomanagement hierbei zu Aktien?

    Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere gehört mittlerweile durch die historisch niedrigen Zinsen die klassische „buy-and-hold“-Strategie der Vergangenheit an. Notenbanken intervenieren weltweit und beeinflussen durch Anleihenkäufe den Zinsmarkt. Risiken werden weder für lange Laufzeiten noch für schlechtere Bonitäten belohnt. Manchmal kommt es vor, dass sich die Risikoaufschläge für eine kurze Zeit deutlich erhöhen. Diese sogenannten Spreads messen wir für unterschiedliche Anleihensegmente und haben für uns Bereiche definiert, in denen es sich durchaus lohnt, z.B. den Anteil von Emerging Markets-, High Yield- oder Wandelanleihen zu erhöhen. Denn eine Ausweitung der Spreads bedeutet zwar, dass sich die Risikoeinschätzung der Investoren deutlich verschlechtert hat - umgekehrt heißt es aber auch, dass eine gestiegene Rendite das Risiko in bestimmten Anleihensegmenten wieder deutlich belohnt.
    Eine sich anschließende Einengung der Spreads führt zu Kursgewinnen, welche die Zinsen, die bei einer „buy-and-hold“-Strategie zu verdienen sind, mitunter deutlich überkompensieren. In ruhigen Marktphasen halten wir daher im Anleihenbereich temporär eine erhöhte Liquidität, die keine Zinsen erwirtschaftet, aber schnell investiert werden kann, wenn die Spreads ein aus unserer Sicht attraktives Niveau erreicht haben.

    Die Anlageklasse Edelmetalle und Rohstoffe ist bei uns aktuell ausschließlich mit Goldinvestments besetzt. Gold dient nicht nur als geopolitische Krisenwährung. Das Edelmetall sollte grundsätzlich fester Bestandteil bei der Vermögensallokation sein, als Versicherung in Zeiten turbulenter Aktienmärkte und als Schutz vor einer möglicherweise wieder anziehenden Inflation.

    Bei der Anlageklasse alternative Investments setzen wir auf der Expertise von Managern verschiedener Investmentfonds. Wir wollen hier wenig korrelierte und stabile aktienähnliche Erträge erzielen und dabei die Volatilität auf ein eher rentenähnliches Niveau reduzieren. Dabei setzen wir u.a. auf Volatilitäts- und Prämienstrategien. Aufgrund des Einsatzes von Derivaten innerhalb der ausgesuchten Investmentlösungen ergeben sich asymmetrische Auszahlungsprofile, die sich gerade in seitwärts laufenden Märkten bewähren.

     

    Risiken richtig analysieren und einschätzen zu können ist ein aufwändiger Prozess. Worauf muss ich als Anleger bei einem guten Risikomanagement besonders achten?

    Die Risikoeinschätzung fängt zunächst bei jedem Anleger selbst an. Wie hoch ist die persönliche Risikobereitschaft? Welche Schwankungen können emotional ausgehalten werden? Welche Renditeerwartungen gibt es? Welcher Anlagehorizont liegt der gewünschten Anlagestrategie zugrunde? Gutes Risikomanagement fängt also zunächst einmal mit einer guten Einschätzung der eigenen Risikobereitschaft an. Wir als unabhängige Vermögensverwalter begleiten diesen Prozess sehr aktiv und arbeiten die richtige, persönliche Risikobereitschaft zusammen mit jedem Kunden individuell heraus. Hierzu stellen wir zu Beginn einer Geschäftsbeziehung auf unser ak-Vermögenskonzept ab, welches mit dem Blick auf das Gesamtvermögen dem Kunden hilft, das richtige Chance-/Risikoprofil für sich und die umzusetzende Anlagestrategie zu identifizieren. Auf Basis von Stresstests lässt sich anschließend aufzeigen, welche Entwicklungen diese Anlagestrategie in unterschiedlichen, historischen Crashszenarien vollzogen hätte.
     

    Eine korrekte Risikoeinschätzung ist unerlässlich, allerdings ist es eine wahre Herausforderung, daraus ein konkretes Handeln abzuleiten. Wo lohnt es sich derzeit besonders ein erhöhtes Risiko einzugehen?

    Die Szenario-Analyse in unserem ak-Vermögenskonzept bildet die Grundlage für unsere Kunden, ihre persönliche Risikoneigung richtig einzuschätzen. Der Lackmustest erfolgt dann aber meistens erst, wenn das Geld real investiert ist und der Sturm aufzieht. Dann gilt es, die Entwicklung über unsere Risikoindikatoren aktiv und dynamisch zu begleiten, um Abwärtsbewegungen abzufedern und um anschließende Erholungsphasen durch eine deutliche Erhöhung der Investitionsquote zu nutzen. Jeder Anleger sollte sich sehr bewusst darüber werden, welche Risikotoleranz er wirklich hat. Daher stellt sich nicht die Frage, welches erhöhte Risiko ein Anleger derzeit eingehen sollte, weil sich dieses vermeintlich momentan lohne. Viel wichtiger ist es, wie das langfristig ausgerichtete Chance-/Risikoprofil aussehen soll. Daraus leitet sich eine Anlagestrategie ab, die idealerweise durch ein dynamisches Risikomanagement aktiv begleitet wird. Dabei komm es aber nie darauf an, sich über kurzfristige Gewinne zu freuen. Eine langfristig stetige, positive Wertentwicklung mit dem obersten Ziel des realen Vermögenserhalts sollte vielmehr das Ziel sein.

    Vielen Dank für das informative, aufschlussreiche Gespräch, Herr Knaup.






    Seyit Binbir
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    Seyit Binbir ist Börsenexperte und Wegbereiter vieler Unternehmen im digitalen Sektor. Seine Erfahrungen und Analysen veröffentlicht er als Redakteur in verschiedenen Börsenpublikationen, damit auch andere von seiner Leidenschaft für Aktien profitieren.
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    Verfasst von Seyit Binbir
    Experteninterview Holger Knaup von der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. zum Thema Risikomanagement Holger Knaup ist geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg und verantwortlich für das Portfolio- und Risikomanagement. Er begleitet seit Ende der 90er Jahre vermögende Privatkunden, Unternehmer …

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