Prominente Finanzspritze Gates investiert in Evotec – Was hinter der Antikörper-Therapie steckt

22.10.2020, 18:11  |  30684   |   |   

Neuigkeiten des Hamburger Biotech-Unternehmens Evotec ließen diese Woche aufhorchen. Die US-Tochter des MDax-Konzerns namens „Just“ sicherte sich eine Finanzspritze der Bill und Melinda Gates-Stiftung.

Im Schatten des Corona-Impfstoff-Rennens tüfteln Forscher an einem Cocktail von Antikörpern, der Infizierten helfen und Risikogruppen schützen soll.

Die Aussicht auf ein Corona-Heilmittel lässt die Herzen von Biotech-Anlegern höher schlagen. Als US-Präsident Donald Trump während seiner Covid-19-Behandlung ein experimentelles Mittel der Firma Regeneron verabreicht wurde, sorgte das für einen Kurssprung der Aktie.

Mit Unterstützung der Gates-Stiftung soll Evotec nun eine Antikörper-Therapie speziell für Länder mit mittlerem oder niedrigen Einkommensniveau entwickeln. Die Kosten spielen bei dieser Behandlung eine besondere Rolle, wie Dr. Morris Hosseini, Senior Partner im Bereich Pharma & Healthcare bei Roland Berger, im Gespräch mit wallstreet:online erklärt.

„Ein Antikörper-Cocktail sorgt für eine passive Immunität gegen das Virus. Die Antikörper werden dabei nicht vom Körper selbst gebildet, sondern von außen verabreicht“, so Hosseini. „Das Gute daran ist, dass so ein Cocktail sofort wirkt, selbst wenn man schon infiziert ist. Allerdings ist dieser Schutz nicht von Dauer. Man müsste den Patienten regelmäßig neue Antikörper spritzen. Das ist sehr teuer. Bei manchen Krebstherapien kosten solche Antikörper-Behandlungen mehrere Zehntausend Euro.“

Diese Kosten zu drücken, wie das deutsche Biotech-Unternehmen es mit prominenter Unterstützung nun vorhat, könnte die Behandlung für bestimmte Zielgruppen möglich machen. „Selbstverständlich können Unternehmen durch Innovationen Fortschritte erzielen, die eine Behandlung effizienter und kostengünstiger machen“, sagt Hosseini.

„Eine flächendeckende Behandlung mit Antikörper-Cocktails wäre für das Gesundheitssystem – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – wohl nicht zu verkraften“, glaubt der Experte. „In einer Ausnahmesituation wie der Corona-Pandemie könnte man aber überlegen, ob der wirtschaftliche Schaden die Kosten für eine solche Behandlung übersteigt.“

Ein Ersatz für einen wirkungsvollen Impfstoff bietet eine Antikörper-Therapie übrigens nicht. Nur eine Impfung sorgt für eine dauerhafte Immunität. „Bei der Behandlung mit einem Impfstoff wird dem Körper mithilfe eines ähnlichen aber ungefährlichen Erregers eine Infektion vorgetäuscht. Der Körper erzeugt in dem Fall selbst eine Immunität und ist gewappnet, wenn er mit dem ‘echten‘ Virus in Kontakt kommt.“

Die Evotec-Aktie ließ die Gates-Ankündigung bislang eher kalt. Die Analysten der Baader Bank schrieben in einem Report, die Kooperation sei noch in einem frühen Stadium und ändere vorerst nichts an der Bewertung des Unternehmens. Trotzdem sei die Partnerschaft strategisch ein positives Zeichen für die Hamburger.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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