US-WAHL Trump spielt im Wahlkampf Corona-Gefahr herunter

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
25.10.2020, 15:17  |  166   |   |   

WASHINGTON (dpa-AFX) - Am vorletzten Wochenende vor der US-Präsidentenwahl verschärfen Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden ihren Kampf um Stimmen in Schlüsselregionen. Der in Umfragen zurückliegende Trump hielt am Samstag gleich drei Wahlkampfreden in North Carolina, Ohio und Wisconsin. Biden trat zweimal in Pennsylvania auf. Diese Bundesstaaten könnten den Ausgang der Wahl am 3. November entscheiden. Unterdessen wurde der Stabschef von Vizepräsident Mike Pence positiv auf das Coronavirus getestet. Pence will trotzdem mit seinen Wahlkampfauftritten weitermachen.

Auch insgesamt wird der Schlussspurt des US-Wahlkampfs von einem steilen Anstieg der Corona-Fälle begleitet. Mit mehr als 83 000 Neuinfektionen an einem Tag wurde ein Rekord aufgestellt. Mehr als 900 Amerikaner starben, die Gesamtzahl der Todesopfer überschritt die Marke von 224 000. Trump, dem viele Wähler in Umfragen nicht zutrauen, die Corona-Krise zu meistern, spielte die Pandemie auch im Angesicht der schlechten Zahlen konsequent herunter.

"Ich hatte es, hier bin ich", verkündete Trump in Anspielung auf seine Covid-19-Erkrankung bei einem der Wahlkampfauftritte. "Und jetzt sagen sie, dass ich immun bin." Trump war unter anderem mit einem noch experimentellen Antikörper-Medikament behandelt worden, das er als "Heilmittel" bezeichnete. Bei jedem der Auftritte erzählte er zudem, dass sein 14-jähriger Sohn Barron schon kurz nach dem positiven Test von den Ärzten wieder für gesund erklärt worden sei. Trump gab bei den drei Reden drei Varianten zum Besten, wie schnell das ging: Nach 15 Sekunden, nach 15 Minuten und am nächsten Tag.

Den Anstieg der Corona-Infektionen im Land führte Trump darauf zurück, dass mehr als früher getestet werde. "Wenn wir halb so viel testen würden, wäre die Zahl halb so hoch." Überhaupt werde in den Medien ständig über das Virus geredet. "Macht man den Fernseher an: "Covid, Covid, Covid, Covid, Covid"", beschwerte sich der Präsident.

"Ein Flugzeug stürzt ab, 500 Leute sind tot, sie reden nicht darüber. "Covid, Covid, Covid, Covid."" Nach der Präsidentenwahl werde man davon nichts mehr hören, weil die Medien den Leuten nur jetzt Angst machen wollten, behauptete Trump. Bei seinen Auftritten standen dicht gedrängt tausende Anhänger, viele von ihnen trugen keine Masken.

Biden warf Trump erneut Versagen in der Corona-Krise vor, das Leben von Amerikanern gekostet habe. Er rief die Menschen dazu auf, Masken zu tragen. "Es wird ein düsterer Winter, wenn wir nicht unser Verhalten ändern", betonte er. "Und das alles, weil der Präsident sich mehr um den Aktienmarkt als um Euch Sorgen macht", sagte Biden an die Adresse der Wähler. Anders als Trump sprach Biden vor Leuten, die wie in einem Autokino mit ihren Fahrzeugen zu den Wahlkampfevents kamen. Ihre Zustimmung drückten sie mit einem Hupkonzert aus. Bei einem der Auftritte gab Rockstar Jon Bon Jovi ein Mini-Konzert. Ein neuer Werbespot für Biden, der am Samstag Premiere hatte, wurde von Hollywood-Schauspieler Brad Pitt eingesprochen.

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