ROUNDUP SAP kappt Ziele wegen Corona und Schwenk zur Cloud - Aktie stürzt ab

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
26.10.2020, 09:34  |  1053   |   |   

WALLDORF (dpa-AFX) - Die Covid-19-Pandemie setzt Europas größtem Softwarehersteller SAP stärker zu als bisher gedacht. Weil die Nachfrage wegen neuer Beschränkungen zuletzt verhaltener ausfiel als erwartet, geht das Management um Vorstandschef Christian Klein nun von weniger Umsatz in diesem Jahr aus, auch der operative Gewinn dürfte nicht mehr so hoch ausfallen wie zuletzt geplant. Klein legte zudem faktisch die ambitionierten Mittelfristziele für die Profitabilität 2023 ad acta, weil er den Konzern noch schneller auf den Bereich Cloudsoftware ausrichten will. Die Aktie stürzte ab.

In den ersten Handelsminuten verlor das Papier des wertvollsten deutschen Konzerns bis zu knapp 21 Prozent auf 98,88 Euro. Der Kurs rutschte damit erstmals seit Anfang April unter die Marke von 100 Euro. Durch den Kurssturz gingen 32 Milliarden Euro Marktwert flöten. Für Börsianer war das Paket aus schwachen Zahlen zum dritten Quartal und zurechtgestutzten Prognosen "eine böse Überraschung", wie ein Händler formulierte. Das Paradies sei aufgeschoben worden, schrieb UBS-Analyst Michael Briest in einer ersten Reaktion. Geduld sei jetzt gefragt.

JPMorgan-Expertin Stacy Pollard strich ihre Kaufempfehlung und senkte das Kursziel von 160 auf 120 Euro. Auch wenn sie wegen der Corona-Pandemie mit Verschiebungen bei den mittelfristigen Ergebniszielen gerechnet habe, seien die neuen Ambitionen doch um einiges schwächer als von ihr gedacht. SAP rechnet bis Mitte kommenden Jahres mit Belastungen durch Corona, was auch die für 2023 gesetzten Mittelfristziele um ein bis zwei Jahre nach hinten verschiebt. Wegen des noch schnelleren Umstiegs auf Cloudsoftware müssen sich Anleger nun darauf einstellen, dass SAP bis dahin auch kaum Fortschritte bei der Profitabilität machen wird.

Kleins Vorgänger an der Konzernspitze, Ex-Chef Bill McDermott, hatte nach Jahren des Margenschwunds versprochen, dass SAP nun endlich die Früchte ernten werde und die bereinigte operative Marge (bereinigtes Ebit) 2023 rund fünf Prozentpunkte über derjenigen von 2018 (29 Prozent) liegen sollte. Daraus wird nun nichts, SAP stellte den Finanzmarkt darauf ein, dass das starke Wachstum der Cloudangebote 2023 wohl vier bis fünf Prozentpunkte bei der operativen Marge kosten wird - womit der bisher angepeilte Anstieg nahezu komplett aufgezehrt werden dürfte.

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