Gold: Worauf es jetzt ankommt

Gastautor: Dirk Heß
29.10.2020, 10:47  |  2736   |   |   

Dem gelben Edelmetall ist nach der Rekordrallye die Kraft ausgegangen. Die jüngste Korrektur ist aber kein Beinbruch. Gleichwohl könnte der Goldpreis in den kommenden Monaten weiterhin zur Volatilität neigen.

Es sind beeindruckende Zahlen, die der Goldindustrieverband World Gold Council unlängst veröffentlicht hat. Demnach hat sich der Goldbestand in physisch hinterlegten Gold-ETFs in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um mehr als 1.000 Tonnen auf 3.880 Tonnen erhöht. Das sind beides phänomenale Höchstwerte. Selbst zur Zeit der Finanzmarktkrise mit der anschließenden globalen Rezession im Jahr 2009 war der Nettomittelzufluss mit 664 Tonnen bei weitem nicht so hoch. Es steht außer Frage, dass die immense Nachfrage der Investoren die treibende Kraft war, die den Goldpreis in diesem Jahr zunächst über seinen alten Bestwert bei 1.940 US-Dollar und dann sogar jenseits der magische Marke von 2.000 US-Dollar katapultiert hat.

 

Schwacher September

Wer erwartet hatte, dass es mit dem Goldpreis in diesem Tempo weiter nach oben geht, wurde enttäuscht. Mittlerweile steht die Feinunze wieder bei etwa 1.900 US-Dollar und damit um knapp sieben Prozent unter ihrem Allzeithoch. Wie das World Gold Council ermittelt hat, zeigte Gold im zurückliegenden September die schlechteste Performance seit November 2016. Bemerkenswert ist das deshalb, weil die Nachfrage der Investoren im gleichen Monat mit einem ETF-Nettomittelzufluss von 68 Tonnen ungebrochen war. Dass die ETF-Investoren dem Edelmetall weiterhin die Treue halten, ist auf das brisante monetäre Umfeld zurückzuführen. So sind in den USA zuletzt sowohl die Inflationsrate (plus 1,4 Prozent im September) als auch die von der Universität Michigan berechneten Inflationserwartungen für die kommenden zwölf Monate (plus 3,1 Prozent im August) gestiegen. Gleichzeitig sind die Nominalzinsen für 10-jährige US-Staatsanleihen in den vergangenen zwölf Monaten um fast 100 Basispunkt auf 0,63 Prozent gefallen.

 

Für Anleger sind fallende Nominalzinsen bei steigenden Inflationserwartungen eine furchteinflößende Mischung. Die Angst vor Geldentwertung, die durch rasant steigende Staatsverschuldung sowie die Aussicht auf dauerhaft niedrige Zinsen zusätzlich gefüttert wird, treibt die Flucht in Sachwerte voran. Dazu gehören Immobilien, Aktien und natürlich auch Edelmetalle wie Gold. Einige Kommentatoren sehen bereits eine Asset Price Inflation, also einer Vermögenspreisinflation, die im ungünstigsten Fall zu einer Spekulationsblase führen kann. Was zudem auffällt, ist der seit geraumer Zeit beobachtbare Gleichschritt von Aktien und Goldpreis. In der Vergangenheit ging die Korrelation dieser beiden Anlageklassen gegen null, was eine unabhängige Entwicklung anzeigt. Das hat sich geändert: Steigen Aktien, legt auch Gold in der Tendenz zu und umgekehrt. Wie lange dieses Phänomen noch anhält, ist schwer abzusehen. Wünschenswert ist es jedoch nicht, da der Diversifikationsnutzen von Gold erheblich unter der starken Korrelation leidet.

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