HINTERGRUND Der Dax wird reformiert - Gebotener Schritt oder Placebo-Maßnahme?

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
03.11.2020, 10:34  |  805   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat nach 30 Jahren eine Frischzellenkur nötig. Als der deutsche Leitindex Ende der 80er Jahre das Licht der Welt erblickte, bildeten seine 30 Werte die deutsche Wirtschaft recht klar ab. Doch inzwischen wirkt der Dax recht altbacken. Zu viele klassische Branchen ("Old Economy") wie Autos, Banken oder Versicherungen und zu wenig "New Economy" wie etwa die Informationstechnologie. Zudem gab es zuletzt viel Wirbel um das Skandal-Unternehmen Wirecard, das erst nach seiner Insolvenz aus dem deutlichen Leitindex geflogen ist. Nun sollen neue Anforderungen für mehr Qualität und Breite sorgen, doch auch daran entzündet sich Kritik von Vermögensverwaltern und Marktexperten.

1987 hatten sich die Dax-Erfinder auf die Zahl von 30 Mitgliedern geeinigt. So viele hatten auch der Index der "Börsen-Zeitung" als Vorläufer des Dax und das wohl bekannteste Börsenbarometer der Welt, der Dow Jones Industrial Average . "Der Dow ist eine Art Urmeter, an dem andere Indizes geeicht werden", erinnerte sich einer der "Väter" des Dax, der Redakteur Frank Mella.

In den folgenden drei Jahrzehnte hatte der Dax einen großen Anteil daran, den aktienmuffeligen Deutschen die Kapitalanlage wenigstens etwas schmackhaft zu machen, und Fondsmanager haben sich gern an dem Index messen lassen.

Aber auch Rückschläge gab es. Gestandene Aktionäre erinnern sich an die Ausgabe der "Volksaktie" Deutsche Telekom , die unmittelbar nach ihrem Börsengang im November 1996 in den Dax stürmte und Anfang der 2000er-Jahre auch wegen vieler Managementfehler abstürzte. In jüngster Zeit schockten unter anderem der Diesel-Skandal aber vor allem die spektakuläre Pleite von Wirecard die Aktionäre.

Auch um eine erneute Image-Katastrophe wie Wirecard zu verhindern, hatte die Deutsche Börse bereits im Sommer die Regeln angepasst. Nun plant sie noch tiefgreifendere Veränderungen, denn auch anderweitig gibt es Kritik. So monieren viele Experten, dass mit dem Essenslieferdienst Delivery Hero ein chronisch verlustträchtiges Unternehmen in die erste deutsche Börsenliga aufsteigen konnte.

Geht es nach dem Willen des Indexanbieters sollen Dax-Kandidaten künftig im operativen Geschäft über mindestens zwei Jahre hinweg schwarze Zahlen geschrieben haben. Um die deutsche Wirtschaft breiter abzubilden, soll zudem die Zahl der Dax-Unternehmen von 30 auf 40 steigen. Von den klassischen Auswahlkriterien würde dem Vorschlag einer Expertenkommission zufolge zum Beispiel nur der Börsenwert (der frei handelbaren Aktien) übrig bleiben, der Börsenumsatz hingegen würde wegen seiner begrenzten Aussagekraft keine Rolle mehr spielen.

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