Gründer Abul-Ella im Interview HPS will Vorteil im Markt nutzen: „Wir bringen grünen Solarwasserstoff in den Haushalt“

Gastautor: IR-News
04.11.2020, 08:34  |  744   |   |   

Das Berliner Unternehmen HPS Home Power Solutions hat mit picea ein integriertes Energiesystem entwickelt.

Diese saisonale Speicherung mit Wasserstoff erlaubt ganzjährig eine CO2-freie, netzunabhängige Stromversorgung für Ein- und Zweifamilienhäuser. Die erste Generation der picea-Systeme hat sich bundesweit im Dauerbetrieb bewährt. Nun werden die Kapazitäten für die Serienfertigung hochgefahren. Das Marktpotenzial ist enorm. Zur Wachstumsfinanzierung begibt das Unternehmen nun ein attraktiv verzinstes Nachrangdarlehen über das Crowdfunding-Portal GLS Crowd. Wir sprachen mit Zeyad Abul-Ella, einem der Geschäftsführer und Gründer von HPS.

wallstreet:online: Herr Abul-Ella, seit rund sechs Jahren arbeiten Sie und Ihre Kollegen an der Umsetzung eines autarken Energiesystems für Wohnhäuser auf Wasserstoff-Basis. Was steckt dahinter?

Zeyad Abul-Ella: Wir wollten ein System entwickeln, das es erlaubt, den Strom, den wir im Eigenheim benötigen, ausschließlich auf Basis erneuerbarer Ressourcen zu erzeugen und über das gesamte Jahr hinweg nutzbar zu machen. Die Energiequelle, die sich hierfür ideal eignet, ist die Sonne. Um die Sonnenenergie nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht, und im Besonderen nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter verfügbar zu machen, benötigt man eine geeignete Speichermöglichkeit.

Dank seiner außergewöhnlichen Eigenschaften haben wir uns hierbei für den Wasserstoff entschieden. In unserem System, picea, geht der Wasserstoff eine hervorragende Symbiose mit der Solarenergie ein. Garantiert CO2-frei. Wir bringen grünen Solarwasserstoff in den Haushalt und machen diese Technologie für jedes Einfamilienhaus nutzbar, um die Energiewende individuell zu vollziehen.

wallstreet:online: Wofür steht der Name picea?

Zeyad Abul-Ella: picea ist Lateinisch und bedeutet Fichte. Mit dem Einsatz des picea-Systems sparen Sie pro Jahr etwa 3 Tonnen CO2-Emissionen ein, die durch eine herkömmliche Versorgung mit Strom und Wärme freigesetzt würden. Das entspricht einer Menge an Kohlendioxid, die in rund 130 Fichten pro Jahr binden.

wallstreet:online: Regenerative Energiesysteme in Kombination mit Energiespeichern gibt es ja auch von anderen Marktteilnehmern. Inwiefern unterscheidet sich das picea-System von ihnen?

Zeyad Abul-Ella: Wir haben das erste System im Markt, das vollständig CO2-frei, vollständige Energieautarkie garantiert. Wir wollten von Grund auf ein integratives System entwickeln, das auf rein regenerativer Basis emissionsfrei den gesamten Energiebedarf eines Haushalts über ein ganzes Jahr deckt und nicht nur die Stromversorgung über einen Tageszyklus im Sommer gewährleistet.

Hier kommt der Wasserstoff als saisonales Speichermedium zum Einsatz. picea hat eine rund 100mal höhere Speicherkapazität als marktübliche Batterien, und integriert in das Gesamtsystem ist die Speicherkapazität auch noch kostengünstiger. Dabei haben wir auch den Bedarf an Wärme und angenehmer Raumluft im Blick. So kann die Wärme, die beim Umwandlungsprozess von Solarstrom in Wasserstoff im Elektrolyseur oder bei der Rückführung von Wasserstoff in Strom in der Brennstoffzelle entsteht, zur Heizungs- und Warmwasserunterstützung genutzt werden.


BU: Die Grafik stellt das Funktionsprinzip von picea dar.

Der in der Brennstoffzelle entstehende Wasserdampf sorgt im Winter für eine behagliche Luftfeuchtigkeit im ansonsten trockenen Raumklima. Bei entsprechend gut isolierter Gebäudehülle kann das Gesamtsystem sogar so ausgelegt werden, dass unter Einsatz von Wärmepumpen neben dem Strom- auch der gesamte Wärmebedarf gedeckt und das Haus somit vollständig Strom- und Wärmeautark wird.

wallstreet:online: Was kostet so eine Anlage und wie lange ist die Amortisationszeit?

Zeyad Abul-Ella: Für ein Einfamilienhaus rechnen wir derzeit nach Abzug von KfW-Förderung und Steuervorteil mit einem Anlagenpreis von rund 60 Tausend Euro. Im Jahr 2000 lag der Strompreis in Deutschland bei 13,95 ct/kWh und heute im Mittel bei etwas über 30 ct/kWh – das entspricht einer jährlichen Steigerung von 4,2% pro Jahr und einer absoluten von 125%. Unter Berücksichtigung einer langjährig stetig steigenden Strompreisentwicklung von im Vergleich zur Vergangenheit konservativen 3%, liegt die Amortisationszeit bei rund 25 Jahren.

Diese Amortisation kann sich bei intensiver Nutzung des Systems im Haushalt zum Beispiel durch zusätzliche Elektromobilität verkürzen. Stetig arbeiten wir an unserer Skalierungskurve und laufenden Kostenreduktionen zum Beispiel in Einkauf und Fertigung. Mit der Zollner Elektronik AG haben wir bereits einen starken Partner für die anlaufende Serienproduktion und die zukünftige Kostenreduktion gewinnen können.

wallstreet:online: Warum meinen Sie, dass Hausbesitzer die herkömmliche Energieversorgung gegen ein picea-System eintauschen würden?

Zeyad Abul-Ella: Immer mehr Menschen sind sich bewusst, dass eine nachhaltige Energieversorgung wichtig und alternativlos ist, wenn wir den Klimawandel noch in den Griff bekommen wollen. Mit picea wird die Energieversorgung im Haus vollständig nachhaltig. Unsere Kunden wissen in jeder Minute, woher die eingesetzte Energie kommt. picea gibt einem nicht nur die Gewissheit und das Gefühl, etwas Gutes gegen den Klimawandel zu tun, es macht zudem unabhängig und kompromisslos erneuerbar.

Die Transparenz unseres Systems unterscheidet sich klar von herkömmlichen Energiesystemen. „Grünen Strom“ bieten verschiedene Anbieter, aber das heißt noch lange nicht, dass dieser auch CO2-frei generiert wurde. Ein Großteil im Energiemix basiert immer noch auf fossilen oder nuklearen Energieträgern.

wallstreet:online: Wie schätzen Sie das Marktpotenzial für Ihr picea-System ein?

Zeyad Abul-Ella: In ihrer aktuellen Hydrogen Roadmap misst die Europäische Kommission der Energieversorgung von Gebäuden einen großen Stellenwert bei. picea bietet potenziell Millionen von Hauseigentümerinnen und Hauseigentümern die Möglichkeit, ihre Energieversorgung selbst in die Hand zu nehmen und gleichzeitig einen Beitrag zur nachhaltigen Versorgungssicherheit zu leisten.

Dies ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Allein in Deutschland leben 36% der Bevölkerung in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Nimmt man weitere europäische Märkte hinzu, so gibt es nach unserer Schätzung ein Potenzial von bis zu 1,5 Millionen für innovative Speichersysteme im Segment privater Haushalte.

Und als First Mover haben wir einen klaren Vorteil im Markt.

wallstreet:online: Wie finanzieren Sie Ihr Unternehmenswachstum?

Zeyad Abul-Ella: Wir dürfen uns glücklich schätzen, einen starken Kern investierter Gesellschafter im Unternehmen zu haben. Insgesamt planen wir aktuell eine Finanzierungsrunde von bis zu 20 Millionen Euro. In einem ersten Schritt wurden bereits über 11 Mio. Euro aus dem bestehenden Gesellschafterkreis eingeworben. In einem weiteren Schritt, haben nun auch Privatanleger die Möglichkeit, sich über ein Crowdfunding auf der Plattform GLS Crowd an der Erfolgsgeschichte von HPS zu beteiligen. Mit dem frischen Kapital wollen wir den Unternehmensaufbau finanzieren sowie das Marketing und den Vertrieb von picea skalieren.

Herr Abul-Ella, wir bedanken uns für das interessante Gespräch.

 

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