Dr. Holger-Ludwig Riemer Im Gespräch zum Thema „Der richtige Umgang mit Insolvenzen in Zeiten von Corona“

Gastautor: Seyit Binbir
06.11.2020, 12:27  |  2336   |   |   

Der richtige Umgang mit Insolvenzen in Zeiten von Corona: Im Gespräch mit Dr. Holger-Ludwig Riemer

Der gebürtige Düsseldorfer Herr Dr. Holger-Ludwig Riemer ist Rechtsanwalt, Unternehmer und Autor und wurde 2008 zum Dr. rer. pol. promoviert. Als Inhaber und Vorsitzender der Audentic AG sowie der Wohnwert AG verfügt er über eine umfangreiche Expertise im juristischen Bereich wie auch im unternehmerischen Kontext. Wir haben ihn als Experten zum Thema „Der richtige Umgang mit Insolvenzen in Zeiten von Corona“ selbst befragt.

Das Insolvenzrecht wurde in Deutschland aufgrund der Covid-19 Pandemie gelockert. Wie schätzen Sie die Lockerungen allgemein im Hinblick auf Wirkungsweise und Erfolg ein?

Konkret ist durch das Covid-19-Insolvenzaussetzungs-Gesetz (COVInsAG) die strikte Anwendung der Regeln zur Insolvenzreife geändert worden. Geschäftsführer von durch die Auswirkungen der Pandemie insolvent gewordenen Unternehmen müssen für eine Übergangszeit – bislang zum 31.12.2020 - keinen Insolvenzantrag mehr stellen. Damit sollen die Unternehmen ausreichend Gelegenheit bekommen, sämtliche Sanierungs- und Refinanzierungsmöglichkeiten ausschöpfen und damit Arbeitsplätze retten zu können. Diese Lockerungen des Insolvenzrechts sind damit eine entscheidende Rettungsmaßnahme nach dem ersten Lockdown gewesen. Sie bildeten erst die Grundlage für die weitere Sanierung. Flankiert mit dem erleichterten Zugang zu öffentlichen Mitteln sowie dem Instrument des Kurzarbeitergeldes konnte so bislang ein großflächiger Einbruch der deutschen Wirtschaft wirksam verhindert werden. Die dann allerdings am 28.10.2020 ergänzend als Teil-Lockdown beschlossenen Schließungen und Kontaktbeschränkungen zur Verhinderung einer exponentiellen Verbreitung des Covid-19 Virus, haben die Situation noch einmal deutlich verschärft. Der endgültige wirtschaftliche Ruin bereits angeschlagener Branchen steht zu befürchten. Entscheidend ist jetzt der schnelle und unkomplizierte Zugang aller betroffenen Unternehmen zu deutlich mehr finanzieller Unterstützung. Hier muss der Staat jetzt tief in die Tasche greifen, um die Struktur von Wirtschaft und Gesellschaft zu erhalten. Meines Erachtens selbstverständlich ist aber auch, dass gerade die Gewinner der Krise, die großen Internetkonzerne (Amazon, Ebay, etc.), ebenfalls ihren Beitrag zur Aufbringung der staatlichen Hilfsgelder durch angemessene Steuerzahlungen in Deutschland leisten.

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3 Kommentare

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Kommentare

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09.11.20 10:50:21
Danke für den Mehrwert-Content in der aktuellen Lage. Mir war es nicht bewusst, dass das Insolvenzrecht an die Covid 19 Lage angepasst wurde.
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06.11.20 13:31:32
Ein sehr informatives Interview zu einem höchst aktuellen Thema. Ich finde es gut, dass die Unternehmen welche in Schieflage geraten nicht sofort Insolvenz anmelden müssen sondern die Frist bis Jahresende erhöht wurde. Es ist nun mal so, dass sich die wirtschaftliche Lage wegen der Corona-Pandemie noch nicht durchgreifend verbessert hat.
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06.11.20 12:45:03
Vielen Dank an Dr. Holger-Ludwig Riemer für das ausführliche Experteninterview. Die "Pleitewelle" ist ein großes Thema in der Unternehmensbranche. Das betrifft nun auch vermehrt wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen, somit erhöhen sich die Forderungen der Gläubiger auf zweistellige Mrd.-Beträge. Wir bleiben dran und beobachten die Entwicklungen in der Zukunft.

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