Alchymia

Gastautor: Bernd Niquet
07.11.2020, 08:15  |  1060   |   |   

Ist es eigentlich möglich, an diesem Wochenende eine Kolumne zu schreiben, die nicht von Donald Trump handelt? Wohl kaum.

Zwei Punkte habe ich, die ich woanders so noch nicht gehört habe und die mich beschäftigen.

 

(1) Kann man es überhaupt als legitim bezeichnen, in einem Land ohne Meldesystem Briefwahlen durchzuführen? Es gibt ja dokumentierte Fälle, in denen Leute mehrere Stimmen hätten abgeben können, weil an ihre Adresse auch Wahlunterlagen für Menschen geschickt wurden, die schon längst verzogen sind.

 

Es scheint also ein ganz schönes Chaos bei den Wahlunterlagen in den USA zu geben. Dass man daraus jedoch systematischen Wahlbetrug ableiten kann, halte ich für sehr zweifelhaft. Dennoch: Dass die deutschen Medien darüber nicht ein Wort berichten, halte ich für einen Skandal.

 

Ich rege mich jedoch nicht mehr auf, schließlich ist das ja eigentlich immer so. Immer, wenn es hart wird und der Bürger etwas selbst nicht nachvollziehen kann, bringen Fernsehen und Presse nahezu ausschließlich Klatsch, Tratsch und Gefühle. Wer was wann zu wem und warum gesagt hat. Doch diffizile Fakten? Fehlanzeige.

 

(2) Überall wird derzeit von der Zerrissenheit der USA berichtet, und ich habe den Eindruck, dass hierbei zumindest bei uns eigentlich stets Trump als der Schuldige gesehen wird, wohingegen man Biden als den Mann der Vereinigung bezeichnet.

 

Ich halte das jedoch beides gleichermaßen für grotesken Quatsch. Ich denke, ja, die USA sind total gespalten, genauso wie Europa auch gespalten ist. Doch das liegt nicht an einzelnen Männern (oder Frauen), das liegt an der Ungleichverteilung von Chancen, Einkommen und Vermögen in unserem freiheitlichen Wirtschaftssystem.

 

Und ich finde es ein Riesending und einen unschätzbaren Vorteil, dass wir innerhalb der Demokratie diese Differenzen austragen können. Für mich ist es daher kein Manko, dass wir derzeit eine Zerrissenheit wahrnehmen und uns darüber auseinandersetzen, ich halte das vielmehr für einen unschätzbaren Vorteil.

 

Wem würde es denn helfen, wenn wir jetzt über die Konflikte eine dicke Soße gießen und sie zukleistern? Jetzt ist die Zeit, die Konflikte auszutragen. Also los! Weiter so!

 

Eigentlich wollte ich heute ja über etwas ganz anderes als die US-Wahl schreiben, erstaunlicherweise merke ich jedoch, dass das anscheinend genau das gleiche Thema ist.

 

Ich wollte nämlich über Essen und Lebensmittel berichten und picke mir davon jetzt den Teil heraus, der zum anderen Thema passt.

 

Bei Aldi gibt es einen wundervollen Rotwein, der genauso wie eine Wahl Trumps in den USA einfach zu gut schmeckt, um wahr zu sein. Er kommt aus Bella Italia, aus dem Süden, aus Apulien und trägt den bezeichnenden Namen Alchymia, was Alchemie bedeutet und auf dem Rücketikett sogar so erklärt wird. Also nomen est omen, ein Wein, der wie Gold schmeckt, aber nicht Gold ist, denn er kostet tatsächlich nur 7,75 Euro die Flasche. Doch lange habe ich nicht einen so wundervollen Wein getrunken.

 

Wie kommt es nun dazu? Wie kann ein Wein aus dem Jahr 2018 bereits im Jahr 2020 ein Aroma haben wie ansonsten nur alte und reife Weine? Ist das Wahlbetrug wie in den USA?

 

Die Antwort liegt darin, dass heute nur noch naive Zeitgenossen daran glauben, dass Wein noch ein Naturprodukt ist. Für viele Weine gilt das sicherlich auch heute noch, doch sie sind eben weit teuer und elitärer.

 

Mittlerweile ist vielmehr eine ganz neue Generation von Weinproduzenten unterwegs, die die Tatsache nutzt, dass in der Weinproduktion heute ganz legal und ohne Kennzeichnungspflicht bis zu sechzig (!) Zusatzstoffe eingesetzt werden dürfen. Damit schafft man es, für Pennybeträge das hervorzuzaubern, wozu es früher großer Lagen und genialer Winzer bedurft hat.

 

Es ist also alles Schwindel, aber ein legaler Schwindel. Genauso wie der ganze Kapitalismus ein Schwindel ist, was ja schon unser aller André Kostolany immer vertreten hat. Und wie wohl auch jede demokratische Wahl ein legaler Schwindel ist. Weil die Kandidaten ja eh das nicht halten, was sie vorher versprochen haben.

 

Außer Trump. Das ist das Neue und Besondere. Darauf ein Glas Alchemie! Prosit!

 

 

berndniquet@t-online.de

 

 

P.S.: Und was hätte wohl der römische Kaiser Cäsar über die heutige Situation und über Trump gesagt? Ich würde mal vermuten so etwas hier: „Schleuder den Purchen zu Poden!“

 

 

 

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8 Kommentare

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Kommentare

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09.11.20 09:24:25
Ja, das ist natürlich alles nicht falsch. Aber damit auch nicht richtig. Nirgendwo gibt es heute einen reinen Kapitalismus, gut so, dennoch ist das noch Kapitalismus, was wir haben. Und die Notenbank war nur eines von vielen Beispielen. "Schwindel" ist hier auf nur eine Denkstruktur, die keineswegs Betrug bedeuten soll, sondern das Vorspiegeln von Tatsachen, über die der Empfänger keine genaue Kenntnis besitzen kann.
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09.11.20 00:18:16
Das undemokratische System in China wird kollabieren,
lieber früher als später.
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08.11.20 19:15:08
Wenn die Notenbank dazu missbraucht wird Politik zu machen, dann ist das aus meiner Sicht kein Argument gegen den Kapitalismus (es braucht also eigentlich mehr Markt anstatt weniger). Was das alles bringt sieht man ja in Italien, Frankreich etc.. Ich denke das Beispiel China zeigt es ganz deutlich: Man braucht den Kapitalismus, um Wohlstand zu erzeugen, aber nicht unbedingt eine bestimmte politische Ordnung.
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08.11.20 12:55:54
Oder so "Schadstoffe" wie der berüchtigte Horror-Feinstaub,
der den Passanten an der Straße in 10 Minuten schier killt,
jedoch in der Wohnung oder am Arbeitsplatz mit der vielfachen Dosis
zugegebenermaßen gar nicht gefährlich ist?
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08.11.20 12:51:25
"Schadstoffe"?
So wie ein paar Moleküle des ach so schädlichen Glyphosats in Bier,
das aus immerhin 5% Alkohol besteht, was ja wohl genau betrachtet deutlich schädlicher ist.

Disclaimer

Alchymia Ein Glas Rotwein auf Donald Trump