ROUNDUP/Maut und viel Fördergeld Wie Lkw klimafreundlich werden sollen - Seite 2

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
11.11.2020, 17:32  |  162   |   |   

Für Oberleitungs-Lkw, die mit Strom fahren und an mehreren Orten schon getestet werden, sollen weitere "Test- und Pilotstrecken" aufgebaut werden, "insbesondere auf regional besonders stark genutzten Pendelstrecken", wie es im Konzept heißt. Die nächsten Stufen sollen dann die langfristige Nutzung der Pendelstrecken, der Aufbau eines Kernnetzes und die Anbindung ans Ausland sein.

Vor dem Spitzentreffen hatte Scheuer auch seine Forderung nach einer Abwrackprämie für ältere Lastwagen erneuert - obwohl die in neue Verbrenner fließen würde. Solange es keine massentauglichen großen Lkw mit Batterie oder Brennstoffzellenantrieb gebe, brauche man eine Brücke. "Weil wir auch beim Verbrenner neueste Technologie haben, die absolut eine Verbesserung bedeutet", sagte er dem Sender Bayern 2.

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Der Präsident des Umweltbundesamts, Dirk Messner, lehnt Scheuers Ansinnen rundheraus ab: "Die derzeitig diskutierte Lkw-Prämie kann kurzfristig kaum zum Klimaschutz beitragen", sagte er. Mittelfristig verhindere sie sogar den Umstieg auf emissionsfreie Lkw-Antriebe, denn wer sich jetzt mit staatlicher Förderung einen Diesel-Lkw kaufe, werde in wenigen Jahren kaum einen Elektro-Lkw kaufen. Zudem würden relativ wenig Treibhausgase eingespart, selbst wenn theoretisch alle älteren Lkw gegen neuere eingetauscht würden.

Die Hersteller stehen wegen neuer EU-Vorgaben unter Druck. Rund 70 Prozent aller Gütertransporte entfielen auf Lkw, sagte Hildegard Müller, die Präsidentin des Autoindustrieverbands VDA. Fast jeder vierte Arbeitsplatz in der Branche hänge am Sektor Nutzfahrzeuge.

Die Hersteller investieren schon viel, um neue Technologien voranzubringen. Wie bei den Autos soll auch bei Daimlers Truck-Sparte die komplette Neufahrzeugflotte spätestens 2039 CO2-neutral sein. Der Konzern plant eine zweigleisige Strategie für die kommenden Jahre: Batterie für kürzere Strecken mit leichter Ladung, Brennstoffzelle für schwere Langstrecken-Lkw. Von der Oberleitungstechnik hingegen halten die Stuttgarter nicht viel.

Daimlers Truck-Chef Martin Daum sagte der dpa, der Aufbau einer Lade-Infrastruktur für Batterie und Brennstoffzelle sei eine derart gewaltige Aufgabe, dass sie die Politik unterstützen sollte. "Wir sollten uns als Volkswirtschaft deshalb nicht auch noch zusätzliche Technologien wie LNG/Erdgas und Oberleitung leisten, denn das sind teure Sackgassen." Dagegen forderte Dirk Engelhardt vom Logistik-Bundesverband BGL ein "klares Statement" für das Flüssiggas LNG, weil schon viel investiert worden sei.

Auch beim zweiten großen deutschen Lkw- und Busanbieter geht es unruhig zu: der Traton -Holding, die im VW -Konzern MAN , Scania und das Südamerika-Geschäft Volkswagen Caminhoes e Onibus bündelt. Im September hatte MAN angekündigt, 9500 Stellen in Deutschland und Österreich zu streichen. Beim schwedischen Ableger Scania läuft ein Abbau von 5000 Arbeitsplätzen./ted/DP/fba


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