Zwischenzeugnis für Arbeitnehmer: Formulierungen kennen und rechtliche Grundsätze beachten

Zwischenzeugnis für Arbeitnehmer: Formulierungen kennen und rechtliche Grundsätze beachten

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Gastautor: Martin Brosy
12.11.2020, 15:02  |  210   |   

Arbeitnehmer, die ihren Job wechseln wollen und ein Zwischenzeugnis beantragen, stehen beim Arbeitgeber schnell unter einem negativen Verdacht. Um Fallstricke zu vermeiden, lohnt es sich über Grundsätze zu informieren.

Wer Anspruch auf ein Zwischenzeugnis hat – und wer nicht

Arbeitnehmer haben aus rechtlicher Sicht während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses keinen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Im Zweifelsfall benötigt ein Angestellter einen triftigen Grund, der ein solches Zwischenzeugnis zwingend erforderlich macht. Dies ist laut Rechtsurteil vom Bundesarbeitsgericht dann der Fall, sobald der Arbeitnehmer das Arbeitszeugnis zur Vorlage bei Ämtern, Institutionen oder einem möglichen neuen Arbeitgeber benötigt.

Für Arbeitnehmer gibt es generell Situationen, in denen es sinnvoll erscheint, ein Zwischenzeugnis zu beantragen. Dies ist etwa bei der Fusion zweier Unternehmen oder bei einer Neugründung der Fall.   Auch ein innerbetrieblicher Wechsel rechtfertigt die Anfrage nach einem Zwischenzeugnis. Wer länger in Elternzeit geht, sollte ebenfalls erwägen, den Arbeitgeber um ein Zwischenzeugnis zu bitten. Rechtlich gesehen können auch der Wechsel eines Vorgesetzten und eine Betriebsvereinbarung den Anspruch auf ein Arbeitszeugnis begründen.

Zwischenzeugnis richtig beantragen

Viele Arbeitnehmer versäumen die Gelegenheit, ein Zwischenzeugnis als Beurteilung beim Arbeitgeber zu beantragen. Oftmals steckt dahinter die Befürchtung, dass die Bitte das Verhältnis zum Vorgesetzten verschlechtern könne. Dabei dient das Dokument nicht zuletzt der eigenen Absicherung und der Option auf einen Plan B

Wer klug und umsichtig das Gespräch sucht, hat infolge einer solchen Anfrage nicht unbedingt Nachteile zu befürchten. Vielmehr machen Arbeitnehmer vieles richtig, indem sie den leichten Beigeschmack einer solchen Anfrage abmildern. Dies gelingt, indem Loyalität signalisiert und hervorgehoben wird, dass es sich bei dem Zwischenzeugnis lediglich um einen momentane Bilanz handelt. Idealerweise passen Arbeitnehmer dafür einen günstigen Zeitpunkt mit einem unverfänglichen Anlass wie etwa einen innerbetrieblichen Wechsel oder einer längeren Arbeitszeitunterbrechung ab.

Eine mündliche Bitte beim Vorgesetzten oder bei der Personalabteilung ist in aller Regel ausreichend. Auf der sicheren Seite sind Arbeitnehmer allerdings erst dann, wenn sie das Zwischenzeugnis schriftlich erbitten. Wer die schriftliche Bitte ohne rechtliche Beihilfe formuliert, sollte jedoch die richtigen Worte wählen. Es ist beispielsweise nicht ratsam, den möglichen Wechsel in ein anderes Unternehmen zu erwähnen. Im Zweifelsfall bietet es sich eher an, auf die konkrete Nennung eines Grundes zu verzichten.

Formulierungen im Zwischenzeugnis – was Arbeitnehmer wissen sollten

Aus rechtlicher Sicht ist es dem Arbeitgeber untersagt, negative Formulierung über den Arbeitnehmer zu verfassen. Daher strotzen viele Arbeitszeugnisse nur so vor positiven Formulieren, die aber in Wirklichkeit negativ konnotiert sind. Arbeitgeber tun also gut daran, die versteckten sprachlichen Formulierungen in Arbeitszeugnissen zu kennen und richtig einzuschätzen. So attestiert die Formulierung „hat sich bemüht“ im übertragenen Sinne lediglich ein „ungenügend“. Auch der Satzteil „zur vollen Zufriedenheit“ ist lediglich mit einer Gesamtnote 3 vergleichbar. Den Schulnoten 1 und 2 entsprechen die Formulierungen „zur vollen/vollsten Zufriedenheit“.

Auch auf die persönlichen Eigenschaften sollten Arbeitnehmer im Arbeitszeugnis achten. Wer vom Arbeitgeber scheinbar als „beliebter, geselliger Kollege“ gelobt wird, dem wird schwatzhaftes Verhalten bescheinigt. Auch ein bei Kunden beliebter Arbeitnehmer agiert nicht unbedingt erfolgreich, sondern hat in Wahrheit wenig bis keine Durchsetzungskraft. Ebenso versteckt sich hinter der Formulierung „allen Belastungen gewachsen“ die versteckte Botschaft, derjenige sei schnell aus der Fassung zu bringen.

Auf Inhalte im Zwischenzeugnis achten

Nicht nur die Formulierungen, sondern auch die Inhalte sind in einem Zwischenzeugnis von Bedeutung. Generell sind die Inhalte eines Zwischenzeugnisses in weiten Teilen mit denen eines Arbeitszeugnisses identisch. Ein gut ausgearbeitetes Zwischenzeugnis trifft Aussagen darüber, welche Aufgaben der Arbeitnehmer in dieser Zeit ausführte. Generell sollten Arbeitnehmer bei einem Zwischenzeugnis immer auf eine qualifizierte Beurteilung bestehen. Im Unterschied zum einfachen Arbeitszeugnis führt ein qualifiziertes Dokument zusätzlich die Soft Skills auf. 

Was Arbeitnehmer bei einem unbefriedigenden Zwischenzeugnis tun können

Wer mit dem Inhalt des Zeugnisses nicht zufrieden ist, sollte den Arbeitgeber möglichst zeitnah in einem Gespräch darauf ansprechen. Lässt sich hierbei keine zufriedenstellende Lösung finden, könnte ein Arbeitnehmer im Extremfall einen außergerichtlichen Berichtigungsanspruch erwirken. Dieser Schritt sollte allerdings gut überlegt erfolgen, da er im Zweifelsfall das Ende eines Arbeitsverhältnisses nach sich zieht. Wichtig zu wissen ist außerdem der Umstand, dass im Falle einer Kündigung vonseiten des Arbeitgebers das Endzeugnis nicht gravierend von der vorherigen Leistungsbewertung abweichen darf.

Alternativen zum Zwischenzeugnis

Sollte der Arbeitgeber der Bitte nach einem Zwischenzeugnis nicht nachkommen, können Angestellte durchaus Alternativen finden. Dazu gehört eine ausführliche Tätigkeitsbeschreibung, welche die Aufgabenbereiche detailliert ausformuliert. Auch Referenzen oder Empfehlungsschreiben bieten sich bei Bewerbungen anstelle eines Zwischenzeugnisses an. Für Führungskräfte eignen sich positive Mitarbeiterbeurteilungen ebenso gut wie ein Zwischenzeugnis.



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Disclaimer

Zwischenzeugnis für Arbeitnehmer: Formulierungen kennen und rechtliche Grundsätze beachten Arbeitnehmer, die ihren Job wechseln wollen, stehen oft vor dem Problem, kein aktuelles Arbeitszeugnis vorweisen zu können.