THYSSENKRUPP IM FOKUS Stahlkonzern in Not

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
16.11.2020, 08:35  |  1991   |   |   

ESSEN (dpa-AFX) - Dem Traditionskonzern Thyssenkrupp steht das Wasser bis zum Hals. Die Corona-Pandemie hat die seit Jahren andauernde Krise noch einmal wesentlich verschärft. Die Stahlsparte wird dabei in der gegenwärtigen Lage immer mehr zum Mühlstein für die Essener. Wird das Geschäft verkauft oder steigt doch der Staat ein? Die Lage bei Thyssenkrupp, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DIE LAGE BEI THYSSENKRUPP:

Die Corona-Pandemie trifft die Essener zur Unzeit. Denn eigentlich hatte sich Konzernchefin Martina Merz vorgenommen, den schlingernden Konzern radikal umzubauen und so wieder auf Kurs zu bringen. Die Konzentration soll künftig weitgehend auf dem Werkstoffhandel und den Industriekomponenten liegen. Alles andere steht zur Disposition, das Management will sich dabei möglichst viele Optionen offen halten.

Mit den 17 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Aufzugsparte sollte der Umbau finanziert und außerdem die hohen Schulden gesenkt werden. Doch nun läuft Thyssenkrupp die Zeit davon. Die Corona-Krise macht den Essenern bei den ursprünglichen Plänen einen Strich durch die Rechnung, in diesem Geschäftsjahr erwartet das Management einen Milliardenverlust.

Im Fokus steht dabei die traditionelle Stahlsparte. Thyssenkrupp prüft derzeit alle Optionen für sein unter der Corona-Pandemie besonders leidendes Geschäft. Möglich sind Partnerschaften, ein Teil- oder Komplettverkauf. Es gebe keine "Denkverbote", hatte Merz zuletzt erklärt. Die Sparte kämpft mit der hohen Abhängigkeit der derzeit schwächelnden Automobilindustrie, die gesamte Branche steht unter Preisdruck und ächzt unter zu hohen Kapazitäten.

Zudem sind massive Investitionen in eine klimaschonende Produktion nötig. Der Konzern hatte bereits einmal versucht, sein Stahlgeschäft mit Tata Steel Europe zusammenzulegen, war aber an der europäischen Kartellbehörde gescheitert.

Mit dem britischen Konkurrenten Liberty Steel hatte sich zuletzt ein Interessent gemeldet, der das Stahlgeschäft übernehmen will. Ob es jedoch dazu kommt, ist unklar. Die Gewerkschaft IG Metall sprach sich schon dagegen aus. Thyssenkrupp hat eine Prüfung angekündigt, will aber gleichzeitig mit weiteren potenziellen Partner sprechen. Auch der schwedischen SSAB sowie Tata Steel Europe hätten Interesse angemeldet, hieß es.

Ende Oktober hatte es jedoch Medienberichte gegeben, dass SSAB ein Auge auf Teile des europäischen Geschäfts von Tata Steel geworfen haben soll - was die Verhandlungsposition von Thyssenkrupp nicht gerade verbessern dürfte. Auch eine Fusion mit dem deutschen Konzern Salzgitter scheint derzeit ob des hohen finanziellen Risikos wenig wahrscheinlich. Salzgitter hat einen Merger schon mehrfach abgelehnt.

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