Nanotechnologie für Akkuzellen Start-up entwickelt Super-Akku: 1.000 Kilometer Reichweite, Mega-Schnellladung, langlebig – IPO später denkbar

18.11.2020, 12:50  |  43578   |   |   

Das Start-Up SALD BV will mit Nanotechnologie die Kapazität, Schnellladefähigkeit und Langlebigkeit von Lithium-Ionen-Akkuzellen erheblich erhöht haben. Einen IPO schließt SALD-CEO Verhage für die Zukunft nicht aus.

Ein patentiertes Herstellungsverfahren namens "Spatial Atom Layer Deposition (SALD)" soll atomdünne Beschichtungen von Lithium-Ionen-Akkuzellen ermöglichen. SALD-Akkus sollen nicht nur dreimal so viel Kapazität wie heutige Batteriezellen bieten, auch die Schnellladefähigkeit soll fünfmal so hoch sein. Außerdem würden Akkus durch das neuartige Verfahren leichter, sicherer und langlebiger.

Die SALD-Akkutechnologie wurde gemeinsam von den deutschen Fraunhofer-Instituten und der staatlichen niederländischen Forschungseinrichtung The Netherlands Organisation for Applied Sciences (TNO) entwickelt. Für die Vermarktung der neuartigen Akkutechnologie wurde das deutsch/niederländische Start-Up SALD BV gegründet.

Durch SALD-Akkus könnten E-Autos laut SALD-CEO Frank Verhage zukünftig „weit über 1.000 Kilometer ohne Nachladen fahren.” Er stellt klar: “Es geht nicht darum, einen theoretischen Reichweitenrekord aufzustellen. Sondern wir reden selbst im ungünstigsten Fall davon, dass der Akku in einem E-Auto bei sportlich-dynamischer Fahrweise und Klimaanlage oder Heizung nach 1.000 Kilometern noch mindestens 20 bis 30 Prozent Restladung besitzt.“

Weiterhin könnte die Schnellladefähigkeit von E-Autos durch die neuartige Akkutechnologie erheblich erhöht werden: Ein Elektroauto könnte binnen zehn Minuten zu etwa 80 Prozent und in 20 Minuten vollständig geladen werden. Zum Vergleich: Die meisten heutigen batterieelektrischen Autos brauchen mindestens 30 Minuten um an einer Gleichstrom-Schnellladesäule (CCS) auf 80 Prozent geladen zu werden. Eine vollständige Ladung dauert je nach Modell über 60 Minuten.

SALD-Boss Verhage versicherte, dass sein Unternehmen bereits mit namhaften Auto- sowie Batterieherstellern in Verhandlungen stehe: „Wir sind im engen Austausch mit beinahe allen namhaften Batterieherstellern, um das industrielle Potenzial unserer Technologie zur Anwendung zu bringen”. In Kleinserie sei die neuartige Technologie bereits erprobt worden. Grundsätzlich stehe die SALD-Technologie „im Einklang mit der von Tesla-Chef Elon Musk auf der "Batterie Day" im September 2020 vorgestellten Batterie-Entwicklungsrichtung.”

Die SALD-Technologie könne nicht nur bei den heutigen Flüssigelektrolyten-Batterien genutzt werden, sondern sei auch mit zukünftige Feststoffbatterien, die sich noch in Entwicklung befinden, kompatibel. Weiterhin könne das Verfahren auch in anderen Bereichen wie beispielsweise der Herstellung von Solarzellen zur Anwendung kommen.

Wegen der vielen Investorenanfragen stellte CEO Frank Verhage Ende Oktober klar: „Wir akzeptieren derzeit ausschließlich handverlesene Investoren.“ Allerdings schloss er für die Zukunft weder einen Börsengang noch ein öffentliches Angebot über Firmenbeteiligungen explizit aus.

Autor: Ferdinand Hammer



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Kommentare

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21.11.20 17:48:13
Wie oft habe ich bereits gelesen dass nun eine absolute Superbatterie mit über 1000 km Reichweite und Laden in < 1 Stunde erprobt wird und gaaaaanz kurz vor der Produktionsreife steht? Wird dieses Märchen nicht seit über 100 Jahren erzählt, seitdem sich der stinkende Otto gegenüber der Batterie durchgesetzt hat?
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19.11.20 22:36:10
Habe mich inzwischen besser informiert: Amtech Systems hat seine Tochtergesellschaft Tempress
an Innovation Industries verkauft und mithin auch SoLay Tech. Ob der Fond damit auch an dem
spin-off SALD BV partizipiert wäre interessant zu wissen.
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19.11.20 19:14:52
Käme das, dann müsste sich sogar mein Octavia Diesel vor dem E mobil verstecken.
Wenn ich mit dem Diesel 1200 km am Stück fahren will, darf ich nicht schneller als mit 115 km/ auf dem Tacho die Autobahn entlang fahren, um noch etwas Reserve im Tank zu haben.
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19.11.20 13:13:23
Ich sehe das folgendermaßen: die niederländische Forschungseinrichtung TNO hat eine Thinfilm
Technologie für Solarzellen entwickelt und zur Kommerzialisierung das Spinn-off SoLay Tec ins
Leben gerufen. Dort hat man im Verein mit den Spezialisten für angewandte Grundlagenforschung
von der Fraunhofer Gesellschaft festgestellt, daß sich mit der Technologie auch Batterien drucken
lassen und es wurde wiederum ein Spin-off gegründet, nämlich die SALD BV.
Ob es Kapitalverflechtungen gibt weis ich nicht, zumindestens aber muß es Know-How Verflechtungen
geben.
Erinnert irgendwie an Mynaric. Hier hatte die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumforschung DGLR
in jahrzehntelanger Grundlagenforschung Laser entwickelt bevor es eine Ausgründung gab mit säm-
tlichen Patenten als kostenlose Mitgift.
Im Falle von SALD BV könnten demgemäß immerhin ein paar Patente bei Amtech-Systems liegen was
die Fertigungstechnik betrifft
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19.11.20 09:49:41
Klingt interessant. Habe mal gegoogelt. SALD BV ist Ein Spin-off von SoLay Tec.
Mehrheitseigner ist inzwischen wohl die Amtech-Systems Tochter Tempress welche das Aktien-
paket von der RENA GmbH übernommen hat.
Bin ich damit auf dem Holzweg?

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