Die Randlage als wichtige Speiche eines neuen Systems

19.11.2020, 17:42  |  188   |   |   

Von Peyvand Jafari, Geschäftsführender Gesellschafter, CREO Group

"Homeoffice first!" und das Büro nur noch als Ergänzung - das liegt im Trend. Der Filehosting-Dienst Dropbox ist ein aktuelles Beispiel dafür: Die Mitarbeiter an allen Standorten weltweit sollen dauerhaft von zu Hause arbeiten. Für die physische Zusammenarbeit und das Teambuilding werden lokal vor Ort nur noch sogenannte Dropbox-Studios eingerichtet, in Deutschland demnach in Hamburg und München. Das neue Konzept aus Homeoffice als Hauptarbeitsort und dem Büro als Treffpunkt soll bis einschließlich Juni 2021 getestet werden. Deutsche Unternehmen diskutieren derzeit ähnliche Modelle, vor allem das "Hub and Spoke"-System.

Speichenradmodell der Zukunft?
Dieses kann einem Speichenrad ähneln: Die Speichen werden gebildet aus den Homeoffice-Standorten sowie aus kleinen, flexiblen Satellitenbüros in der Nähe des Wohnorts - oder auch aus Coworking-Spaces, umgebauten Hotellobbys, vielleicht auch dem Café um die Ecke. Die Speichen sind dabei virtuell mit dem Hauptsitz verbunden. Viele Unternehmen argumentieren, dass sie so Pendelzeiten ins Zentrum reduzieren wollen. Zudem hat die Pandemie gezeigt, dass viele Menschen zu Hause schlicht produktiver arbeiten. Dieser Punkt war auch für Dropbox ausschlaggebend: Neun von zehn Dropbox-Mitarbeitern haben dies in einer internen Umfrage angegeben.

Die Peripherie wird wichtiger
Wenn sich der Trend verstetigt, dann bedeutet das konkret: Der Bürohauptsitz vieler Unternehmen im Zentrum der Städte kann entsprechend kleiner werden. Der Schwerpunkt verlagert sich in Richtung Peripherie. Dort steigt die Nachfrage nach den besagten Satelliten-Offices. Wir könnten etwa eine Ausweichbewegung bei der Bürosuche in aufstrebende, gemischt genutzte Kieze am Stadtrand erleben - mit kurzen Wegen zwischen Wohnung und Arbeit und mit günstigeren Mietflächen als im absoluten Zentrum. Ich erwarte aber, dass hier nicht zwangsläufig Schluss ist. Auch Umwandlungsflächen, die noch "weiter draußen" liegen, könnten spannend werden. Beispielsweise ehemalige Industriegebiete, gerne mit historischer Bausubstanz, die durch das Wachstum und den Zuzug in die attraktiven Städte als Potenzialflächen für neue Quartiere entdeckt werden.

Was wird aus den angeschlagenen Hotels?
Die Corona-Krise hat unter den Hotelbetreibern leider bereits einige prominente Opfer gefordert. Für die Eigentümer stellt sich die Frage, ob als Nachnutzung erneut ein Hotel die beste Idee ist. Sofern diese in übergeordnete Konzepte eingebettet werden, lassen sich womöglich auch gleich noch wichtige Versorgungsfragen der Zukunft klären - und dezentrale Mini-Logistik-Verteilstandorte unterbringen. Voraussetzung ist dafür jedoch immer, dass Standort und Architektur dies zulassen.

Nachverdichtung denkbar
Fest steht: Der Trend zur Peripherie ist durchaus in der Lage, die Nachverdichtung fördern: Die teils eher aufgelockerte oder zu niedrige Bebauung in den Lagen zwischen Stadtkern und Stadtrand kann sich zudem eignen, um dort zusätzliche Angebote durch dichtere Strukturen zu schaffen. Das kann im Kleinen ebenso gut funktionieren wie im größeren Maßstab - von der Remise im Hinterhof, die zum Arbeitsloft aufgestockt wird, bis zur Neubebauung beispielsweise von ebenerdigen Parkplatzflächen. Unter einem neuen Satelliten-Office entsteht dort dann vielleicht eine neue Tiefgarage zur Kompensation.



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