16.168 Prozent Gewinn

Gastautor: Bernd Niquet
21.11.2020, 07:45  |  1762   |   |   

Es war in den Tagen kurz nach dem verrückten Montag, als die Sache mit dem Impfstoff bekannt geworden ist, da sprang plötzlich eine Position in meinem Depot um über 5 Prozent in die Höhe.

Von der ich das nun wirklich niemals erwartet hatte. Hierbei handelte es sich um den alt-ehrwürdige UniFonds, dieses Witwen- und Waisenpapier, über den ich schon in den Zeiten meiner Banklehre bei der Volksbank abschätzig herabgesehen habe. Den ich jetzt allerdings selbst besitze, weil mein Vater mir eine Position davon vererbt hat.

 

 

Und weil ich dadurch plötzlich neugierig geworden bin, suche ich einmal im Internet und finde, dass es sich bei diesem Fonds tatsächlich um den ersten offenen Publikumsfonds in Deutschland handelt.

 

Und der Hammer ist, der Fonds ist haargenau so alt wie ich selbst. Der Fonds wurde im April 1956 gegründet und im Mai wurde ich dann geboren. Jetzt bin ich natürlich interessiert, was dieses Papier seitdem denn zugelegt hat.

 

Ich maile die Union-Investment an und habe bereits eine halbe Stunde später die Information dazu in meinem Mailfach. Der Fonds hat seit der Auflegung im Schnitt jährlich 8,2 Prozent zugelegt, was bis jetzt einem Zuwachs von 16.168 Prozent entspricht.

 

Da falle ich beinahe hinten über. Eine bessere Rentenversicherung gibt es doch nicht, oder? Zuerst unterliege ich zwar einem Denkfehler, doch als ich mich dann wieder mit der Prozentrechnung angefreundet habe, sieht es dennoch gut aus.

 

Hätten meine Eltern an meinem Geburtstag 1.000 DM im UniFonds angelegt, dann wären daraus bis heute 162.680 DM geworden, umgerechnet in Euro also 83.177. Damit wäre ich zwar nicht reich, doch allein diese Summe liegt bereits über dem statistischen Vermögen des Durchschnittsdeutschen.

 

Ausschließlich damit könnte ich zwar mein Auskommen bis zu meinem Lebensende nicht bestreiten, wenn ich nächstes Jahr mit 65 Jahren in Rente gehe, doch wenn ich ein Leben lang gearbeitet habe, kommt das ja zur erarbeiteten Rente hinzu.

 

Mir scheint die Aktienanlage daher auch jeder anderen Ansparform überlegen zu sein. Wir alle machen nur immer den Fehler, nicht breit genug zu streuen und bei guten Kursen Gewinne mitzunehmen, so dass wir dann nicht kontinuierlich investiert sind.

 

Wie wird das nun in Zukunft aussehen? Ich denke, im Jahr 1956 waren 1.000 DM, also gut 500 Euro wirklich eine Menge Geld. Heute können hingegen viele Eltern sicher durchaus ein Vielfaches für ihre Neugeborenen aufbringen.

 

Bei Anlage von beispielsweise 50.000 Euro ergäbe sich so, wenn alles bleibt wie es ist, eine Rentensumme von guten 8 Millionen Euro. Die Frage ist allerdings, was 8 Millionen Euro in 65 Jahren wert sind? Und ob es dann überhaupt den Euro noch gibt?

 

Doch muss mich das als Aktienanleger interessieren? Ich denke nur peripher. Aktien sind schließlich kein Geld. Dennoch: Sollte man daher nicht vielleicht lieber in Gold anlegen? Die Antwort auf diese Frage ist sehr klar und lautet: Nein!

 

Der Grund liegt in dem Zins- und Zinseszinseffekt, den ich bisher noch nicht angesprochen habe. Denn der Wertzuwachs beim UniFonds resultiert zum großen Teil aus der sofortigen Wiederanlage der ausgeschütteten Gewinne. Ein Fondsinvestment mit Wiederanlage funktioniert daher in etwa wie ein Performance-Index, also wie unser Dax.

 

Und das ist das entscheidende Argument auf die lange Sicht, das gegen das Gold spricht. Denn da Gold keine Erträge bringt, kann auch nichts ausgeschüttet und folglich nichts wiederangelegt werden, womit der Zins- und Zinseszinseffekt entfällt.

 

Der Unterschied hierbei ist wirklich so gewaltig, dass einem die Spucke wegbleibt. Verdeutlicht wird das sehr gut durch den Vergleich des Kurs-Dax mit dem Performance-Dax, wobei der Kurs-Dax für das Gold und der Performance-Dax für das Fondsinvestment mit Wiederanlage steht.

 

Beide Dax-Indices sind am 31.12.1987 auf den Wert von 1.000 Indexpunkten normiert worden. Das ist gerade einmal lächerliche gut dreißig Jahre her, also nicht einmal die Hälfte des hier von mir betrachteten Zeitraums.

 

Und während der Performance-Dax heute über 13.000 Punkten notiert, steht der Kurs-Dax nur bei 5.700 Punkten. Er hat also bei Weitem nicht einmal die Hälfte des Gewinnes erzielt, obwohl sich doch die zugrundeliegenden Werte komplett identisch entwickelt haben.

 

Der Unterschied liegt ausschließlich im Zins- und Zinseszinseffekt. Ein Hoch auf sie beide! Es ist daher also auch nur ein Gerücht, dass wir in einer Negativzins-Welt leben. Letztlich ist es nur eine Frage des Namens. Beim Zins wie beim Neugeborenen.

 

(P.S.: Diese Beispiele sind nur idealisierende Beispiele zur Verdeutlichung. In der Realität sollte man niemals alles auf einmal investieren und durchaus auch Gold dem Depot beimischen. An den Grundaussagen dieser Kolumne ändert das jedoch nichts.)

 

berndniquet@t-online.de

 

 

 

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4 Kommentare

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Kommentare

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24.11.20 08:09:20
Lieber Norman Price, ich stimme Ihnen da prinzipiell in allem zu. Dennoch bin ich komplett anderer Meinung. Ich finde das Umlagesystem gut und gerecht. Wenn jeder allein für sich vorsorgen müsste, würden zu viele Schiffbruch erleiden. Ich bin nicht für einen übertriebenen Sozialstaat, hier aber doch. Und wie hätten wir denn die Renten der Kriegsgenerationenen ansonsten zahlen können?

Man hätte jedoch ALLE in das Umlagesystem zwingen müssen. Und auch nicht durch Wahlgeschenke dieses System aushebeln dürfen. Dann wäre es gut und richtig gewesen aus meiner Sicht.
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21.11.20 17:30:22
1960 lag der Goldpreis bei 35 $ - das sind zwar keine 16k %, aber wahrscheinlich wäre alles besser gewesen als in die staatl. Rente 'zu investieren'. Eine Freundin von mir arbeitet bei einer grossen Bank in FFM in der Rechtsabteilung. Da Sie Juristin ist hat sie sich als Rechtsanwältin eintragen lassen und zahlt deshalb nichts in die Rentenkasse (bei 6-stelligem Gehalt) ... da fehlen einem echt manchmal die Worte, wie unfähig unsere Politiker sind. :-)
Die Rente ab nächstem Jahr gönne ich Ihnen von ganzen Herzen. Solange die Babyboomer noch arbeiten sollte nichts dagegen sprechen dass diese noch in der versprochenen Höhe ausgezahlt wird.

Die Selbständigkeit ist grundsätzlich immer eine Option - aber nicht hier in D, das zeigt die aktuelle Krise deutlich. Je weniger Du selbst investierst (nicht nur Geld) unso mehr kannst Du dich auf den Staat verlassen. Ich habe nicht vor 70 Stunden die Woche zu arbeiten bis ich 75 bin, um die Spirenzien von irgendwelchen Politikern zu finanzieren und wenn's hart auf hart kommt, dann bist Du der letzte, der Hilfe bekommt (dann werden erstmal Harz4-Empfänger, Rentner und Studenten und Gott-weiss-wer mehr unterstützt, tja).

Ich glaube auch nicht, dass allzu viele Leute hier Ihren Job verlieren werden. Hubertus und Olaf haben doch schon das Kurzarbeitergeld bis Ende nächsten Jahres verlängert, das dürfte ausreichen bis zum nächsten Aufschwung.
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21.11.20 13:32:39
Tja, dann müssten Sie sich selbständig machen. Aber seien Sie froh, dass sie das jetzt nicht sind. Bald werden wir genug unfreiwillig Selbständige haben.
Das Wichtigste ist jedoch die Wiederanlage der Erträge. Oder eben zusätzlich noch eine monatliche Zahlung. Ich muss gestehen, dass ich von dem Performanceunterschied selbst mächtig erstaunt war als ich die Kolumne geschrieben habe. Aber 65 Jahre ist natürlich auch eine verdammt lange Zeitstrecke .....
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21.11.20 09:28:31
Ich habe da eine ganz ähnliche Erfahrung gemacht: Ich zahle seit einigen Jahren 200 € / Monat in die Riester-Rente und hätte diesen Vertrag wahrscheinlich auch schon lange gekündigt, wenn die Zulage für die Kinder nicht wäre. Ich habe damals allerdings einen Vertrag aufgesetzt, der in den UniGlobal einzahlt. 5% Ausgabeaufschlag ist in der heutigen Zeit natürlich lächerlich, aber ich dachte mir damals dass es auch egal ist, da ich ja die Förderung bekomme. Auf den letzten Kontoauszug hab ich dann man draufgeschaut - mittlerweile 80.000 € - nicht schlecht ... und höchstwahrscheinlich besser als die Performance meiner Bekannten, die fleissig Bausparverträgen, Lebensversicherungen o.ä. abgeschlossen haben.

Mit Ihrer Einschätzung zum Thema Aktienanlage liegen Sie natürlich genau richtig. Aus diesem Grund würde ich auch lieber heute als morgen aus der gesetzlichen Rente aussteigen ... womit wir wieder bei meinem Lieblingsthema wären. ;-)

Disclaimer

16.168 Prozent Gewinn Rente mit Aktien oder Gold?