thyssenkrupp-Aktie: Kann ein KBV von 0,3 lügen?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
22.11.2020, 09:15  |  1225   |   |   

Ist mir bei der Einschätzung von thyssenkrupp (WKN: 750000) ein grober Denkfehler unterlaufen? Seitdem klar ist, dass der Stahlkonzern einen Berg voll Geld für sein Aufzugsgeschäft bekommen wird, begleite ich die Neuaufstellung tendenziell positiv. Die Aktie dümpelt hingegen unmotiviert im Keller. Lass uns daher einen genaueren Blick darauf werfen, wie viel Substanz wirklich in diesem geprügelten Konzern steckt.

Mein Denkfehler bei der thyssenkrupp-Bewertung

Im Februar rechnete ich bereits mit dem Allerschlimmsten für thyssenkrupp. Der Aufzugsdeal war noch nicht ganz abgeschlossen und das Coronavirus wütete bereits in Italien und anderswo. Wäre der Verkauf geplatzt oder nachverhandelt worden, hätte es für den Konzern übel ausgehen können. Je nachdem, welches Ausmaß die Krise annehmen würde, hätte auch die bisherige Ertragsperle im Wert einbrechen können.

Umso mehr hat es mich für thyssenkrupp gefreut, dass es dennoch geklappt hat. Das gegen null tendierende Eigenkapital würde nach oben springen, die Schulden könnten zu einem großen Teil eliminiert werden und es würden endlich genug Investitionsmittel zur Verfügung stehen, um die anderen Segmente auf Vordermann zu bringen.

Während ich mich freute, sackte der Kurs ab auf unter 10 Euro. Es erschien mir wie ein Geschenk. Denn erstens hatte ich bereits Mitte 2019 eine Bewertung der Einzelteile durchgeführt, die mich zum Schluss brachte, dass die anderen Segmente zusammengenommen 10 Mrd. Euro wert sein sollten, sobald entsprechende Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit erfolgt sind. Zweitens kalkulierte ich, dass der hohe Verkaufspreis das Eigenkapital in den Bereich von 10 Mrd. Euro heben dürfte.

Auf zwei Wegen kam ich folglich auf einen Wert von 10 Mrd. Euro. Was konnte also schiefgehen, als die Marktkapitalisierung auf 5 Mrd. Euro und weniger absackte? Nun, der Denkfehler war offenbar, dass ich davon ausging, dass die Börse so denkt wie ich und das Unternehmen nach seiner aktuellen Substanz bewerten würde, die laut Geschäftsbericht 2019/2020 tatsächlich mit 9,8 Mrd. Euro im Bereich von 10 Milliarden liegt zum 30. September.

Die Börse interessiert sich jedoch offenbar nur wenig für das ausgewiesene Eigenkapital und den Umsatz in Höhe von 29 Mrd. Euro (ohne nicht fortgeführte Geschäfte im „Multi Tracks“-Segment). Sie bewertet thyssenkrupp mit spärlichen 3 Mrd. Euro (20.11.). Das ergibt ein Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 0,3 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 0,1.

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