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Nach der Gläubigerversammlung Schadensersatz für Wirecard-Anleger: So ist der aktuelle Stand

Die Gläubigerversammlung der insolventen Wirecard AG hat interessante Einblicke geliefert: Was ist möglich für geschädigte Anleger?

Die Zahl klingt spektakulär: 12,4 Mrd. Euro an Forderungen haben die Gläubiger der Pleite gegangenen Wirecard AG bisher geltend gemacht. Das teilte Insolvenzverwalter Michael Jaffé auf der Gläubigerversammlung in München mit. Im Gegenzug haben die Verkäufe von Unternehmensteilen bisher rund 600 Mio. EUR erbracht. Experten halten es für möglich, dass letztlich eine Insolvenzmasse in Höhe von rund einer Milliarde Euro zusammenkommt.

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Medien wie das Handelsblatt folgern daraus, dass sich eine Insolvenzquote von acht Prozent ergeben könnte. Das würde bedeuten, dass Anleger, die ihre Schäden im Rahmen des Insolvenzverfahrens anmelden, je 1000 Euro Verlust nur 80 Euro Entschädigung erhalten würden. Aus unserer Sicht ist diese Schlussfolgerung jedoch voreilig. Einiges spricht dafür, dass die letztliche Insolvenzquote höher liegen wird.

Denn wer auf der Gläubigerversammlung genau hingehört hat, der hat mitbekommen, dass Insolvenzverwalter Jaffé folgendes gesagt hat: Eine Vielzahl der Forderungsanmeldungen genügt nicht den Anforderungen an eine schlüssige Begründung einer Schadensersatzforderung. Denn es gibt in einem Insolvenzverfahren einen großen Unterschied zwischen geltend gemachten und vom Insolvenzverwalter anerkannten Forderungen.

Im Fall Wirecard dürfte diese Differenz besonders groß sein. Denn anders als bei den meisten anderen Insolvenzverfahren haben auch die geschädigten Aktionäre Ansprüche auf einen Anteil aus der Insolvenzmasse. Grund ist das betrügerische Vorgehen der Wirecard-Unternehmensführung. Allerdings müssen Anleger eine ordentliche Hürde überspringen, damit ihre Forderungen anerkannt werden. Sie müssen ihren Anspruch juristisch korrekt und detailliert begründen. Und genau daran scheint es bisher in vielen Fällen zu mangeln.

Denn in den offiziell kommunizierten Forderungen von 12,4 Mrd. Euro scheinen etliche Forderungen von Aktionären zu sein, die ohne anwaltliche Hilfe vorgenommen wurden und daher unvollständig oder laienhaft sind und vom Insolvenzverwalter nicht anerkannt werden dürften. Denn der Job des Insolvenzverwalters ist klar definiert: Seine Aufgabe ist es, Erträge zu maximieren und Forderungen zu minimieren. Das heißt: Alle Forderungen, die nicht niet- und nagelfest begründet werden, sind abzulehnen.

Für Anleger, die mit Aktien oder Derivaten von Wirecard Geld verloren haben, kann das nur bedeuten: Lassen Sie die Anmeldung der Forderungen im Insolvenzverfahren anwaltlich begleiten, beispielsweise mit Hilfe der Interessengemeinschaft Widerruf. Nur so ist gesichert, dass ihre Forderungen auch vom Insolvenzverwalter anerkannt werden. Allerdings hat Jaffé schon durchblicken lassen, dass er Verluste von Anlegern nur dann anerkennen wird, wenn die Wertpapiere vor der Veröffentlichung der Ad-hoc-Meldung am 18. Juni 2020 um 10:43 Uhr gekauft worden sind. Bei späteren Käufen dürften die Chancen auf eine Anerkennung minimal sein – Anwalt hin oder her.

Übrigens ist es gar nicht schlecht, wenn der Insolvenzverwalter solche Forderungen kritisch durchforstet und im Zweifelsfall ablehnt. Denn damit bleibt für alle, die ihren Schaden korrekt anmelden, eine höhere Insolvenzquote übrig.

Positiv für geschädigte Anleger ist auch, dass ein Kooperationsanwalt der IG Widerruf im Gläubigerausschuss von Wirecard sitzt. Das ist unüblich und hat mit den Besonderheiten des Wirecard-Verfahrens zu tun. Damit dürfte jedoch sichergestellt sein, dass nicht nur die Interessen der kreditgebenden Banken, sondern auch jene der geschädigten Anleger ausreichend berücksichtigt werden.

Fazit: Neben der Schadensersatzklage gegen den Wirtschaftsprüfer EY bietet die korrekte Anmeldung der Forderungen im Insolvenzverfahren die beste Möglichkeit, zumindest einen Teil der Verluste wieder wettzumachen. Anleger sollten sich über ihre individuellen Möglichkeiten und die Kosten einer Anmeldung direkt bei der IG Widerruf informieren.

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4 Kommentare
Gastautor: Roland Klaus
25.11.2020, 09:34  |  25174   |   |   

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