"Horror" für Datenschützer Schufa will Kontoauszüge auswerten

Nachrichtenagentur: news aktuell
26.11.2020, 20:15  |  263   |   |   

Hamburg (ots) - Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei, die Schufa, will in
Zukunft offenbar Verbraucherinnen und Verbraucher auch anhand ihrer Kontoauszüge
bewerten. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) hat das
Unternehmen Anfang November im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem
Mobilfunkkonzern Telefónica/O2 erste Schritte unternommen, um an solche
sensiblen Daten zu gelangen. In den vergangenen Monaten hatten
Schufa-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter auf Branchenveranstaltungen immer
wieder über Pläne berichtet, die Daten von Kontoauszügen mit bei der Schufa
bereits vorhandenen Verbraucherdaten zusammenführen zu wollen. Dadurch sei die
Schufa in der Lage, umfassende Auswertungen im Hinblick auf die
Zahlungsfähigkeit und weitere Kriterien wie Risiken oder Vorlieben von
Verbraucherinnen und Verbrauchern durchzuführen.

Seit Einführung der Zweiten EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) ist es möglich,
dass sogenannte Kontoinformationsdienste Einblick auf Konten bekommen können.
Voraussetzung ist, dass der Kunde dem zustimmt. Die Schufa hatte Ende Dezember
2018 den von der Bankenaufsicht BaFin lizenzierten Münchner
Kontoinformationsdienst Finapi GmbH gekauft, der nach eigenen Angaben potenziell
Zugriff auf mehr als 50 Millionen deutsche Bankkonten hat.

Aus internen Schufa-Dokumenten, die NDR, WDR und SZ einsehen konnten, geht
hervor, dass die Finapi GmbH auch deshalb von der Schufa übernommen wurde, um an
Kontodaten von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu gelangen. Der Kontoeinblick
eröffne ein "umfangreiches Potenzial in Hinblick auf Bonitätsbewertung,
Affinitätsscores oder Ermittlung der Lebenssituation", heißt es in einer
vertraulichen Schufa-Präsentation vom Frühjahr 2019. In einer
Branchenveranstaltung im Sommer 2020 erklärte ein Mitarbeiter der neuen
Schufa-Tochterfirma, das Unternehmen könne in Kontoauszügen 65 Kategorien
erkennen, darunter Gehalt, Miete, staatliche Leistungen, Unterhaltszahlungen,
Arztbesuche sowie Urlaubsreisen. Zudem könne man "Risikofaktoren" wie
Glücksspiel, Zahlungen an Inkassoinstitute oder Rücklastschriften
identifizieren, die beispielsweise bei einem Kreditantrag wichtig sein könnten.

Erste Schritte, um an Kontoauszüge zu gelangen, hat die Schufa im Rahmen ihres
neuen Produkts "Schufa CheckNow" unternommen. Am 4. November 2020 begann eine
dreimonatige Testphase in Zusammenarbeit mit dem Mobilfunkanbieter
Telefónica/O2. Potenzielle Neukunden, die aufgrund ihrer schlechten Bonität
normalerweise keinen O2-Handyvertrag bekommen würden, können sich von der Schufa
auf ihr Konto schauen lassen. So kann die Auskunftei eine neue und womöglich
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