Nach Anschlag auf iranischen Atomphysiker Sorge um Frieden

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
29.11.2020, 14:44  |  159   |   |   

TEHERAN/WASHINGTON (dpa-AFX) - Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat den USA und Israel vorgeworfen, hinter der Ermordung des Kernphysikers Mohsen Fachrisadeh zu stehen. In Teheran wie in US-Medien wird spekuliert, US-Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollten mit dem Anschlag eine Entspannung im amerikanisch-iranischen Verhältnis nach einem Machtwechsel im Weißen Haus erschweren. Beide reagierten darauf zunächst nicht. Einen klaren Beleg für die Täterschaft gibt es nicht.

Fachrisadeh war am Freitag in Ab-Sard bei Teheran in seinem Auto angeschossen und tödlich verletzt worden. Der Kernphysiker war Mitglied der Revolutionsgarden und Experte für die Herstellung von Raketen gewesen. Zuletzt leitete er die Forschungsabteilung im Verteidigungsministerium.

"Erneut sorgten der Imperialismus und sein zionistischer Söldner für ein Blutvergießen und den Tod eines iranischen Wissenschaftlers", sagte Ruhani am Samstag im Fernsehen. Der "Terroranschlag" auf Fachrisadeh zeige die Angst der Feinde Teherans vor dem technologischen Fortschritt der Islamischen Republik. Das Land werde sich jedoch auf seinem Weg nicht aufhalten lassen.

Die "New York Times" (Samstag) berichtete, ein US-Vertreter und zwei Geheimdienstmitarbeiter hätten erklärt, dass Israel hinter dem Attentat stehe. Es sei unklar, ob die US-Regierung vorher informiert gewesen sei, doch beide Staaten seien engste Verbündete. In US-Medien gab es Berichte, wonach ein US-Marineverband um den Flugzeugträger "Nimitz" in den Persischen Golf verlegt worden sei, was mit dem Truppenteilabzug aus Afghanistan begründet wurde.

International war die Reaktion auf den Mordanschlag verhalten. Namentlich die Türkei kam der Aufforderung des Irans auf, die Bluttat zu verurteilen. Das Außenministerium in Ankara sprach von einem "abscheulichen Mord"; man hoffe, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen würden, und appelliere an alle, jede Eskalation zu vermeiden. UN-Generalsekretär António Guterres und das Bundesaußenministerium beließen es bei einer Mahnung zur Zurückhaltung.

Irans UN-Botschafter Madschid Tacht erinnerte in einem Schreiben an Guterres daran, dass in den vergangenen Jahren mehrfach iranische Wissenschaftler bei Anschlägen getötet worden seien. Im Sommer hatte zudem eine Brand- und Explosionsserie Infrastruktur- und Atomanlagen im Iran beschädigt. In der Nacht zum 3. Januar 2020 war der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, General Ghassem Soleimani, während eines Irakbesuchs bei einem US-Raketenangriff getötet worden. Dies hatte beide Staaten an den Rand eines Krieges geführt.

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