Interview mit Triamis GmbH Immobilienexperte Thomas Knedel verrät: So geht es unserer Immobilienbranche

Gastautor: Seyit Binbir
01.12.2020, 18:03  |  14764   |   |   

Bild: Thomas Knedel von Triamis GmbH im Interview

Herr Knedel, viele Marktbeobachter kritisieren den deutsche Immobilienmarkt wo es nur geht: Zu hohe Mieten, ein komplexer Bürokratieapparat oder die geringe Wohneigentumsquote im internationalen Vergleich werden regelmäßig diskutiert. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Herausforderungen für den deutschen Immobilienmarkt mit Blick auf die nächsten 10 Jahre?

Die Immobilienwirtschaft in Deutschland wird Jahr für Jahr mit immer mehr – politisch einseitig motivierten – Regularien konfrontiert. Davon besonders betroffen ist die Wohnungswirtschaft. Das Beispiel, das derzeit in aller Munde ist, ist Berlin. Nun wurde gerade erst bekannt, dass das Angebot an Mietwohnungen aufgrund des Mietendeckels sogar nicht nur stagniert, sondern binnen Jahresfrist drastisch um 25% (bei Gebäuden mit Baujahr vor 2014 sogar um 47,4%) zurückgegangen ist (Meldung WiWo vom 25.08.2020). Damit sorgt die Überregulierung gerade nicht für eine Entspannung des Wohnungsmarktes (was ja der ausdrückliche politische Wille war), sondern für eine weitere Verschärfung. Das sind Szenarien, an die wir uns offensichtlich gewöhnen müssen, wenn wir der weiteren Überregulierung nicht Einhalt gebieten wollen. „Zumindest“ in allen angespannten Wohnungsmärkten. Viele Vermieter suchen schon heute Abhilfe darin, dass sie ihre Wohnungen lieber gar nicht vermieten, um sie so wirksam der Regulierung zu entziehen.

Insofern sollte das Hauptbestreben der Immobilienwirtschaft sein, massiv auf eine Deregulierung der Märkte einzuwirken. Erst wenn wir wieder frei im Markt agieren können, wird die Neubautätigkeit zunehmen. Durch entsprechende Umschichtungseffekte werden dann wieder mehr günstige Wohnungen zur Verfügung stehen. Ein Mietendeckel wird dann schlichtweg nicht mehr notwendig sein.

Neben der Deregulierung insgesamt sollte auch über den Abbau von bürokratischen Hürden nachgedacht werden. Prozesse sollten entschlackt werden. Und, ich sage es ungern, das Gutsherrendenken, das in erstaunlich vielen Amtsstuben vorherrscht, muss dringend abgeschafft werden. Amtsleiter, Stadträte und auch Ministerien sind hier gefragt.

Weiterhin sehe ich große Hürden im teils übertriebenen Datenschutz, wenn wir uns beispielsweise mit konkreten Investments befassen. In den USA ist es beispielsweise möglich zu jedem Haus online nicht nur den aktuellen Marktpreis zu recherchieren, sondern die komplette Angebotshistorie inkl. der damaligen Vermarktungszeiträume nachzuverfolgen.

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