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Der Aktienrebell im Interview Jannes Lorenzen: Mit Spotify 140% Plus, aber bei Krisenbeginn Profite von Techs und Online-Handel unterschätzt

„Aktienrebell“ Jannes Lorenzen mit einem selbstkritischen Investoren-Blick zurück auf 2020 und einer Warnung für 2021: „Trügerische Sicherheit.“ – Interview zum Ende des Börsenjahres 2020.

wallstreet:online: Ein paar Blicke zurück auf 2020: Welche Anlagetrends, -klassen und Einzelwerte haben Sie positiv überrascht, welche enttäuscht?

Jannes Lorenzen: Positiv überrascht haben definitiv Technologie- und Digitalaktien. Diese haben durch die Entwicklungen des Jahres nochmal profitiert, da die ohnehin bestehenden Trends zur Digitalisierung nochmal beschleunigt wurden. Überrascht haben mich auch viele IPOs, die enorm stark liefen und deutlich stärker, als es in den letzten Jahren der Fall war. Enttäuschend sind weiterhin die Value-Aktien, die unsexy aussehen, im langfristigen historischen Durchschnitt aber höhere Renditen versprechen können. Diese haben zum großen Teil in diesem Jahr aber weiter gelitten.

wallstreet:online: Was war Ihre klügste und was Ihre unvorteilhafteste Investment-Entscheidung in 2020?

Jannes Lorenzen: Die klügste Entscheidung war, Mitte März 2020 stark zu investieren. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so schnell wieder bergauf geht, sondern dass es länger dauert, unterm Strich war das bis heute aber eine gute Entscheidung. Auch die Spotify-Aktie habe ich Anfang des Jahres gekauft und steht nun bei einem Plus von +140%. Tatsächlich sind alle Investments, die ich 2020 gekauft habe, heute im Plus - die unvorteilhafteste Entscheidung war vermutlich, zu Beginn der Krise zu unterschätzen, wie stark Digitalunternehmen und auch bspw. der Online-Handel auch langfristig durch den Lockdown und geändertes Konsumverhalten profitieren.

wallstreet:online: Ein paar Blicke in die Zukunft: Welche positiven und welche negativen Anlagetrends könnten Ihrer Meinung nach das Börsenjahr 2021 beherrschen?

Jannes Lorenzen: Ich habe die Sorge, dass mehr Anleger sich undifferenziert auf angesagte Aktien stürzen, also blind Tech- und Digitalaktien kaufen und womöglich genauso blind in gehypte IPOs investieren, da diese zuletzt gut liefen. Diese Segmente können natürlich weiter gut laufen und ich sehe noch keine fundamentalen Gründe, warum diese Aktien nicht weiter gut performen sollten. Aber je länger es gut läuft, desto sicherer fühlen sich viele Anleger und glauben, dass es immer so weitergehen müsse, was eine trügerische Sicherheit sein kann.

wallstreet:online: Stichwort Börsen-Crashs im neuen Jahr: Klar, dass viele Anleger bei den aktuellen, hohen Börsenständen zögern, zu investieren. Hier könnte die Angst vor einem Crash nach der Börsenparty vorherrschen. Jetzt zitiert Tim Schäfer hier JP Morgan-Analysten, die die These aufstellen: „Du sollst an allen Allzeithochs investieren!” „Anleger, die auf allen All-Time-Highs investiert haben, haben skeptische Anleger übertrumpft, die zu allen anderen Zeitpunkten investiert haben“, schreibt Tim Schäfer. Was ist Ihre Meinung dazu? Inwiefern sollte man jetzt Cash-Positionen auflösen und wo in der nächsten Zeit an den Börsen investieren?

Jannes Lorenzen: Die Angst vor Börsenhöchstständen ist definitiv unbegründet. Wer diese vermeidet, vermeidet die größten Phasen des Aufschwungs an der Börse. Die Analyse von JP Morgan könnte allerdings dadurch etwas verzerrt sein, dass die USA natürlich den bestgelaufenen Aktienmarkt der letzten Jahrzehnte hatten - in anderen Ländern könnte das Ergebnis also noch anders aussehen.

Langfristig in Aktien zu investieren ist immer eine gute Idee. Wer vorsichtig loslegen möchte, kann über einen Sparplan einsteigen. Ich würde darauf achten, möglichst weltweit zu investieren und gezielt auch Schwellenländer mit einschließen, die aufgrund aktuell günstigerer Bewertungen, höherem Wachstum und einer besseren Demografie spannende Chancen (bei höherem Risiko) bieten. Staatsanleihen, gerade im Euro-Raum, halte ich nach wie vor für unattraktiv.

wallstreet:online: Herr Lorenzen, vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Christoph Morisse, wallstreet:online Zentralredaktion

Kurzvita von Jannes Lorenzen
Jannes Lorenzen hat 2013, während seines VWL-Studiums in Hamburg, die Webseite aktienrebell.de gegründet. Sein Ziel: Menschen ermutigen, eigenständig in Aktien zu investieren - unabhängig von Banken, Beratern und Co. Dafür bereitet er Erkenntnisse aus der Finanzwissenschaft, Ökonomie und Verhaltenspsychologie leicht verständlich auf und beleuchtet auf seinem Blog, in seinem Podcast und eigenen Mitgliederbereichen die Zusammenhänge an den Aktienmärkten, die Chancen für Privatanleger, die größten Fehler beim Investieren und konkrete Strategien für eine langfristig erfolgreiche Geldanlage.


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23.12.2020, 17:34  |  14458   |   |   

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Der Aktienrebell im Interview Jannes Lorenzen: Mit Spotify 140% Plus, aber bei Krisenbeginn Profite von Techs und Online-Handel unterschätzt „Aktienrebell“ Jannes Lorenzen (Foto) mit einem selbstkritischen Investoren-Blick zurück auf 2020 und einer Warnung für 2021: „Trügerische Sicherheit.“ – Interview zum Ende des Börsenjahres 2020.

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