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Thomas Rappold im Interview Papst der Platform Economy: "Facebooks Libra Wachruf für pomadige Zentralbanker" - Megatrends 2021

"Digitales Geld" und "Intelligente digitale Infrastruktur" seien laut Thomas Rappold Megatrends dieses Jahrzehnts. Privat lege er „stark konträr“ an und kaufe „gerne mal erstklassige Unternehmen“ wie Berkshire Hathaway.

 

wallstreet:online: Ein paar Blicke zurück auf 2020: Welche Anlagetrends, -klassen und Einzelwerte haben Sie positiv überrascht, welche enttäuscht?

Thomas Rappold: Generell überrascht hat mich, dass wir in vielen Märkten, auch Deutschland, eine neue Anlegerklasse gesehen haben: Junge Anleger die erstmalig an der Börse in Aktien investiert haben. Viele sind bei dem Corona-Crash im Frühjahr beherzt eingestiegen und haben das beherzigt was Altmeister Warren Buffett als Lehrmeinung seit Jahrzehnten postuliert "Sei gierig, wenn andere ängstlich sind".

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Mit dazu beigetragen haben auch die neuen Neobroker, die die Barrieren beim Aktienkauf deutlich gesenkt haben. Die Anleger haben erkannt, dass die massive Geldflutung der Notenbanken und die damit verbundenen über lange Jahre quasi festgeschriebenen Nullzinsen Handlungsbedarf erfordern. Covid-19 hat zudem gezeigt, dass Technologie und insbesondere die Segmente Digitalisierung und erneuerbare Energien vor weiter langfristigen Wachstumsphasen stehen. Unsere menschgemachten Probleme wie der Klimawandel oder auch Covid-19 lassen sich nur mit Technologieeinsatz lösen. Die schnelle Umstellung auf das Home-Office und die Belastbarkeit der digitalen Infrastruktur waren absolut positive Elemente. National wie international hat die Politik erkannt, dass zukünftige Infrastrukturinvestitionen stark von digitaler Infrastruktur wie dem Ausbau von Glasfasernetzwerken, Funktürmen und intelligenten Stromnetzen geprägt sein wird.

Anleger, insbesondere Neuanleger, haben dieses Jahr trotz der Krise stark auf Wachstumswerte gesetzt. In Phasen von Nullzinsen sind Wachstumswerte besonders beliebt. Allerdings ging mir stellenweise die Euphorie mit Betonung auf "Wachstum, Wachstum über alles" etwas zu weit. Enttäuschend war sicher dieses Jahr die Wertentwicklung vieler solider Dividendenwerte. Value-Investoren wie Warren Buffett wurden wieder dafür gescholten, dass sie den Zahn der Zeit nicht erkannt haben.

wallstreet:online: Was war Ihre klügste und was Ihre unvorteilhafteste Investment-Entscheidung in 2020?

Thomas Rappold: Für mich ist Börse eine Marathon Angelegenheit und kein 100-Meter-Sprint. Das ist im Übrigen ein großer Fehler vieler Anleger, dass sie viel zu kurze Betrachtungszeitfenster für ihre Anlageentscheidungen heranziehen. Ich denke bei Investments immer in Phasen von fünf bis zehn Jahren. Wo könnte das jeweilige Unternehmen oder der Sektor bis dahin stehen? Anleger sollten sich von kurzfristigen Strömungen und dem Lärm, auch erzeugt durch die Medien, nicht davon abhalten lassen, ihre Entscheidungen durchzuziehen.

Beruflich als Index-Entwickler bin ich stolz, dass wir dieses Jahr herausragende neue Indizes für Anleger auf den Markt gebracht haben wie, den weltweit ersten Index auf die Subscription (Abo-) Economy, den weltweit ersten Quantum Computing Index, sowie mit wallstreet:online als Partner den Smart Platform Economy Index (ISIN: DE000VQ11SP4).

Auch Value-Investoren haben wir mit dem Omaha Alpha Index, dem Best-Of der Warren Buffett Aktien, bedient. Privat bin ich ein stark konträr geprägter Anleger. Ich kaufe gerne erstklassige Unternehmen, die deutlich unterbewertet sind. Dieses Jahr nutzte ich die Gelegenheit bei Disney, Berkshire Hathaway aber auch im Frühjahr vorbörslich bei Palantir. Als großer Fan von Fresenius Medical Care habe ich auch dort zu Tiefstpreisen zugeschlagen. Der Kurs hat bisher enttäuscht, ist aber kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen, ganz im Gegenteil. Wenn ich von einer Aktie überzeugt bin, freue ich mich über tiefere Kurse, dann kann man noch deutlich mehr dazu kaufen.

wallstreet:online: Ein paar Blicke in die Zukunft: Welche positiven und welche negativen Anlagetrends könnten Ihrer Meinung nach das Börsenjahr 2021 beherrschen?

Thomas Rappold: Ganz klar sehe ich mit Blick auf eine erfolgreiche Impfung, dass zyklische Aktien kurzfristig deutlich an Fahrt aufnehmen werden. Dies wird zu Rotationen führen. Generell bin ich kein Freund von zyklischen Aktien sondern von langfristigen, hochqualitativen Wachstumswerten.

Die beiden stärksten Themen mit längerfristiger Zugkraft für das ganze Jahrzehnt der 20er Jahre sehe ich in den Bereichen "Digitales Geld" und "Intelligente digitale Infrastruktur". Bargeldloses Zahlen wird auch in Deutschland immer beliebter. Die internationalen Zentralbanken, Vorreiter ist die chinesische Zentralbank, sind gefordert und werden von den großen Plattformunternehmen getrieben, digitale Währungen herauszugeben. Facebooks Libra Kryptowährung war da ein Wachruf für die pomadigen Zentralbanker.

Die Kombination aus digitalem Bezahlen und eCommerce dürfte durch die Krypto-Währungen und die Blockchain-Technologie stark an Fahrt gewinnen. Unternehmen wie PayPal, Square und MercadoLibre dürften davon weiter profitieren. Übrigens alle drei Unternehmen sind in dem neuen Smart Platform Economy Index enthalten. Ein zweiter großer Anlagetrend wird der Bereich digitale Infrastruktur sein. Der neue 750 Milliarden Euro schwere europäische Wiederaufbaufonds setzt genau hier an. Gleiches sieht man in China, wo im neuen Fünfjahresplan nicht mehr der Fokus auf neuen Straßen und Brücken liegt, sondern im Ausbau von Funktürmen und Glasfasernetzen. Mit Vodafone hat zuletzt ein weiteres Mobilfunkunternehmen entschieden, seine Funktürme als eigenständige Sparte an die Börse zu bringen. Dieses Infrastruktursegment ist für Anleger sehr attraktiv. Dazu gehört auch der Bereich intelligente Netze für die neu entstehenden Stromnetze auf Basis alternativer Energien.

wallstreet:online: Stichwort Börsen-Crashs im neuen Jahr: Klar, dass viele Anleger bei den aktuellen, hohen Börsenständen zögern, zu investieren. Hier könnte die Angst vor einem Crash nach der Börsenparty vorherrschen. Jetzt zitiert Tim Schäfer hier JP Morgan-Analysten, die die These aufstellen: „Du sollst an allen Allzeithochs investieren!”. „Anleger, die auf allen All-Time-Highs investiert haben, haben skeptische Anleger übertrumpft, die zu allen anderen Zeitpunkten investiert haben“, schreibt Tim Schäfer. Was ist Ihre Meinung dazu? Inwiefern sollte man jetzt Cash-Positionen auflösen und wo in der nächsten Zeit an den Börsen investieren?

Thomas Rappold: Grundsätzlich halte ich nichts von "Crash-Gurus". Das ist reine Geschäftemacherei. Ganz klar ist, wenn ich jedes Jahr einen Crash ansage, trifft dies auch manchmal zu. Eben deshalb sollten Anleger Börse als Marathon und nicht als 100-Meter-Lauf ansehen. Leider sind die Deutschen für diese Untergangsstimmungen sehr empfänglich. Mein Rat: Sparen sie sich den Kauf und die Beschäftigung mit dieser Art von Büchern oder Meinungen. Bilden sie sich eine eigene Meinung. Warren Buffett ist mit der These wonach er nie nach "dem Markt" schaut, sondern nach aussichtsreichen Unternehmen zu einem der reichsten Menschen der Erde geworden. Ihn interessiert der Markt und irgendwelche "Untergangsgurus" nicht. Er interessiert sich für solide Unternehmen. Genauso verfahre ich und sehe auch aktuell attraktive Unternehmen zu attraktiven Preisen.

wallstreet:online: Herr Rappold, vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Christoph Morisse, wallstreet:online Zentralredaktion

Zur Person des Interviewten:
Thomas Rappold ist Experte für Tech-Investments, FinTech-Unternehmer (divizend.com, silicon-valley.de) und internationaler Bestsellerautor („Silicon Valley Investing“ und „Peter Thiel“).


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24.12.2020, 14:13  |  19188   |   |   

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Thomas Rappold im Interview Papst der Platform Economy: "Facebooks Libra Wachruf für pomadige Zentralbanker" - Megatrends 2021 "Digitales Geld" und "Intelligente digitale Infrastruktur" seien laut Thomas Rappold Megatrends dieses Jahrzehnts. Privat lege er „stark konträr“ an und kaufe „gerne mal erstklassige Unternehmen“ wie Berkshire Hathaway.

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